Ágnes Heller erhielt Ehrendoktorat der Uni Innsbruck

Am 24. März verlieh die Universität Innsbruck der ungarischen Philosophin Ágnes Heller für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde der Philosophie.
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Bild: Promotionsdekan Klaus Eisterer von der Philosophisch-Historischen Fakultät, Promotorin Paola-Ludovika Coriando (Institut für Philosophie), die neue Ehrendoktorin Ágnes Heller und Rektor Tilmann Märk (von links).

Als erste österreichische Universität hat die Universität Innsbruck der renommierten Philosophin Ágnes Heller, emeritierte Professorin der New School in New York, am 24. März die Ehrendoktorwürde in Philosophie verliehen. „Es ist mir stets eine große Freude, derart herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Ágnes Heller bei uns begrüßen zu dürfen. Noch mehr freut es mich, ihr die Ehrendoktorwürde dieser Universität verleihen zu können. Ágnes Heller ist als Philosophin weltberühmt, ihre Arbeiten über die Ethik und zur Geschichtsphilosophie sind Meisterwerke“, würdigte Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, die neue Ehrendoktorin. Auch Bernhard Tilg, Tiroler Wissenschafts-Landesrat, und die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer würdigten Ágnes Heller in ihren Grußworten. Die Laudatio auf die Geehrte hielt Josef Mitterer, Philosoph an der Universität Klagenfurt und persönlicher Freund der Philosophin: „Ágnes Heller ist eine der bedeutendsten Philosophinnen der Gegenwart. In ihrem umfangreichen Werk hat sie originelle Beiträge zu beinahe jeder philosophischen Disziplin geleistet. Mit Mut und Engagement hat sie in wechselnden Regimen ihre philosophischen und politischen Überzeugungen vertreten.“ Im Anschluss an den Festakt hielt die Philosophin einen Festvortrag über Hannah Arendt („Hannah Arendt und der politische Essay“), in dem sie sich mit Arendt als politischer Essayistin befasste und anhand einiger Beispiele zwischen gelungeneren und weniger gelungeneren Veröffentlichungen differenzierte.

Wahrheit in der Politik

Christine Baur, Moderatorin Marie-Luisa Frick, Ágnes Heller und Karlheinz Töchterle bei der Podiumsdiskussion am 23. März 2015.

Christine Baur, Moderatorin Marie-Luisa Frick, Ágnes Heller und Karlheinz Töchterle bei der Podiumsdiskussion am 23. März 2015.

 

Am Vorabend der Verleihung diskutierte Ágnes Heller mit der Tiroler Landesrätin Christine Baur, dem Nationalratsabgeordneten Karlheinz Töchterle und dem Publikum über die Rolle der Wahrheit in der Politik. Ausgangspunkt der Diskussion waren die Thesen von Ágnes Heller zum Bewusstsein der eigenen Fehlbarkeit von in der Politik tätigen Menschen. Das persönliche Wahrheitsverständnis war dabei durchaus unterschiedlich. So zeigte sich Ex-Minister Karlheinz Töchterle überrascht darüber, das Wahrheit im politischen Alltag selten eine Rolle spielt. „Die Notwendigkeit zu lügen, ist selten gegeben“, so Töchterle. Landesrätin Baur forderte von der Politik einen reflektierten Umgang mit der Wahrheit. Philosophin Heller unterschied offenbarte Wahrheiten und Tatsachenwahrheiten: die einen seien gegeben und nicht hinterfragbar wie in den Religionen, die anderen jederzeit und von jedem falsifizierbar. Und erst hier werde die Sphäre der Politik geschaffen. „Es gibt hier nicht die Wahrheit“, betonte Ágnes Heller. „Man kann auch nein sagen.“

Herausragende Wissenschaftlerin

Ágnes Heller wurde 1929 in Budapest geboren und überlebte als Kind jüdischer Eltern den nationalsozialistischen Terror in Ungarn, während viele ihrer engsten Verwandten ermordet wurden. Nachdem sie einen Vortrag des marxistischen Philosophen Georg Lukács gehört hatte, entschied sie sich dafür, Philosophie zu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums wurde sie die Assistentin von Lukács und eine der bedeutendsten Figuren der sogenannten Budapester Schule. Aufgrund ihrer kritischen Einstellung gegenüber der kommunistischen Partei in Ungarn wurde ihr schon bald verboten, weitere Bücher zu publizieren. Als sie und ihr Ehemann Ferenc Fehér auch noch ihre Stellen verloren, entschlossen sie sich schließlich, nach Australien zu emigrieren, wo Ágnes Heller zunächst eine Professur an der La Trobe Universität in Melbourne erhielt, bevor sie an der New School for Social Research in New York die Nachfolge von Hannah Arendt antrat.

Ágnes Heller hat Zeit ihres Lebens viele Bücher publiziert, darunter: Der Affe auf dem Fahrrad. Eine Lebensgeschichte (1999), Paradoxe Freiheit. Eine geschichtsphilosophische Betrachtung (2001), Die Welt der Vorurteile (2014). Für ihre wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Verdienste wurde sie mit mehreren Ehrendoktorwürden und renommierten Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Lessing-Preis der Stadt Hamburg (1981), dem Hannah-Arendt-Preis der Stadt Bremen (1995), dem Sonning-Preis Dänemarks (2006), der Goethe-Medaille (2010) und dem Concordia-Preis in Wien (2012).

(sh/cf)