Klimawandel oder Klimawende – Gelingt Paris 2015?

Was muss bei der Klimakonferenz COP21 in Paris Ende November geschehen, damit der Klimawandel noch eingedämmt werden kann? Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen umgemünzt werden? Und warum ist es so schwierig – aber dann doch wieder nicht unmöglich –, ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz zustande zu bringen?
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Bild: Die Vortragenden und OrganisatorInnen der Veranstaltung: Eva Lavric, Christophe de Winter (Institut français d’Autriche), Wolfgang Gurgiser (Mitarbeiter „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“), Georg Kaser, Romana Kaier (Mitarbeiterin Frankreich-Schwerpunkt), Keywan Riahi, Hannelore Weck-Hannemann. (Foto: Christian Newesely)

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die erste einer Reihe von drei Veranstaltungen, die für Experten wie auch für ein breites Publikum die Problematik des Klimas an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik beleuchten und die gemeinsam vom universitären Forschungsschwerpunkt „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“ und vom Interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck organisiert werden. Zur Eröffnung der ersten Veranstaltung sprachen denn auch Prof. Dr. Hannelore Weck-Hannemann, die Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Alpiner Raum – Mensch und Umwelt“, und Prof. Dr. Eva Lavric, die Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts, und betonten die Dringlichkeit des Themas und die Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen.

Die Universität Innsbruck verfügt über umfassende Kompetenzen in der Klimaforschung, deren Komplexität gar nicht so leicht einem Laienpublikum zu vermitteln ist – spielen doch die verschiedensten Faktoren ineinander, und es bedarf komplizierter Modelle, um zukünftige Entwicklungen unter verschiedenen Szenarien vorherzusagen. Zu den wissenschaftlichen Fragen kommen noch politische und entscheidungstechnische Kriterien hinzu, die eine gemeinsame weltweite Aktion mehr oder weniger plausibel machen. Dabei spielt besonders die Einbeziehung der Bevölkerung der verschiedenen Länder eine bedeutende Rolle.

Die Klimakonferenz COP21, die für 30.11. bis 11.12.2015 in Paris anberaumt ist (die aber auch mehrere Tage länger dauern könnte, während derer intensiv um ein gemeinsames Schluss-Statement gerungen wird), erscheint aussichtsreicher als die Vorgänger-Konferenzen in Warschau 2013 und Lima 2014, weil die beiden größten CO2-Emittenten, die USA und China, nun endlich mit im Boot sind. Außerdem setzt sich das Gastgeberland Frankreich intensiv dafür ein, dass am Ende nicht nur leere Worte herauskommen, sondern ein bindender gemeinsamer Aktionsplan. Um eine breite Öffentlichkeit weltweit zu erreichen, wurden sämtliche französischen Botschaften angewiesen, die COP21 mit jeweils lokalen Veranstaltungen zu begleiten. Auch die Innsbrucker Veranstaltungsreihe kam auf Initiative der Botschaft der Republik Frankreich in Österreich und des Institut français d’Autriche zustande.

Federführend in Innsbruck ist Prof. Dr. Georg Kaser, Gletscherforscher und Lead Autor beim IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change; hat 2007 den Friedensnobelpreis erhalten). Er war es auch, der an diesem ersten der drei Abende den einführenden Vortrag hielt. Prof. Lavric stellte ihn so vor: „Er war Vortragender bei der COP19 in Warschau und bei der COP20 in Lima 2014 und wird daher aus eigener Erfahrung die Herausforderungen, aber auch die Modalitäten einer solchen internationalen Konferenz darstellen können, er kennt die Dialektik von Wissenschaft und Politik und die Schwierigkeiten wie auch die Kunst, wissenschaftliche Erkenntnisse in ein gemeinsam akkordiertes Schlussdokument umzumünzen.“

Dasselbe galt auch für den zweiten Vortragenden, Prof. Dr. Keywan Riahi vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg, ebenfalls ein „Veteran“ früherer Klimakonferenzen, der zum Thema „Globale Strategien zur Begrenzung des Klimawandels – COP21, die letzte Ausfahrt Richtung 2 °C“ sprach. Die vielzitierte globale Erwärmung um 2 °C ist ja jener Wert, bei dem die Auswirkungen des Klimawandels irgendwie noch in den Griff zu bekommen wären. Die Vortragenden wiesen aber nach, dass die Selbstverpflichtungen der Staaten, die sogenannten INDCs, bei weitem nicht ausreichen, um dieses Ziel zu erreichen. Je später man beginne, Maßnahmen zu treffen, desto radikaler müssten diese Maßnahmen sein und desto höher werde trotzdem das Risiko, die extremen Klimaphänomene nicht in den Griff zu bekommen (Anstieg der Ozeane, Häufung extremer Wettererscheinungen etc.).

Die anschließende Diskussion mit dem zahlreich erschienenen Publikum moderierte Peter Nindler von der TT, und es zeigte sich, dass rund um die Klima-Problematik große Besorgnis, aber auch ein starkes Bedürfnis nach Information und Erklärung komplexer Zusammenhänge besteht. Umso wichtiger, dass es noch zwei Veranstaltungen in der Reihe gibt:

  • am Mittwoch, dem 25. November 2015, 18:30 bis 20:30 Uhr im Kaiser-Leopold-Saal (Theologie), zu Rückblick und Ausblick der Klimawandelforschung (mit Valérie Masson-Delmotte aus Frankreich und Christian Huggel aus der Schweiz),
  • und am Mittwoch, dem 13. Jänner 2016, 18:30 bis 20:30 Uhr im Kaiser-Leopold-Saal (Theologie), zur einer Bilanz der COP21 mit Teilnehmern der österreichischen und der französischen Delegation (Helmut Hojesky und Jean Jouzel) sowie VertreterInnen der Jugend in den beiden Delegationen bei der COP21.

(Eva Lavric)