Hochkarätig besetztes Symposium zu kanadischer Literatur

Anfang Oktober lud das Zentrum für Kanadastudien (ZKS) zu einem hochkarätig besetzten Symposium zu kanadischer Literatur nach Innsbruck: “Crisis and Beyond. The Literatures of Canada and Quebec/ Écriture de la crise : dans la tourmente et au-delà. Les littératures au Canada et au Québec”.
blog_crisis_and_beyond.jpg
Bild: Univ.-Prof. Dr. Ursula Moser, Dr. Marie Carrière (CLC University of Alberta), em. O. Univ.-Prof. Dr. Hans Moser, Aritha van Herk. (Foto: Zentrum für Kanadastudien)

Vom 30. September bis 3. Oktober 2015 fand an der Universität Innsbruck – in Zusammenarbeit mit dem Canadian Literature Centre der University of Alberta – die zweisprachige Konferenz “Crisis and Beyond. The Literatures of Canada and Quebec/ Écriture de la crise : dans la tourmente et au-delà. Les littératures au Canada et au Québec” statt. Über 60 WissenschaftlerInnen aus Nordamerika und Europa waren angereist, um in 17 Sektionen, einem Panel und drei Key-Note-Lectures dem Krisenbewusstsein der Gegenwart nachzuspüren, das seit geraumer Zeit auch von Intellektuellen und Schriftstellern thematisiert wird.

Im Zentrum standen die Texte autochthoner, Quebecer und anglokanadischer SchriftstellerInnen, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurden. Dabei wurden Antworten auf eine Reihe von grundlegenden Fragen gesucht: Wie wirken AutorInnen unterschiedlicher Provenienz der sozialen, ökonomischen und ideologischen Unsicherheit entgegen, der wir ausgesetzt sind? Gibt es so etwas wie eine Poetik der Krise? Was führt darüber hinaus? Das Schreiben? Die Mobilisierung der geistigen Kräfte? Politischer Widerstand? Radikale Transgression? Soziale Revolte? Oder einfach nur die Ironie? Vor dem Hintergrund der selbstkritischen Frage, ob der Diskurs der Krise letztendlich nicht nur ein Vorrecht der Privilegierten und ein Phänomen der Ersten Welt ist (Alfred Sauvy), wurden diese und ähnliche Fragestellungen in anspruchsvollen Papers und unter lebhafter Beteiligung des Publikums diskutiert.

Besonderen Anklang fanden die drei Keynote-Lectures der kanadischen bzw. Quebecer Autorinnen Aritha van Herk, Nicole Brossard und Louise Dupré, die jeweils einen der Konferenztage eröffneten. Da die indianischstämmige Autorin Lee Maracle kurzfristig absagen musste, wurde ihre Keynote Lecture durch eine Lesung aus ihrem Werk ersetzt. Auch die drei anderen Autorinnen gaben zusätzlich eigene Lesungen, sodass insgesamt der vierfache Dialog gelang, den die Konferenz angestrebt hatte:

  • der Dialog zwischen AutorInnen und KritikerInnen,
  • der Dialog zwischen jungen und bereits etablierten WissenschaftlerInnen,
  • der Dialog zwischen den beiden offiziellen Sprachen Kanadas und nicht zuletzt
  • der Dialog zwischen nordamerikanischen und europäischen Wissenschaftsdiskursen.

Die Tagung soll im Herbst 2016 in Banff ihre Fortsetzung finden und vom Canadian Literature Centre an der University of Alberta ausgerichtet werden.

(Ursula Moser, Leiterin des ZKS Innsbruck)