„Viel-Falter“ ist Preisträger beim EUREGIO Umweltpreis 2014

Das Institut für Ökologie der Universität Innsbruck wurde am 17. Dezember 2014 in Bozen für das Sparkling Science Projekt "Viel-Falter" prämiert, einer Forschungs- und Bildungskooperation über das Vorkommen von Tagfaltern als Unterstützung für ein dauerhaftes Biodiversitäts-Monitoring in Österreich.
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Bild: Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Ingrid Felipe gemeinsam mit Mag. Johannes Rüdisser (Institut für Ökologie) und PD Dr. Erich Tasser (EURAC, Bozen) bei der Preisverleihung.

Projektleiterin Prof. Ulrike Tappeiner zeigte sich hocherfreut über den zweiten Platz beim Euregio-Umweltpreis in diesem Jahr: „Wir sind natürlich sehr stolz auf diese neuerliche Auszeichnung. Nachdem das Projekt Viel-Falter bereits 2013 von der österreichischen UNESCO-Kommission offiziell als Dekadenprojekt im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet wurde, honoriert der 2. Platz beim  Euregio Umweltpreis 2014 in der in der Kategorie Projekte und Ideen, nun erneut die Bemühungen Biodiversitätsforschung auf innovative Art und Weise mit Natur- und Umweltbildung zu kombinieren.“ Der Umweltpreis der Euregio Tirol – Südtirol – Trentino wird von den drei Landesregierungen der beteiligten Länder vergeben.

Citizen Science - Wissenschaft mit Bürgerbeteiligung

Weltweit erlebt die sogenannte Citizen Science, bei der passionierte Laien ihre Beobachtungen in wissenschaftliche Datenbanken einfließen lassen, einen enormen Aufschwung. „Da in Österreich ein flächendeckendes Biodiversitätsmonitoring derzeit nicht finanzierbar scheint, sehen wir in einem Monitoring durch interessierte Bürgerinnen und Bürger ein großes Potential. Allerdings sind hierfür noch Fragen im Zusammenhang mit der Datenqualität und der Erhebungsmethodik zu klären", erklärt Projektleiterin Ulrike Tappeiner vom Institut für Ökologie. „Hier setzt Viel-Falter an: Im Projekt wird untersucht, inwieweit von Schüler und Schülerinnen gesammelte Daten für ein dauerhaftes Tagfalter-Monitoring in Österreich verwendet werden können."

Neben der Datenqualität soll in Viel–Falter auch untersucht werden, ob das Vorkommen ausgewählter und leicht erkennbarer Arten Rückschlüsse auf die Tagfaltervielfalt insgesamt sowie auf das Vorkommen von nicht direkt beobachteten Schmetterlingen zulässt. Hierfür wurden in den Jahren 2013 und 2014 von den 15 beteiligten Schulen an 35 repräsentativen Standorten Tirols einfache Schmetterlingsaufnahmen durchgeführt. Die so gesammelten Daten werden in weiterer Folge mit parallel durchgeführten Erhebungen von Schmetterlings- und Vegetationsexperten verglichen.

Die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten zum Beobachten von Tagfaltern in ihrer Wohnumgebung erlernten die über 500 Schülerinnen und Schüler aus ganz Tirol im Rahmen von insgesamt 45 naturpädagogischen Workshops. Der Regionalbezug war dabei für die beteiligten Schulen von großer Bedeutung. Im Rahmen von Viel-Falter wird auch untersucht, ob der verwendete didaktische Ansatz tatsächlich zu einer motivierten Beteiligung von Schülerinnen und Schülern beiträgt: „Erste Ergebnisse scheinen dies zu bestätigen. 85% der am Projekt beteiligten Jugendlichen würden sich auch in Zukunft gerne an einem vergleichbaren Projekt beteiligen. Darüber hinaus zogen einige sogar Konsequenzen aus ihren Beobachtungen und begannen damit, in Schul- und Hausgärten Blumenwiesen für Schmetterlinge anzulegen. Auch ist ein Multiplikatoreneffekt festzustellen: so führten von beteiligten Schulklassen initiierte Gespräche mit Gemeindegärtnern zur Verwendung von Schmetterlingsfreundlichen Saatmischungen, dem Einrichten von Wildnisecken und anderem mehr“, beschreibt Johannes Rüdisser vom Institut für Ökologie die unmittelbaren Auswirkungen des Projekts.

Viel-Falter ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für Fachdidaktik der Universität Innsbruck, der Tiroler Landesmuseen, des Instituts für Alpine Umwelt der EURAC Bozen, dem Verein natopia und 15 Partnerschulen, von der Volksschule bis zum Realgymnasium, unter der Leitung des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck.

(Ulrike Tappeiner)