Community Interpreting: Abschluss des zweiten Universitätskurses

Dolmetschleistungen sind an vielen Stellen gefragt, können aber nicht immer von Profis übernommen werden. Bereits im Frühjahr 2014 wurde im Rahmen des Weiterbildungsangebotes der Uni Innsbruck eine Fortbildung für Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetscher ins Leben gerufen. Am 18. Dezember 2014 fand der feierliche Abschluss des bereits zweiten Kurses statt.
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Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung "Community Interpreting: Professionalisierung von LaiendolmetscherInnen" nach der Vergabe der Zertifikate in der Claudiana.

„Community Interpreting“ bezeichnet eine spezielle Art des Dolmetschens: „Zwei- oder mehrsprachige Personen dolmetschen beispielsweise bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Klinikaufenthalten, meist ohne dafür eine spezielle Ausbildung zu haben“, erklären die Dolmetscherinnen und Kursleiterinnen Dipl.-Dolm. Elvira Iannone und MMag. Katharina Redl. Professionelle Dolmetscherinnen und Dolmetscher wären nicht nur mit wesentlich höheren Kosten verbunden, die sich z.B. Beratungsstellen oft nicht leisten können, sondern können vor allem das erforderliche vielfältige Sprachenspektrum nicht immer abdecken. „Gerade im Asylbereich ändert sich der Sprachbedarf sehr schnell, für viele Sprachen gibt es daher keine professionellen Dolmetschleistungen, da die jeweiligen Sprachen nicht an Universitäten gelehrt werden“, verdeutlichen die Kursleiterinnen. Die Arbeit der Community Interpreter ist daher gerade im sozialen, medizinischen und kommunalen Bereich von großer Bedeutung. „Wir wollen mit dieser Fortbildungsmöglichkeit den Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetschern zentrale Dolmetschtechniken und berufsethisches Verhalten vermitteln“, schildern die Expertinnen Iannone und Redl die Ziele der berufsbegleitenden Fortbildung.

Dolmetschkompetenzen

An insgesamt sechs Wochenend-Blockterminen erhielten die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Tirol und Vorarlberg Einblicke in die Geschichte des Dolmetschens, Dolmetschstrategien oder Recherchemöglichkeiten. Wichtig ist Iannone und Redl auch eine Stärkung des Rollenbewusstseins: „Viele Laiendolmetscherinnen und Laiendolmetscher sind sich ihrer Rolle nicht bewusst und übernehmen häufig Funktionen, die eigentlich nicht zu ihren Aufgabengebieten zählen und was für sie emotional sehr belastend sein kann.“ Im Rahmen der Fortbildung werden daher die Betätigungsfelder der Community Interpreter möglichst genau abgesteckt und eine Vernetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch über die Dauer des Kurses hinaus angestrebt. Darüber hinaus informierten externe Referentinnen und Referenten die Laiendolmetscherinnen und -dolmetscher über Herausforderungen und Spezifika des Dolmetschens bei der Polizei, im Asylwesen, bei der Kinder- und Jugendhilfe, in der Psychotherapie oder im Krankenhaus.

„Export“ nach Ostösterreich

In Anwesenheit von Roland Psenner (Vizerektor für Lehre und Studierende), Gerhard Pisek (Studiendekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät), Hannes Gstir (JUFF-Fachbereich Integration des Landes Tirol), Lilit Lebküchner (Österreichischer Integrationsfonds) und Christiane Reichardt (Universitäre Weiterbildung der Uni Innsbruck) fand am 18. Dezember die feierliche Übergabe der Zertifikate in der Claudiana statt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten den Fortbildungskurs, der mit einer mündlichen Prüfung abschließt, erfolgreich beenden.

Der nächste Kurs an der Uni Innsbruck wird im Wintersemester 2015/2016 durchgeführt werden. Im Sommer wird es allerdings keine Pause geben, sondern die Kursleiterinnen „verlagern“ die Durchführung des Kurses nach Wels, wo sie auch dieses Semester schon aktiv sind. „Das Büro für Frauen, Gleichbehandlung und Integration des Stadtmagistrats in Wels hat von diesem Angebot an der Uni Innsbruck erfahren und sofort großes Interesse an einer Durchführung vor Ort bekundet“, erklärt Daniela Genser, Leiterin der Koordinationsstelle für universitäre Weiterbildung an der Uni Innsbruck. Die Nachfrage an der Fortbildung ist weiterhin groß, auch für den dritten Universitätskurs „Community Interpreting – Professionalisierung von LaiendolmetscherInnen im sozialen, medizinischen, psychotherapeutischen und kommunalen Bereich“ im kommenden Herbst gibt es bereits eine Warteliste.

(red)