Innsbrucker Philologie strahlt aus und zieht an

Der Innsbrucker Klassische Philologe Stefan Tilg wechselt vom Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien an die traditionsreiche Unversität in Freiburg im Breisgau.
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Bild: Stefan Tilg wechselt an eine deutsche Traditionsuniversität.

Mit 1. September 2014 übersiedelte der bisherige Direktor des Ludwig Boltzmann Institutes für Neulateinische Studien, PD Dr. Stefan Tilg, nach Freiburg i.Br., wo er auf den renommierten Lehrstuhl für Klassische Philologie (Latinistik) berufen wurde. Dies ist ein weiterer großer Erfolg für die Innsbrucker Philologie, die seit einigen Jahren Neulatein ins Zentrum ihres Interesses stellt und nun auch damit offensichtlich bei deutschen Traditionsuniversitäten punkten kann. Stefan Tilg ist binnen weniger Jahre bereits der dritte Innsbrucker Latinist, der einen Ruf an eine renommierte ausländische Universität bekommt. „Die Innsbrucker Philologie strahlt aus und zieht an“, so o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle, der seit seinem Studium dem Institut an der Universität in verschiedenen Funktionen verbunden ist. „Der viel gescholtene ‚Brain drain‘ ist auch Beleg für die Attraktivität heimischer Forscher und deren fundierte Ausbildung an unserer Hochschulen. Sie sind an ausländischen Hochschulen gefragt und agieren auch als Botschafter des österreichischen Wissenschafts- und Forschungsstandortes.“

Der 1976 in Zams im Tiroler Oberland geborene Stefan Tilg, der an den Universitäten Innsbruck und Siena Klassische Philologie und Germanistik studiert hatte, war später an den Universitäten Innsbruck, Bern, Oxford und Zürich sowie am Center for Hellenic Studies in Washington DC tätig, ehe er 2011 zum Direktor des Ludwig Boltzmann Institutes für Neulateinische Studien bestellt wurde. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen das lateinische Jesuitendrama und der antike Roman, dem auch seine an der Universität Zürich eingereichte und in Oxford gedruckte Habilitationsschrift gewidmet war.

Am Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studienwidmete er sich besonders der Forschungslinie ‚Neulatein und Religion’, in der untersucht wird, welche Bedeutung der lateinischen Sprache bei der Verbreitung religiöser Ideen v.a. im 17. und 18. Jahrhundert zukam. Beispielsweise ist es verblüffend, zu sehen, wie das Jesuitendrama des 18. Jahrhunderts keineswegs reaktionär ist, sondern vielmehr Gedanken der Aufklärung vermittelt. Tilg ist auch Herausgeber des Oxford Handbook for Neo-Latin, das zu einem Standardwerk der neulateinischen Philologie werden wird.

„Es fügt sich gut“, so Stefan Tilg, „dass mich meine erste Professur an eine Universität führt, die mit Innsbruck und mit unserem Ludwig Boltzmann Institut eng verbunden ist und an der es eine reiche Tradition an neulateinischen Studien fortzusetzen gilt.“ Tilg spielt damit auf die Tatsache an, dass die Universität Freiburg i.Br. nicht nur Partneruniversität der Innsbrucker alma mater ist, sondern auch zu den offiziellen Partnerorganisationen des Innsbrucker Boltzmann Institutes zählt, u.a. weil dort vor etwa 15 Jahren mit den NeoLatina eine Konferenzreihe zur neulateinischen Literatur gegründet wurde. Wieder einmal zeigt sich, dass der Posten des Direktors eines Ludwig Boltzmann Institutes ein ideales Karrieresprungbrett darstellt.

In Freiburg wird es zu den größten Herausforderungen Tilgs zählen, mit den hohen Studierendenzahlen umzugehen: Latein boomt an allen deutschen Universitäten, ähnlich wie in Österreich, wo sich Latein ebenso nie dagewesener Beliebtheit erfreut. Aber gerade Freiburg gehört zu den Institutionen, die in Deutschland für angehende Lateiner besonders attraktiv zu sein scheinen, wofür hunderte Studierende sprechen.