Workshop zu aktuellen archäologischen Forschungen im Ager Aguntinus

Unter dem Titel „Von Aguntum zum Alkuser See – Zur römischen Geschichte der Siedlungskammer Osttirol“ fand kürzlich ein vom Institut für Archäologien organisierter öffentlicher Workshop in Dölsach statt, in welchem aktuelle Ergebnisse von Forschungen zur römischen Vergangenheit Osttirols und angrenzender Gebiete präsentiert wurden.
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Bild: Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop in Aguntum (Foto: Claudia Funder, Lienz)

Zu dem von Mag. Dr. Martin Auer und Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Verein Curatorium pro Agunto organisierten Workshop hatten sich annähernd 70 an der römischen Geschichte Osttirols interessierte Besucherinnen und Besucher im Grabungshaus Aguntum in Dölsach eingefunden, um über den aktuellen Wissens- und Forschungsstand zu diskutieren und sich einen Überblick über die Ausbreitung der Römer im Gebiet des heutigen Bezirkes Lienz zu verschaffen. Nach der Begrüßung durch Harald Stadler und Dr. Leo Gomig, dem Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto, präsentierten die aus unterschiedlichen Fachrichtungen stammenden 11 Referentinnen und Referenten aus Österreich, Südtirol und dem Belluno in insgesamt 14 Vorträgen Ergebnisse aktueller Forschungen zur Römerzeit in Osttirol.

Im ersten Block wurde das Hauptaugenmerk auf das urbane Zentrum, die Römerstadt Aguntum, gelegt. Der langjährige Ausgrabungsleiter, Ass.-Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler, berichtete über die aktuellen Forschungen im Stadtgebiet, Martin Auer bot eine Zusammenfassung der römischen Bebauung Aguntums, Mag. Dr. Veronika Sossau referierte über die Zeit der Spätantike in der Stadt, während Ass.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller einen Einblick in die Forschungsgeschichte ermöglichte und mit Anton Roschmann und P. Innozenz Ploner zwei frühe Aguntum-Ausgräber vorstellte.

Dass die Stadt Aguntum natürlich auch über ein dicht besiedeltes Umland verfügte und sich das Leben der Römer in vielen Teilen Osttirols abgespielt hatte, zeigte der zweite Block nach der Mittagspause, in dem DI Otto Unterweger zunächst über die Geomorphologie des Debantbaches sprach. Martin Auer und Florian Müller präsentierten dann ein Projekt zur Kartierung römischer und spätantiker Siedlungsplätze im Umland von Osttirol bzw. die Ergebnisse zweier geophysikalischer Untersuchungen zu römischen Villen in Nußdorf-Debant und Oberlienz. Dr. Hubert Steiner vom Amt für Bodendenkmäler ermöglichte mit der Vorstellung des Handelszentrums St. Lorenzen/Sebatum einen Einblick in das Südtiroler Pustertal.

Anschließend wurden Gräber, Nekropolen und Opferplätze näher betrachtet. Martin Auer, Harald Stadler und Michael Tschurtschenthaler boten einen Überblick über römische Grabformen in Osttirol. Mag. Ingomar Gräber stellte die römerzeitlichen Bestattungen im Raum St. Lorenzen/Sebatum vor und MMag. Dr. Karl Oberhofer präsentierte die Erkenntnisse der Erforschung des Fundplatzes „Burgstall“ oberhalb des Brauhauses Falkenstein.

Der abschließende Vortragsblock führte ins Hochgebirge und zeigte deutlich, dass die Römer nicht nur in den Tallagen ihre Spuren hinterlassen haben. Mag. Elias Flatscher stellte die Ergebnisse der mehrjährigen Grabungskampagnen am Alkuser See vor, während Mag. Waltraud Moser-Schmidl die Bedeutung des Felber Tauern als wichtige Verbindung zwischen Nord und Süd hervorhob. Eugenio Padovan präsentierte zum Abschluss die Überreste eines befestigten Lagers am Kreuzbergsattel.

Erstmalig wurde bei dem ganztägigen Workshop eine Zusammenschau römischer Besiedelungsspuren im Raum Osttirol vom Lienzer Talboden bis ins Hochgebirge vorgestellt. Dieses Gesamtbild der Siedlungskammer zeigte deutlich, dass gerade durch die verstärkten vielseitigen Aktivitäten in den letzten Jahren bemerkenswerte neue Erkenntnisse zur Römerzeit in Osttirol erlangt werden konnten.

(Florian M. Müller)