5 Jahre im Zeichen von „Organizations and Society“

Die interdisziplinäre Forschungsplattform „Organizations and Society“ feierte im Rahmen ihres traditionellen Frühjahrstreffens am 30. März 2015 im Haus der Begegnung in Innsbruck ihr 5-jähriges Jubiläum. Einblicke in verschiedene Projekte der Innsbrucker Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden durch Fachvorträge von Experten aus Deutschland und der Schweiz ergänzt.
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Bild: Interdisziplinäres Arbeiten: Die Forschungsplattform "Organizations & Society" feierte ihr 5-jähriges Bestehen im Haus der Begegnung in Innsbruck.

„Erforschung des gesellschaftlichen Wandels in den Gegenwartsgesellschaften“ ist das erklärte Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Innsbruck, die in der Forschungsplattform „Organizations & Society“ engagiert sind. Um diese Entwicklungen in ihrem Umfang und Komplexität möglichst umfassend beleuchten zu können, sei eine interdisziplinäre Herangehensweise ganz wesentlich, ist die Leiterin der Plattform Andrea Hemetsberger (Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus) überzeugt: „In den verschiedenen Bereichen treffen unterschiedliche, teilweise auch kontroverse Positionen aufeinander, die zu ‚heißen’ Diskussionen führen. Damit werden neue Perspektiven ermöglicht und ein anderer, bereicherter Blick auf die eigene Disziplin eröffnet“. Plattform für diesen Austausch sind seit nunmehr fünf Jahren in erster Linie die beiden großen Treffen aller Mitglieder im Frühjahr und im Herbst. In den letzten Jahren führte das Aufeinandertreffen bereits mehrfach zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit über die „Grenzen“ der Disziplinen hinaus: Als Beispiel nennt Hemetsberger die Arbeitsgemeinschaft „Demokratie und Partizipation“, deren Forschungsarbeit in der Publikation eines Sammelbandes mündete. Auch einige informelle Arbeitsgruppen haben sich zu gemeinsamen Publikationen zusammengefunden.
Ein weiteres wichtiges Anliegen der Forschungsplattform ist die Einbindung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Albrecht Becker vom Institut für Organisation und Lernen im Rahmen der Veranstaltung betonte. Becker war einer der Mitbegründer der Forschungsplattform vor fünf Jahren: „Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist das anregende, intellektuelle Klima in dieser Plattform geradezu eine Goldgrube für neue Anregungen und die Vernetzung mit Kolleginnen und Kollegen auch aus anderen Disziplinen“, ist der Wirtschaftswissenschaftler überzeugt. In diesem Sinne wurde vor einigen Monate „PuB – pubs and beers“ ins Leben gerufen: in diesem interfakultären PhD-Stammtisch steht wiederum der Austausch im Vordergrund, wichtige Themen für Nachwuchswissenschaftler wie etwa Publikationsstrategien werden gemeinsam erarbeitet. Weitere Formate dienen dem Austausch methodischer Expertise, der Beschäftigung mit dem Publizieren in bestimmten internationalen Publikationsorgangen in „meet the editor“ Workshops, aber auch dem intellektuellen Austausch zwischen erfahrenen Forscherinnen und Forschern („Diskurs im Sitzwohl“).

Audiorundgang: 5 Jahre FSP „Organizations and Society"

Mit dem Aufnahmegerät zu Gast beim Frühjahrstreffen:

Vielfalt der Disziplinen

Bereits ein Blick auf die Mitglieder der Forschungsplattform verdeutlicht die Interdisziplinarität und Vielfältigkeit. Neben den vier Fakultäten für Betriebswirtschaft, Bildungswissenschaften, Politikwissenschaft und Soziologie sowie Psychologie und Sportwissenschaft, sind auch mehrere Forschungszentren der Uni Innsbruck aktiv beteiligt: Accounting, Theory and Research; Bildung, Generation, Lebenslauf; Financial Markets and Risk; Governance and Civil Society; Organization Studies und Strategic Leadership-Branding-Innovation. Einige der Arbeiten wurden im Rahmen des Frühjahrstreffens präsentiert. Lena Waizenegger vom Institut für Wirtschaftsinformatik stellte beispielsweise ein aktuelle Arbeit im Bereich „Digital Identity“ vor, die sie gemeinsam mit Ulrich Remus durchführt. Die Wirtschaftsinformatiker befassen sich dabei mit Aspekten der Dominanz von Technologie in unserem Alltag und stellen die Frage nach „constant connectivity“, nach der ständigen Erreichbarkeit und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Auch Albrecht Becker präsentierte ein Projekt, das er gemeinsam mit David Twardowski (inzwischen an der London School of Economics tätig) durchführt. Dabei untersuchen die Wissenschaftler unter dem Titel „Economizing the Field of Development“ Aspekte des Accounting in Entwicklungshilfe-Projekten in Nepal – auch vor Ort. Ein weiteres Zeugnis der thematischen Vielfalt war die Vorstellung einer Arbeit im Forschungszentrum „Bildung, Generation, Lebenlauf“. Die Erziehungswissenschaftlerin Reingard Spannring bot Einblicke in ihre Auseinandersetzung mit Mensch-Tier-Beziehungen und stellte die Frage nach Perspektiven der „Human-Animal Studies“ für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. Dabei betonte Spannring die Wichtigkeit einer stärkeren Berücksichtigung von Tieren-Mensch-Beziehungen – gerade in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
Eingeleitet wurde das Frühjahrstreffen der Forschungsplattform durch zwei invited talks von dem Wirtschaftswissenschaftler Michel Maréchal (Universität Zürich) sowie den Politikwissenschaftler Philip Leifeld (Universität Konstanz).


(Melanie Bartos)