Erste österreichische Konferenz zu internationaler Ressourcenpolitik ein großer Erfolg

Beim Kick-Off-Event des transdisziplinären Netzwerkes Faire Ressourcenversorgung vom 4. bis 6. Dezember in Wien trafen sich internationale Wissenschaftler und Praktiker.
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Bild: Eröffnungspanel zur kritischen Auseinandersetzung mit Ressourcenextraktion mit (von links) Maristella Svampa (via Skype), Melanie Pichler, Khin Zaw Wini und Martin Coy. (Foto: Guilherme Araújo)

Der Umgang mit natürlichen Ressourcen, von agrarischen bis mineralischen, ist in den letzten Jahren zu einem Kernthema der internationalen Politik geworden. Dies basiert auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Faktoren, wie steigender Nachfrage für Ressourcen von aufstrebenden Wirtschaftsmächten (wie zum Beispiel China), der zunehmenden Finanzialisierung von Commodity-Märkten, dem drastischen Anstieg und der zunehmenden Volatilität von Ressourcenpreisen, der zunehmenden Verknappung von zentralen Ressourcen und dem daraus resultierenden Wettkampf um Zugang zu und Kontrolle von Ressourcen. Auch die daraus resultierenden Konflikte über dessen Verteilung spielen eine zentrale Rolle.

Der geopolitische Wettstreit um Ressourcen dient als Grundlage für eine sowohl theoretische als auch empirische Auseinandersetzung mit „Ressourcenfairness”. Wie kann der Zugang zu und die Verteilung von natürlichen Ressourcen gestaltet werden, um legitime Interessen von allen beteiligten Akteuren und Institutionen (z.B.: Produzenten, Konsumenten, betroffene Communities und die breite Öffentlichkeit) zu berücksichtigen? Dabei spielen sowohl räumliche Skalen- (von lokal bis global) als auch Zeitebenen (d.h. die Beziehung zwischen den Generationen) eine wichtige Rolle.

Vor diesem Hintergrund – und unter großem Medieninteresse – fand vom 4. bis 6. Dezember 2014 die erste österreichische Konferenz zu internationaler Ressourcenpolitik mit dem Titel „Towards International Resource Fairness – Theories, Conflicts and Policies” statt. Organisiert wurde dieses internationale Event von den Mitgliedern des Netzwerkes faire Ressourcenversorgung (Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, Österreichische Forschungsstiftung für internationale Entwicklung (ÖFSE), Institut für Geographie der Universität Innsbruck).

In über 70 Vorträgen und Diskussionsrunden wurden Fragestellungen zu gegenwärtigen Produktions- und Lebensformen wie auch deren Transformation bearbeitet. Dabei nahm die Frage nach Diskursen und deren Auswirkung auf bestehende Probleme, wie auch Erfahrungen zu und Analysen von Praktiken im Bereich des Konfliktmanagements um natürliche Ressourcen eine zentrale Rolle ein. Besonderes Augenmerk legte man dabei auf die Interaktion und Kommunikation von Wissenschaft und Praxis. Dies spiegelte sich auch in den Keynote Vorträgen und Plenarsessions wieder: Unter anderem sprachen: Thomas Pogge (Professor für Philosophie und internationale Beziehungen an der Yale University) über Ressourcenfairness aus der Perspektive von Global Justice; Khin Zaw Win (anerkannter politischer Aktivist aus Myanmar) zum Umgang mit Ressourcenkonflikten in Myanmar; Maristella Svampa (Soziologin an der Universidad Nacional La Plata, Argentinien) über Neo-Extraktivismus in Argentinien; Martin Coy (Universität Innsbruck) zu Entwicklungsmodellen und Ressourcen in Lateinamerika bzw. Brasilien; und Isabel Feichtner (Universität Frankfurt) über Ressourcen und internationales Recht.

Die zahlreichen angeregten Diskussionen und Ausblicke auf weitere Forschungspotentiale zeigten sehr deutlich, dass das Thema der Ressourcenfairness sowohl national als auch international auf breite Resonanz stößt. Die Notwendigkeit einer weiteren fundierten theoretischen und empirischen Auseinandersetzung, und der Wandel hin zu verstärkter transdisziplinärer Forschung in diesem Bereich wurde aufgezeigt und soll nach diesem ersten offiziellen Kick-Off-Event des neuen Netzwerkes faire Ressourcenversorgung weitergeführt werden.

(Arbeitsgruppe AGEF)