Tagung zur Berufsbildung im dualen System

Am 12. November 2015 trafen sich ca. 100 Interessierte aus Betrieben, Berufsschulen, Bildungsorganisationen, Bildungsverwaltung und Wissenschaft zur Auftaktveranstaltung des Forschungsclusters „Innovation in Vocational Education and Training“ (InnVET), der gemeinsam von der Uni Innsbruck (Wirtschaftspädagogik) und der Pädagogischen Hochschule Tirol (Berufspädagogik) getragen wird.
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Bild: Winfried Judmaier, Dr. Regine Mathies, Mag. Thomas Schrott, Univ.-Prof. Dr. Annette Ostendorf, Michael Öfner. (von links)

InnVET (Innovation in Vocational Education and Training) ist ein Forschungscluster zur Förderung der Berufsbildungsforschung. Er wird gemeinschaftlich von der Universität (Institut für Organisation und Lernen – Wirtschaftspädagogik) und der Pädagogischen Hochschule Tirol (Institut für Berufspädagogik) getragen und leistet interessensunabhängige universitär verankerte Forschung zur beruflichen Bildung. Berufliche Bildung bezieht sich dabei auf alle Fragen der Transformation beruflichen Wissens und Könnens auf die nachwachsende Generation mit einem spezifischen Fokus auf individuelle Bildungsprozesse und ihre strukturellen Bedingungen. Das Forschungsinteresse richtet sich auf die Lehrlingsausbildung, das höhere und mittlere berufsbildende Schulwesen, die betriebliche Weiterbildung, auf die Gesamtarchitektur des Berufsbildungssystems sowie auf die Professionalisierung des beruflichen Bildungspersonals in Schulen und Betrieben.

Als Auftakt zur Implementierung dieses Forschungsclusters fand am 12. November 2015 eine halbtägige Experten/innentagung an der Universität statt. Thematisch im Zentrum standen Herausforderungen und Gestaltungsperspektiven im Hinblick auf die Lehrlingsausbildung. Hierzu referierten vier Experten/innen aus Berufsbildungspraxis und Wissenschaft. Im Anschluss fand eine moderierte Podiumsdiskussion statt. Der Zuspruch der Veranstaltung war enorm hoch. Insgesamt ca. 100 Personen aus Betrieben, Berufsschulen, Bildungsorganisationen, Bildungsverwaltung und Wissenschaft nahmen teil und bezeugten damit die hohe gesellschaftliche Relevanz der Forschungsthematik.

Den Auftakt der Vorträge machte Mag. Thomas Schrott, Ausbildungsleiter bei MPreis und Sprecher des Beirats (TEAM17) des Ausbilderforums. Er präsentierte aktuelle Herausforderung aus Sicht der Lehrbetriebe und sprach dabei nicht nur für den Handel und sein Unternehmen, sondern auch für die Mitglieder des TEAM 17. Ein besonderes Anliegen war die Frage nach den Möglichkeiten einer Attraktivitätssteigerung der Lehre. Vernetzung, Vielfalt der Zugänge, Erschließung von neuen Zielgruppen waren einige der Eckpunkte, die zur Diskussion gestellt wurden.

Es folgte ein Beitrag von Michael Öfner, Head Training Center der Sandoz GmbH, Kundl. Er richtete seinen Blick insbesondere auf die technische Lehrlingsausbildung. Modularisierung, die Konkurrenzsituation am Ausbildungsmarkt und die Erschließung neuer Zielgruppen durch ‚Lehre und Matura‘ waren einige zentrale Eckpunkte seiner Ausführungen.

Die Sicht der Berufsschulen brachte Winfried Judmaier, Direktor der Tiroler Fachberufsschule für Installations- und Blechtechnik ein. Die Problematik, dass sich Lehrlinge häufig als Jugendliche ‚zweiter Klasse‘ fühlen, die Umsetzung neuer kompetenzorientierter Curricula und die heterogene Zusammensetzung der Berufsschulklassen wurden als besondere Herausforderungen ausgewiesen. Herr Judmaier rückte auch die Sicht der Klein- und Mittelbetriebe stärker in den Mittelpunkt der Diskussion. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Ausbildung der Berufsschullehrer/innen, die durch dienstrechtliche Novellen gerade wieder einen bildungspolitischen Rückschlag erhalten hat, indem die Verpflichtung zur Ausbildung auf Masterniveau für diese Lehrer/innen gestrichen wurde.

Nach der Pause, die rege zum Austausch von Ideen genutzt wurde, zeigte Frau Univ.-Prof. Dr. Annette Ostendorf auf, welche Forschungsthemen der Berufs- und Wirtschaftspädagogik im Hinblick auf die duale Ausbildung aktuell bearbeitet werden und wo Forschungslücken bestehen. Betont wurde insbesondere auch die Notwendigkeit einer vergleichenden und konnektivitätsbezogenen Perspektive.

Dieser Aufriss des Themenspektrums war auch Basis dafür, aufzuzeigen, welche Forschungsbedarfe bestehen, auf deren Bearbeitung InnVET als Forschungscluster zur Berufsbildungsforschung gerichtet ist. Es wurde veranschaulicht, wie sich Forschung zu diesen gesellschaftlich wichtigen Fragen aufstellen könnte und welche Bedingungen hierfür erforderlich wären. Betont wurde die Interessensunabhängigkeit der Forschung und deren gestaltungsorientierte Ausrichtung. Geplant sind folgende vier Arbeitsschwerpunkte von InnVET:

  1. Wissenschaft-Praxis-Kommunikation: Fortführung des InnVET-Forums, zu dem auch diese Auftakt-Experten/innentagung zählt.
  2. Generierung wissenschaftlichen Wissens und Publikationen: Forschungsprojekte beantragen und ausführen
  3. Professionalisierung des Forschungspersonals: Kooperative Forschungswerkstätten Universität + PHT
  4. Innovationen entwickeln, umsetzen, evaluieren: Entwicklungswerkstatt zu didaktischen Innovationen, Begleitforschung zur Implementierung von Curricula, Verzahnung Forschung und Lehre, kooperative Master- und Bachelorarbeiten mit Betrieben und Schulen.

Hierzu sind Anstrengungen und Unterstützung aller an der Berufsbildung Beteiligten wie Betriebe, Schulen, Bildungsorganisationen, Bildungspolitik und –verwaltung und Hochschulen nötig. Dass hier alle Gruppen eingebunden werden wollen und müssen, zeigte auch die anschließende von Frau Dr. Regine Mathies moderierte Podiumsdiskussion, bei der die Breite des Themenspektrums eines Innovationsclusters Berufsbildungsforschung nochmals deutlich wurde.

(Annette Ostendorf)

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