Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologen-Verbandes im Archäologischen Universitätsmuseum

Im Archäologischen Museum Innsbruck – Sammlung von Abgüssen und Originalen der Universität Innsbruck fand im Juni die Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologen-Verbandes (DArV) statt, die heuer das Schwerpunktthema „Forschungspolitik“ behandelte.
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Bild: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologen-Verbandes im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen. (Foto: Jörg Moser)

Die vom 19. bis zum 21. Juni 2015 im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen der Universität Innsbruck abgehaltene und durch die Universität Innsbruck (Vizerektorat für Forschung, Philosophisch-Historische Fakultät, International Relations Office), das Amt der Vorarlberger Landesregierung – Abteilung Wissenschaft und Weiterbildung, das Land Tirol – Abteilung Kultur, den Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer, die Tiroler Zukunftsstiftung sowie die Anton Rauch GmbH & Co KG geförderte Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologen-Verbandes (DArV) widmete sich heuer dem Thema „Forschungspolitik“.

Der Deutsche Archäologen-Verband (DArV)

Der 1970 gegründete DArV ist mit seinen über 1.000 Mitgliedern der Berufsverband der Archäologinnen und Archäologen im deutschsprachigen Raum und vertritt vor allem die beruflichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder aus allen archäologischen Disziplinen. Der DArV fördert die Kommunikation unter den Archäologen durch Veranstaltungen zu berufsbezogenen oder wissenschaftlichen Themen. In der jährlichen Jahrestagung, die bislang immer an wechselnden Orten innerhalb Deutschlands stattfand, werden aktuelle brisante Aspekte der deutschen Kultur- und Bildungslandschaft diskutiert sowie die Mitgliederversammlung durchgeführt. Die heurige Tagung fand nach 45 Jahren das erste Mal außerhalb Deutschlands statt, da die Einladung des Universitätsmuseums angenommen wurde und somit die Universität Innsbruck als Gastgeberin zum Zug kam. Vortragende aus Deutschland, der Schweiz und Österreich und fast 100 Archäologinnen und Archäologen aus Mitteleuropa fanden sich daher im ATRIUM–Zentrum für Alte Kulturen ein.

Jahrestagung zum Schwerpunktthema „Forschungspolitik“

Die Tagung in Innsbruck befasste sich mit dem Schwerpunktthema „Forschungspolitik“. Das Wechselspiel von Archäologie und Politik verdeutlichte den Bedarf, Forschungspolitik genauer zu fassen, transparent zu gestalten und kritisch zu erörtern. Mit der zunehmenden Ökonomisierung der Gesellschaft, die auch vor den Geistes- und Kulturwissenschaften nicht Halt macht, bekommt dieses Thema eine immer größere Brisanz. Projekte und Forschungsvorhaben sind vermehrt von externen Geldern abhängig und geraten so in Konkurrenzverhältnisse, die sich in Entwicklungen der Forschungspolitik niederschlagen. Große Fragen waren daher, wie Forschungstrends entstehen, wie sie sich entwickeln und welche Folgen sich daraus ergeben, wer verantwortlich ist, wer sich anzupassen hat und welche Möglichkeiten des Umganges es damit gibt.

Nach der Begrüßung durch Ass.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller, dem Leiter des Archäologischen Universitätsmuseums, eröffneten Vizerektor Ass.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Meixner sowie Prof. Dr. Martina Seifert, die derzeitige Präsidentin des DArV, die Tagung.

Die Jahrestagung in Innsbruck gab die Gelegenheit, Forschungspolitik in drei Schwerpunktsektionen zu beleuchten. Zunächst wurden in der ersten Sektion „Interesse vs. Forschungstrend“ das Entstehen von Forschungstrends und die Frage nach dem Verhältnis von Forschungsinteresse und Forschungspolitik mit Verantwortlichen institutioneller Forschungseinrichtungen diskutiert. PD Mag. Dr. Sabine Ladstätter, die Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, und Dr. Thomas Reitmaier, Kantonsarchäologe von Graubünden, ermöglichten Einblicke in die Situation in Österreich und der Schweiz und zeigten Forschungstrends auf. Auch wurde den Fragen nachgegangen, ob sich Forschungsinstitutionen an aktuellen Forschungstrends orientieren oder diese sogar beeinflussen und nach welchen Kriterien entschieden wird, ob ein Projekt verfolgt und ggf. unterstützt wird. Auch der Aspekt, wie gesellschaftliche Debatten in die Forschungen in den Altertumswissenschaften hineinspielen, wurde angerissen.

Den Wunsch nach Transparenz und die Sicht der Drittmittelgeber behandelte die zweite Sektion „Drittmittel und Transparenz“ mit Beiträgen von Vertretern öffentlicher Geldgeber. Dr. Hans-Dieter Bienert, Programmdirektor der Gruppe Geistes- und Sozialwissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Prof. Dr. Reinhard Wolters, Fachreferent für Altertumswissenschaften des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, stellten ihre Fördereinrichtungen vor und erläuterten, wie die Entscheidungsgremien gebildet, die Gutachter ausgewählt und generell über Drittmittelanträge entschieden wird. Auf Basis des herausgearbeiteten Vergleiches der größten öffentlichen Förderinstitutionen in Deutschland und Österreich wurde diskutiert, inwieweit die Vergabe abhängig von der Orientierung an forschungsaktuellen Themen ist und ob es ein Vorurteil wäre, dass ohne bestimmte Schlagwörter (Buzz-words) ein Antrag zum Scheitern verurteilt ist.

Die Beiträge der dritten Sektion betrachteten die „Wechselwirkung zwischen Geldgebern und Forschern“ sowie die Relevanz der Reflexion dieses Prozesses. Prof. Dr. Michael Meyer, Sprecher des Exzellenzclusters 264 Topoi in Berlin, Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain vom Institut für Klassische Archäologie und Antikenmuseum der Universität Leipzig und Prof. Dr. Martin Bentz, der Sprecher des Köln-Bonner Graduiertenkollegs „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“ berichteten über ihre Erfahrungen mit fördermittelgebenden Organisationen und welche Konsequenzen sich für die antragstellenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ergeben. Es wurde auch der Frage nachgegangen, ob Geldgeber über die Mittelvergabe hinaus Einfluss auf die Ausrichtung der Forschung und damit das Entstehen von Forschungstrends nehmen.

Abendvortrag, Treffen der Arbeitsgemeinschaften des DArV und Innsbrucker Forschungen

Im von Prof. Dr. Harald Stadler, dem Leiter des Instituts für Archäologien, moderierten öffentlichen Abendvortrag berichtete Prof. Dr. Uta Halle aus Bremen über „Verräterische Parteiabzeichen, antisemitische Briefzitate und beschönigende Zeitzeugen – Probleme und Konflikte um die Forschung zur Archäologie der NS-Zeit“. Am Sonntag fand eine zusammenfassende abschließende Podiumsdiskussion mit allen Referentinnen und Referenten der vorangegangenen Sektionen statt. Die rege über zweistündige Diskussion zeigte die Relevanz des Tagungsthemas „Forschungspolitik“.

Zur Jahrestagung 2015 in Innsbruck trafen sich aber auch die zahlreichen Arbeitsgemeinschaften des DArV (Antikenmuseen, Archäologie und Computer, Archäologie und Fotografie, Archäologisches Publizieren, Etrusker & Italiker, Orient, Studienreform) in mehreren Parallelsektionen. Die Gastgeber konnten zudem Innsbrucker archäologische Forschungen und Projekte vorstellen.

Ein Sektempfang der Mommsen-Gesellschaft, ein Abendempfang der Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck sowie eine Führung durch die Altstadt von Innsbruck bildeten das Rahmenprogramm der Tagung. Wieder einmal zeigte sich, dass das ATRIUM-Zentrum für Alte Kulturen mit seinem Museum, vielfach als Heimat des „schönsten archäologischen Instituts im deutschsprachigen Raum“ angesprochen, aufgrund seiner idealen Infrastruktur nicht nur optimale archäologische Arbeitsbedingungen, sondern auch einen repräsentativen Rahmen für internationale Tagungen bietet.

(Florian Müller)

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