Forschungsförderung der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl 2015

Mit Unterstützung des Rektorats hat die Alpine Forschungsstelle Obergurgl auch 2015 wieder eine Forschungsförderung ausgeschrieben. Eine GutachterInnen-Jury hat Projekte von Univ.-Prof. Mag. Dr. Ursula Peintner und assoz. Prof. Dr. Martin Tollinger für die Förderung ausgewählt.
blog_afo-foerderung_2015.jpg
Bild: Gruppenbild bei der Preisverleihung, von links: Brigitta Erschbamer (Leiterin Alpine Forschungsstelle Obergurgl), Nikolaus Schallhart (Koordinator AFO), Michaela Hittorf, Rüdiger Kaufmann (Stellvertretender Leiter AFO), Ursula Peintner, Martin Tollinger, Sara Matt-Leubner.

Auch 2015 hat die Alpine Forschungsstelle Obergurgl mit Unterstützung des Rektorats wieder eine Forschungsförderung ausgeschrieben. Die eingehenden Projekte wurden von internen und externen GutachterInnen evaluiert und gereiht. Aus diesem Prozess sind folgende Projekte als Sieger hervorgegangen:

  • „Bodenpilze und Collembolen an frühesten Sukzessionsstadien des Gletschervorfeldes als Grundlage zur Erforschung trophischer Interaktionen von Pionieren“, eingereicht von Univ.-Prof. Mag. Dr. Ursula Peintner
    Das Schmelzen der Gletscher ist in vielen Alpenregionen das wohl deutlichste Zeichen für die aktuellen großklimatischen Veränderungen. Es ermöglicht aber auch die Untersuchung einer fundamentalen ökologischen Fragestellung: Wie entsteht ein Ökosystem? Im Gletschervorfeld des Rotmoosferners nahe Obergurgl gehen WissenschaftlerInnen schon seit über einem Jahrzehnt der Frage nach, wie und in welcher Abfolge die eisfrei werdenden Flächen von Tieren und Pflanzen wiederbesiedelt werden. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse haben in Wissenschaftskreisen große Beachtung erfahren, wie etwa die Entdeckung, dass – im Gegensatz zu allen bis dahin gängigen Theorien zur Besiedelung von Lebensräumen – die ersten Besiedler eisfrei werdender Areale nicht Pflanzen, sondern räuberische Spinnen und Insekten sind. Weiterführende Untersuchungen  identifizierten dann Collembolen – winzige Insekten, die auch schon direkt auf dem Gletscher vorkommen – als eine wichtige Nahrungsquelle dieser Gletschervorfeldkolonisatoren. Nur wovon ernähren sich nun diese Collembolen ihrerseits? Hinweise, dass Collembolen häufig mykophag, also „pilzfressend“ sind, gibt es aus mehreren Lebensräumen. Ob dies auch im Gletschervorfeld des Rotmoosferners nahe Obergurgl der Fall ist, soll in diesem Projekt durch Ursula Peintner und Michaela Hittorf geklärt werden. Das Projekt stellt einen weiteren wichtigen Schritt zur vollständigen Entschlüsselung der Nahrungsbeziehungen in Gletschervorfeldern dar, könnte aber auch entscheidende Hinweise bei der Erforschung von Nahrungsnetzen in anderen neu entstehenden Ökosystemen liefern.
  • „Biological ice nucleators for artificial snow production“, eingereicht von assoz. Prof. Dr. Martin Tollinger
    Künstliche Schneeproduktion ist in vielen touristisch genutzten Alpinregionen mittlerweile eine dem Wettbewerb geschuldete Notwendigkeit. Allerdings gelten für diesen Prozess nicht in allen Ländern die gleichen Sicherheits- und Umweltbestimmungen, gerade wenn es um den Einsatz von Kristallisationskeimen geht. Eines der am weitesten verbreiteten Produkte setzt dafür ein Bakterium ein, das so genannte „ice nucleation proteins“ enthält. Dieses Bakterium greift allerdings Pilze an und kann potentiell allergische Reaktionen hervorrufen. Da trotz der Abtötung der Bakterien vor deren Verwendung eine Gefährdung für Mensch und Umwelt über Zellmembranen und andere Bakterienteile nicht absolut ausgeschlossen werden kann, ist dieses Produkt in Österreich verboten, in anderen Ländern allerdings erlaubt. Prof. Tollinger und sein Team arbeiten in diesem Projekt daher daran, die für die Kristallisation entscheidenden Strukturen des ice nucleating proteins zu identifizieren und synthetisch zu reproduzieren, um zukünftig die Sicherheit solcher Produkte deutlich erhöhen zu können.

Die Alpine Forschungsstelle Obergurgl hofft, durch die Förderung dieser beiden Projekte einen Beitrag zur Generierung von wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Erkenntnissen zu liefern und den Forschungsstandort Obergurgl weiter zu stärken.

Am 9. Oktober 2015 wurde die offizielle Verleihung der Forschungsförderung durch Frau Dr. Sara Matt-Leubner, der Leiterin der  Stabsstelle für Wirtschaftskooperationen und Beteiligungen, im Salon des Rektors durchgeführt.

(Nikolaus Schallhart)