Eine „Fête de la musique“ ganz im Zeichen des Chanson

„Fête de la musique“, das ist, wenn in Frankreich zur Sommersonnenwende an allen Straßenecken und -enden Musik, Gesang und Tanz die Menschen zusammenbringen. Wer ein Instrument beherrscht oder ein Lied singen kann, wird an diesem Abend zum Straßenmusik-Star. Es ist alles gratis, und alle können mitmachen.
Fete de la musique
Bild: Mathias Steinhuber als Georges Brassens. (Bild: Lavric)

Kein Wunder, dass die Idee Schule gemacht hat und dass eine ganze Reihe europäischer Städte, auf Initiative der französischen Kulturinstitute, immer Ende Juni ihre „Fête de la musique“ feiern. Auch in Innsbruck hat die Veranstaltung, die die ganze Innenstadt in ein Konzertcafé verwandelt, schon zweimal stattgefunden. Heuer war die „Fête de la musique“ Teil einer größeren Veranstaltung, die auf das Singen fokussiert: „Innsbruck singt“: am 27.6. pflasterte das Zentrum mit Stationen, die die Menschen zum Mitmachen animieren, vom Jodeln bis zum…. tja, eben: bis zum französischen Chanson!

Der interdisziplinäre Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck hatte es sich schon in den vergangenen Jahren angelegen sein lassen, die „Fête de la musique“ – in Kooperation mit der Hochschule Mozarteum – jeweils mit einem musikwissenschaftlichen Symposium in der Claudiana zu begleiten. Nach „Singen zum Tanz“ (2013) und „Europäische Mehrstimmigkeiten“ (2014) war nun 2015 „Das französische Chanson“ an der Reihe. Prof. Dr. Peter Krakauer aus Salzburg führte durch einen höchst informativen Nachmittag, bei dem das zahlreich erschienene Publikum erfuhr, dass die Wurzeln des Chansons mindestens bis ins Mittelalter zurückreichen (François Villon). „Die Geschichte des Chansons“, so Krakauer, „ist eng mit Institutionen wie dem ‚Café concert‘, dem Variété, dem Music Hall und dem Radio verbunden; es ist stets Ausdruck einer bestimmten Kultur und Gesellschaft. Das französische Chanson steht proto­typisch für Lieder, bei denen die Melodie eingängig und vor allem der Text wichtig ist.“

Von Brassens spannte sein Vortrag den Bogen über Aznavour bis Boris Vian – all das begleitet und illustriert von Live-Musik des Romanistik-Studenten und Chanson-Interpreten Mathias Steinhuber, der mit seiner Unmittelbarkeit, seiner Musikalität und seinem schauspielerischen Talent den Draht zum Publikum sofort fand. Den vor allem bei Brassens wichtigen Bass steuerte David Six auf dem Klavier bei. Am Abend fand sich dieselbe musikalische Besetzung – noch verstärkt um Christine Ransmayr am Cello – auf der großen Bühne im Hof der Hofburg mit neuen Kostproben ihres Könnens wieder (der Himmelvater war der Kunst gnädig und hat den Regen für diese eine halbe Stunde aufhören lassen). Vierter Mann war diesmal das Publikum, das – ganz im Sinne von „Innsbruck singt“ – mit Textblättern und Übersetzungen ausgestattet, zumindest die Refrains alle lauthals und hingebungsvoll mitsang:

„J’suis l’pornographe                            „Ich bin der Porno-Spieler
Du phonographe                                  Vom Plattenspieler,
Le polisson                                          Der Flüche-Macher
De la chanson.“                                   Unter den Liedermachern.“

(Georges Brassens)

(Text: Eva Lavric)

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