„Joint Excellence“ mit Ringbildung

Das Förderprogramm „Joint Excellence in Science and Humanities“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat zum Ziel, neue internationale Kontakte zu stimulieren und dabei ausgewählte Partnerländer zu unterstützen. In diesem Rahmen forschte Hossein Tavakol von der Technischen Universität Isfahan, Iran, kürzlich am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik.
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Bild: Hossein Tavakol erforscht mit Innsbrucker Kollegen elektroneninduzierte Zyklisierungsreaktionen.

In der Arbeitsgruppe Chemische Physik von Prof. Martin Beyer forschten der 39-jährige iranische Professor Hossein Tavakol und seine Innsbrucker Kollegen an elektroneninduzierten Zyklisierungsreaktionen. Tavakol unterstützt dabei die experimentell arbeitende Gruppe Beyers durch computergestützte Simulationen von chemischen Reaktionsschritten. Das besondere gemeinsame Interesse von Tavakol und Beyer gilt dabei den physikalischen Mechanismen der Ringbildung (Zyklisierung) verschiedener chemischer Verbindungen. Bekannte Beispiele von sich daraus ergebenden zyklischen Verbindungen sind etwa Glucose oder der DNA-Baustein Desoxyribose. Die aktuelle Kooperation befasst sich mit einigen speziellen, zuvor von Martin Beyer und Mitarbeitern experimentell mit Elektronenanlagerung untersuchten ringbildenden Reaktionen, die Hinweise auf verschiedene physikalische Wege zum Ringschluss erbrachten. Hossein Tavakol ermöglicht nun mit Hilfe vergleichender numerischer Untersuchungen die Analyse der möglichen unterschiedlichen Mechanismen.

Ringförmige Moleküle spielen in der Nano- und Biophysik, dem Arbeitsgebiets Martin Beyers in Innsbruck, eine vielfältige Rolle. „Nanowissenschaften werden in Iran stark gefördert“, beschreibt Hossein Tavakol das gemeinsame Forschungsinteresse. An der Technischen Universität Isfahan hatte er sich bereits mit numerischen Untersuchungen zur chemischen Physik von Nanoröhren und anderen Nanomaterialien wie Fullerenen beschäftigt. Die Förderung der Forschung in Iran habe in den letzten Jahren zu einem starken Anstieg der Zahl wissenschaftlicher Publikationen geführt, betont Tavakol: „Die Herausforderung an die Wissenschaftler ist es nun, die Qualität weiter über der Quantität zu halten.“ Und da wissenschaftliche Qualität insbesondere von internationalem Austausch und Kooperationen befördert wird, kommt hier dem JESH-Programm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine wichtige Rolle zu.

Nach seinem derzeit ersten Aufenthalt in Österreich wird Hossein Tavakol im nächsten Jahr noch einmal für einen Monat an der Universität Innsbruck bei Martin Beyer zu Gast sein, um die Forschungen abzuschließen.

(Alexander Kendl)