Ehrendoktorat für Friederike Mayröcker

Die Universität Innsbruck verlieh das erste Ehrendoktorat einer österreichischen Universität an Friederike Mayröcker. Mit dieser Auszeichnung wird eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart geehrt, deren poetisches Lebenswerk internationalen Ruhm genießt.
Ehrendoktorat für Friederike Mayröcker
Bild: Vizerektorin Sabine Schindler, Ehrendoktorin Friederike Mayröcker, Rektor Tilmann Märk und Studiendekan Gerhard Pisek bei der Überreichung der Auszeichnung. (Bild: Marcos Aray)

Die 90-jährige Friederike Mayröcker gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der Gegenwart. Nach der Verleihung des Ehrendoktorats durch die Universität Bielefeld im Jahr 2001 ist die Universität Innsbruck nun die erste österreichische Universität, die Friederike Mayröcker diese Auszeichnung zuerkennt. Es ist ein Akt der Reverenz vor einer der Großen der Literatur, nicht nur seitens der Literaturwissenschaft, sondern der gesamten österreichischen akademischen Welt. Mayröckers Dichtung kommt zwar ohne Handlung, ohne Story und ohne explizite Botschaft aus, ist aber dennoch engagiert in einem subtilen Sinne. Sie ist der Ausdruck eines intensiven Blicks, eines hochsensiblen Zugangs auf die Welt. Mayröckers hochempathischer Blick gilt allen Kreaturen, Menschen gleichermaßen wie Tieren; er sieht Bettler, alte, krumme Menschen, kranke Hasen und erschöpfte Fliegen. In ihren Texten zeigt sich ein Grad an Empathie weit jenseits der Norm. In einem langen, überaus schöpferischen Leben hat Friederike Mayröcker ein umfangreiches Werk geschaffen, dessen formale Kühnheit und Vielfalt, sprachliche Schönheit und emotionale Tiefe internationale Beachtung fand. Über fünfzig Bücher und mehr als 1500 Beiträge in Anthologien und Zeitschriften liegen vor.

Die künstlerische und persönliche Biographie der großen Dichterin ist in vielfacher Weise mit der Stadt Innsbruck verwoben. Als wiederholter Gast bei den Österreichischen Jugendkulturwochen, leistete sie einen wesentlichen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst der Nachkriegsjahrzehnte. Als einzige österreichische Förderungsveranstaltung für den „schöpferischen Nachwuchs“, auf welcher das ästhetisch Innovative und Experimentelle nicht nur erlaubt, sondern erwünscht war, genossen die Innsbrucker Jugendkulturwochen internationale Anerkennung. Neben Mayröcker wurden u.a. Ernst Jandl, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek eingeladen. In dieser Runde stellte Mayröcker ihr erstes Buch einem kritischen Publikum vor. Der Kontakt zu Innsbruck sollte nicht mehr abreißen: Im Studienjahr 1996/97 übernahm sie auf Einladung von Prof. Johann Holzner die Poetik-Vorlesung, eine Veranstaltung, die seit 1984 regelmäßig an der Universität Innsbruck stattfindet.  Eine Reihe von Forschungsarbeiten ist seither entstanden. Derzeit arbeitet Dr. Eleonore De Felip, gefördert von einem Elise-Richter-Stipendium des FWF, am Forschungsinstitut Brenner-Archiv an einem Projekt zur „lyrischen Intensität“ von Friederike Mayröckers Lyrik.

Wichtigste Preise

Die Autorin erhielt bisher eine Vielzahl an wichtigen Preisen und Ehrungen wie beispielsweise den Georg-Trakl-Preis (1977), den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1982), den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (1993), den manuskripte-Preis (1994), den Else-Lasker-Schüler-Preis (1996), den Großen Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste (1996) sowie den Georg-Büchner-Preis (2001). Im Jahr 2004 wurde Mayröcker für den Nobelpreis nominiert. Vor etwa einem Jahr wurde ihr das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich überreicht, und im Juni dieses Jahres erfolgte die Ernennung zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien.

Zur Person

Friederike Mayröcker wurde am 20. Dezember 1924 in Wien geboren. Nach der Externisten-Matura 1950 legte sie die Staatsprüfung für Englisch ab und arbeitete von dann als Englischlehrerin an verschiedenen Wiener Hauptschulen. Bereits 1939 begann sie mit ersten literarischen Arbeiten, sieben Jahre später folgten kleinere Veröffentlichungen von Gedichten in der Wiener Avantgarde-Zeitschrift „Plan“. Im Jahre 1954 lernte sie Ernst Jandl bei den Österreichischen Jugendkulturwochen in Innsbruck kennen. Mit ihm verband sie eine Lebensgemeinschaft bis zu seinem Tod im Jahr 2000. Ihre erste Buchveröffentlichung mit dem Titel „Larifari. Ein konfuses Buch“ erfolgte 1956 im Bergland-Verlag. Seitdem erschienen zahlreiche Werke in Lyrik und Prosa, Hörspiele, Kinderbücher und Bühnentexte. Zuletzt erschien „Cahier“ im Jahr 2014 bei Suhrkamp.

(dp/red)