Eduard-Wallnöfer-Preis 2014 verliehen

Die Auszeichnungen beim diesjährigen Eduard-Wallnöfer-Preis gingen an Angehörige der Universität Innsbruck: Michaela Kogler und Eva-Maria Köck wurden für ihr Projekt zu möglichen Energiequellen der Zukunft mit Hauptpreis ausgezeichnet. Franz Tscheikner-Gratl erhielt den Anerkennungspreis.
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Bild: Die Preisträger der Eduard-Wallnöfer-Stiftung 2014 (Foto: IV Tirol)

In diesem Jahr vergab die Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie mit Unterstützung der Stiftung Südtiroler Sparkasse einen Hauptpreis für „Forschungs- und Studienprojekte“, dotiert mit 5.000 Euro, sowie einen Anerkennungspreis in der Höhe von 2.500 Euro. Eingereicht wurden insgesamt 23 Arbeiten. Der Stiftungsvorsitzende, Oswald Mayr, zeichnete die Preisträger in feierlichem Rahmen im Barocksaal des Hotel Europa aus, präsentierte den Jury-Bericht und erläuterte die Siegerprojekte im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie des Tiroler Industriepräsidenten Reinhard Schretter. Der Eduard-Wallnöfer-Preis für „Forschungs- und Studienprojekte“ ging an die beiden Naturwissenschafterinnen Michaela Kogler und Eva-Maria Köck, für das Projekt „Anwendungsorientierte Grundlagenforschung an Energiequellen der Zukunft“. Die beiden Dissertantinnen forschen am Institut für Physikalische Chemie: Ihr Ziel ist die Optimierung der Effizienz eingesetzter Materialien der Festoxidbrennstoffzelle. In einer Zeit, in der fossile Energieträger immer knapper und teurer werden, verlangt die Situation auf dem Energiemarkt nach deutlich effizienteren und flexibleren Technologien. Eine Lösung des globalen Energieproblems liefert die Brennstoffzelle, welche eine attraktive Kombination aus wirtschaftlicher Umwandlung der Energie und einer größeren Vielfalt an Brennstoffen aufweist. Hier setzen die beiden Forscherinnen an – nämlich bei der Verbesserung von Katalysatormaterialien in Hochtemperatur-Brennstoffzellen. Beim eingereichten Projekt handelt sich um eine zielgerichtete Grundlagenforschung an Materialien, die sich für Anoden in Festoxidbrennstoffzellen eignen. Untersucht wurden bzw. werden reine Oxide wie beispielsweise das bereits industriell eingesetzte Yttrium-stabilisierte Zirkonoxid. Im Fokus der Forschung steht dabei die Entschlüsselung von elektrochemischen und oberflächenmolekularen Prozessen.

International vernetzte Forschung

Zu diesem Zweck haben die beiden Preisträgerinnen spezielle in-situ Apparaturen konstruiert, mit denen man nun in der Lage ist, unter realen Brennstoffzellenbedingungen Messungen durchführen zu können. Das Hauptaugenmerk lag bisher auf dem Verhalten der reinen Oxide in verschiedenen Gasatmosphären (CH4, H2, CO, C02 etc.). Aus diesen Informationen konnten bereits viele wichtige Schlussfolgerungen getroffen werden: Nämlich, dass auch auf reinen Oxiden Kohlenstoff abgeschieden werden kann. Somit konnte wiederlegt werden, dass nicht allein das Nickel-Metall, wie bisher vermutet, verantwortlich für die Kohlenstoffablagerungen und somit für die Zerstörung der Anode ist. Mit den gesammelten Ergebnissen ist man nun in der Lage, gezielt verbesserte oder neue leistungsstärkere Materialien für Festoxidbrennstoffzellen-Anoden zu entwickeln. „Somit stellt das Preisträger-Projekt nicht nur für die Leopold-Franzens Universität Innsbruck eine Bereicherung dar, sondern auch für das Land Tirol mit seinen Unternehmen“, betonte die Jury. „Es schafft Kooperationen mit anderen europäischen Universitäten und Firmen, wodurch wiederum das Land, sowie dessen Industrie mehr im Fokus von Energiepolitik und Entwicklung stehen. Die weitläufigen Vernetzungen dieses Projektes bringen auch neues Know-how auf dem Gebiet der Energietechnik nach Tirol. Zudem gibt es auch bereits Unternehmen, die sich mit ähnlicher Thematik befassen, wie beispielsweise Plansee SE, Adler Lacke, Swarovski oder Gronbach.“

Sanierung von Wasserversorgungs- und Kanalisationsnetzen

Der Anerkennungspreis ging an Franz Tscheikner-Gratl für die Forschungsarbeit „Integrierte Rehabilitierungsplanung von städtischen Infrastruktursystemen“. Die Wasserversorgungs- und Kanalisationsnetze unserer Städte haben ein Alter erreicht, das für den Erhalt von Wert und Funktion Rehabilitierungsmaßnahmen notwendig macht. Da die Lebensdauer derartiger Anlagen mehrerer Jahrzehnte beträgt und sich die Randbedingungen in solchen Zeiträumen stark verändern können (Bevölkerungswachstum, Landnutzungsänderung, Klimawandel), sind vorausschauende Planungen notwendig. Im REHAB-Projekt wurden bzw. werden Methoden zur nachhaltigen, wirtschaftlichen Sanierungsplanung erarbeitet, die neben Alterungsmodellen auch Risikountersuchungen und Zukunftsprognosen miteinander verbindet. Die Innovation liegt in einer gemeinsamen Untersuchung der verschiedenen Leitungsträger auf Straßenebene. Damit können ganze Straßen(abschnitte) untereinander priorisiert werden, um darauf aufbauend Baumaßnahmen zu planen.
Ein weiterer Innovationsgrad liegt in der expliziten Berücksichtigung von Hausanschlüssen und der Entwicklung von Methoden zur Datenrekonstruktion, so dass die Methodik auch für Gemeinden mit schlechter Datenlage anwendbar ist. Sie wurde anhand von drei Fallbeispielen in Deutschland und Österreich entwickelt und bereits auf drei Gemeinden angewendet. Dabei waren Betreiber von Wasserversorgungs- und Entwässerungssystemen involviert. Da sich die Anforderung im Bau von siedlungswasserwirtschaftlichen Systemen in Mitteleuropa klar vom Neubau auf Rehabilitierung verlagert, stellt die Rehabilitierungsplanung einen klar ansteigenden Markt. Zudem ist es in Zeiten angespannter öffentlicher Budgets immer wichtiger, dass die verfügbaren Gelder möglichst effektiv und nachhaltig eingesetzt werden. Eine möglichst effiziente Planung ist damit ein direkter Beitrag zur Wirtschaftlichkeit.

(red)