Uni im Dorf – Musik in Außervillgraten

Der Ton macht mehr als nur Musik und ist in allen Lebensbereichen spürbar. Dazu gehört nicht nur der richtige Ton im taktvollen Umgang miteinander, sondern auch die Wirkung der Musik auf den Menschen, das Auslösen von Emotionen oder die Therapie. „Die Macht der Musik“ war das Thema der diesjährigen Veranstaltung in Osttirol.
Uni im Dorf 2015
Bild: Die Universität ist bereits zum 15. Mal zu Gast in Außervillgraten.

„Ja wenn die Uni nach Außervillgraten kommt, dann ist das die Uni im Dorf“, erklärt Josef Told, ehemaliger Volksschuldirektor und Mitorganisator, die Namensgebung vor 15 Jahren. Seit damals ist die Uni jährlich am ersten Wochenende im Advent zu Gast in der kleinen Gemeinde in Osttirol. Mit viel Engagement organisiert die Arbeitsgemeinschaft „Universität im Dorf“, bestehend aus der Gemeinde Außervillgraten und der Uni Innsbruck, die bereits traditionelle Veranstaltung. Wie alles begann, erklärt Told: „Die Uni im Dorf entstand in den Weihnachtsfeiertagen im Jahr 2000. Lothar Lies, ein Jesuit, verbrachte seit 1996 viel Zeit in unserem Dorf. Zu Weihnachten äußerte er den Wunsch, dass man doch etwas Nachhaltiges für Außervillgraten machen müsse.“ Die Doktoranden von Pater Lies wurden daraufhin in den Ort eingeladen, um Vorträge über ihre Forschungsthemen zu halten. Dies war die erste von vielen Veranstaltungen im Rahmen der Uni im Dorf.

Ein Thema hat es dem Organisationsteam in diesem Jahr besonders angetan – die Musik und deren mögliche Einflüsse auf den Menschen standen im Zentrum der Uni im Dorf 2015. Hört man sich in der Gemeinde um, so wird man bald feststellen, dass hier die Musik einen sehr hohen Stellenwert hat. Doch nicht nur die Musik, sondern auch die Weiterbildung wird in Außervillgraten hoch geschätzt. Die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens betont auch Vizerektor Roland Psenner: „Die Weiterbildung wird an der Uni immer wichtiger. Ein besonderer Aspekt davon ist das, was wir hier in Außervillgraten machen können. Hier werden Themen bearbeitet, die den Menschen wichtig sind. Aber nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner der Region profitieren von den Vorträgen. Es entstehen hier auch sehr anregende Diskussionen, die neue Fragen aufwerfen können.“ Kostenlose Vorträge zu den unterschiedlichsten Forschungsbereichen zum Thema Musik wurden von Marcel Zentner und Bruno Gingras vom Institut für Psychologie, Monika Fink und Raymond Ammann vom Institut für Musikwissenschaft sowie Evi Forgo-Baer, einer Fachpsychologin für Psychotherapie aus der Schweiz, die in einem multisensorischen Ansatz mit Straftätern beschäftigt, gehalten. Vizerektor Psenner ist von dem diesjährigen Programm begeistert: „Die Macht der Musik ist ein großartiges Thema, wo Geist, Intellekt und Emotionalität zusammen kommen.“

Wir sagen euch an ...

... den lieben Advent – nicht nur dieses bekannte Adventlied, sondern alle Aspekte der Musik waren an diesem Wochenende allgegenwärtig. Neben der musikalischen Umrahmung des Gottesdienstes durch den Männergesangsverein Außervillgraten, haben auch die Musikkapelle des Ortes sowie der Singkreis Hochpustertal die wissenschaftlichen Vorträge musikalisch unterstützt. Beim interaktiven Konzert am Samstagabend waren zudem die Zuhörerinnen und Zuhörer gefordert. Marcel Zentner forderte alle Anwesenden auf, sich während dem Vortrag der Musikstücke, auf die dabei ausgelösten Emotionen zu konzentrieren. Egal ob Rock, Pop, Klassik, Volksmusik oder Jazz – ganz kalt lässt die Musik wohl niemanden. Dies konnten auch die Anwesenden beim Konzert selbst erfahren. Sie berichteten von der Stimmung eines Sonnenuntergangs, dem Gefühl, der elegante Flug des Adlers, der morgendliche Trubel bis hin zu Schwermut oder Freude – Bilder und Emotionen könnten nicht vielfältiger sein. Die Musik als ein allgegenwärtiger Bestandteil unseres Lebens wird auch im Gottesdienst von Georg Fischer SJ vom Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie in Innsbruck angesprochen. „Ein Netz von Melodien hast Du allseits um mich gewebt“, so zitiert Fischer SJ in seiner Predigt Rabindranath Tagore, einen bengalischen Dichter. Die Musik als Thema der Uni im Dorf zog sich wie ein Roter Faden durch das erste Adventwochenende in Außervillgraten. Das gemeinsame Singen des Andachtsjodlers wurde von vielen Teilnehmenden als besonders ergreifender Moment beschrieben. Doch nicht nur die Psychologie der Musik wurde an diesem Wochenende besprochen. Monika Fink, Professorin am Institut für Musikwissenschaft referierte darüber wie Bilder klingen. Nach vielen kritischen Positionen zur Vermischung der Künste setzt erst Franz Liszt die Kombination von Bild und Ton in die Tat um. Die bekannteste Programmmusik sei laut Fink jedoch die „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky. „Zudem schrieben über 70 Komponistinnen und Komponisten Werke zu Picassos Bild Guernica“, sagt Fink. Weiters widmete sich Raymond Ammann vom Institut für Musikwissenschaft der Geschichte des Jodelns wobei er zu dem Schluss kommt, dass das Jodeln nicht aussterben sondern durch die Traditionsträgerinnen und –träger kontinuierlich umgeformt werden wird. Zudem wurde die Verbindung von Schamanismus mit Musik oder die Musiktherapie besprochen. Das vielseitige Programm zeigt, dass sich die unterschiedlichsten Interessensgruppen, von Musikvereinen bis hin zur Wissenschaft, mit der Macht der Musik auseinandersetzen. So ist die Musik mit ihren Melodien und Rhythmen ein tatsächlich alle umfassendes Netz, das auch Gemeinschaften zusammenhält, Einzelpersonen auffängt, Sicherheit gibt und Menschen verbindet.

Erlebbare Uni

Die Musik wurde aber nicht nur im wissenschaftlichen Kontext diskutiert. Die Junge Uni war auch zu Gast in Außervillgraten und bot ein umfassendes Programm für über 100 Kinder. „Die Kinder konnten in Kleingruppen jeweils alle vier Stationen besuchen und so in die faszinierende und abwechslungsreiche Welt der Forschung eintauchen. Mit großem Engagement erkundeten sie die Welt der steinzeitlichen Musikinstrumente, stellten ihre eigene Musikalität in den Dienst der Wissenschaft und erprobten sich, ausgestattet mit Aufnahmegeräten, als Jungethnologinnen und -ethnologen indem sie so genannte Soundscapes von Außervillgraten aufzeichneten. Oft wurden diese Erfahrungen dann noch bei einer Rap-Einheit verarbeitet“, erzählt Florian Westreicher von der Jungen Uni. So bunt das Programm war, so vielfältig waren auch die kreativen Ergebnisse der jungen Forscherinnen und Forscher. Die wissenschaftliche Neugier schon bei den Jüngsten zu wecken und ihnen Themen spielerisch näher zu bringen, ist Aufgabe der Jungen Uni. Die Uni Innsbruck hat als erste Universität im deutschsprachigen Raum im Jahr 2001 die Initiative Junge Uni gestartet. Denn Kinder und Jugendliche haben viele Fragen und die Uni viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Know-How am Puls der Zeit. Die Junge Uni will Forscherinnen und Forscher, die es eigentlich „Wissen sollten“ und Kinder und Jugendliche, die es „Wissen wollen!“ zusammenführen und so schon frühzeitig die Freude an Wissenschaft und Forschung wecken – und da gibt es in der Musik so einiges zu erleben.

Ein Rückblick

Schon seit 15 Jahren findet die Uni im Dorf ohne Unterbrechung in Außervillgraten statt – dieser Erfolg berechtigt auf jeden Fall zu einem Rückblick auf die vergangenen Jahre. Begonnen hat alles mit dem Thema „Glaube und Christliches Brauchtum“. In den darauffolgenden Jahren wurden die unterschiedlichsten Inhalte in den Veranstaltungen der Uni im Dorf in Außervillgraten vorgetragen und diskutiert. Themen wie Chancen und Entwicklung im ländlich-alpinen Raum, ein Ausflug in die Weiten des Weltalls, Generationenkonflikte oder –chancen, die Mundart, Pflege oder die neuen Medien sind nur eine Auswahl der vielfältigen Inhalte. Die Uni im Dorf in Außervillgraten ist ein vorbildliches Beispiel für den Wissenstransfer der Uni und die Vermittlung von anwendungsorientierten Forschungen. Es bleibt zu wünschen, dass auch zukünftig die Uni zu Gast in Außervillgraten sein darf.

(dp)