Das neue Lehramtsstudium hat begonnen

Die Umsetzung eines der größten Reformvorhaben zur LehrerInnenbildung in Österreich ist an der Universität Innsbruck erfolgreich angelaufen. Für das Studienjahr 2015/2016 haben 702 StudienwerberInnen das Aufnahmeverfahren erfolgreich absolviert. Von diesen haben 505 Studierende im Wintersemester 2015 ein Lehramtsstudium begonnen. Weitere werden das Studium im Sommersemester beginnen.
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Bild: Das neue Lehramsstudium ist dieses Semester in Innsbruck gestartet.

Das neue Lehramtsstudium wurde unter Berücksichtigung der Bologna-Richtlinien als vierjähriges Bachelorstudium mit darauf folgendem Masterstudium implementiert. Es ist eines der anspruchsvollsten Studienangebote der Universität Innsbruck. Dieser Anspruch ergibt sich aus der mit dem LehrerInnenberuf verbundenen mehrfachen hohen Verantwortung. Von den Studierenden wird erwartet, dass sie als Grundvoraussetzung sowohl großes Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als auch an den gewählten Unterrichtsfächern mitbringen. Im neuen Lehramtsstudium an der Universität Innsbruck werden diese Anforderungen mit dem Konzept einer dem aktuellen Wissens- und Forschungsstand entsprechenden wissenschaftlichen, forschungsbasierten und professionsorientierten Berufsausbildung umgesetzt.

Zentrale Neuerung und Herausforderung für dieses Studium ist, dass es für den Unterricht der allgemeinbildenden Fächer in der gesamten Sekundarstufe (Neue Mittelschule, Polytechnische Schulen, Allgemeinbildende Höhere Schulen, Mittlere und Höhere Berufsbildende Schulen) ausbildet. AbsolventInnen dieses Studiums können anschließend an allen genannten Schularten angestellt werden. Dieses Studium entspricht auch den Erfordernissen für den Unterricht an den Mittel- und Oberschulen in Südtirol. Die in Teilen scheinbar divergierenden beruflichen Anforderungen der genannten Schularten werden im neuen Curriculum als Chance für eine nachhaltige qualitative Weiterentwicklung der LehrerInnenausbildung gesehen.

Der Studienstart an der Universität Innsbruck darf jedoch nicht, wie Rektor Märk betont, isoliert gesehen werden: Hintergrund ist das von der Bundesregierung initiierte umfassende Reformvorhaben PädagogInnenbildung NEU. In diesem Zusammenhang wurden in Österreich regionale Entwicklungsverbünde für eine qualitativ hochwertige Weiterentwicklung der LehrerInnenbildung für alle Schulstufen und -arten gebildet. Im Entwicklungsverbund WEST haben sich hierfür die Pädagogische Hochschule Tirol, die Pädagogische Hochschule Vorarlberg, die Kirchliche Pädagogische Hochschule – Edith Stein, die Universität Mozarteum Salzburg und die Universität Innsbruck zusammengeschlossen. Im Entwicklungsverbund WEST haben mehrere gemeinsam gebildete Arbeitsgruppen an der Erstellung eines Studienplans für das neue Sekundarstufenlehramt intensiv gearbeitet. Rektor Märk sieht in dem erfolgreichen Start des Studiums insbesondere auch die Basis für den wichtigen nächsten gemeinsamen Schritt im Entwicklungsverbund, die Implementierung des gemeinsamen Lehramtsstudiums für die gesamte Sekundarstufe mit allen genannten Institutionen. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die damit verbundenen noch offenen verwaltungstechnischen, gesetzlichen und inhaltlichen Fragen einer Lösung zuzuführen.

In der Umsetzung hat sich gezeigt, dass der Übergang vom Diplom- zu einem Bachelor- und Masterstudium administrativ wie inhaltlich eine große Herausforderung darstellt. Rektor Märk bedankt sich bei den beteiligten Instituten, Fakultäten, dem Senat und der Universitätsverwaltung für das hohe Engagement und sieht darin eine Bestätigung des von der Universität eingeschlagenen Weges, sich für einen weiteren Qualitätssprung der LehrerInnenbildung in Westösterreich und Südtirol besonders zu engagieren.

Eine weitere Innovation betrifft das Angebot eines Bachelorstudiums Islamische Religionspädagogik und des Unterrichtsfachs Islamische Religion. Diese Studien bietet die Universität Innsbruck als einzige Universität in Österreich an. Zusätzlich wurde mit der Neukonzeptionierung des Erweiterungsstudiums die Wahl eines dritten Unterrichtsfachs stark vereinfacht. Den Herausforderungen einer theoriegeleiteten und evidenzbasierten Forschung in der LehrerInnenbildung wird die Universität Innsbruck mehrfach gerecht: Das Bachelorstudium basiert auf forschungsgeleiteter Lehre, das Masterstudium bietet einen ersten Einstieg in selbständige Forschung aus fachlicher, fachdidaktischer und bildungswissenschaftlicher Perspektive und das an der School of Education (Fakultät für LehrerInnenbildung) speziell für AbsolventInnen von Lehramtsstudien neu etablierte Doktoratsstudium – von der Universität Innsbruck als eine der ersten im deutschsprachigen Raum eingerichtet – stärkt professionsbezogene Forschung.

(Univ.-Prof. Mag. Dr. Christian Kraler und Mag. Klaus Reich)