Wasserspülung römischer Latrinen im Test

Nachdem er sich im Rahmen seiner Dissertation intensiv mit römischen Hypokaustheizungen auseinandergesetzt hat, widmet sich Dr. Hannes Lehar, freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Archäologien, nun den Wasserspülungen römischer Latrinen. In Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr Innsbruck führte er kürzlich einen experimentalarchäologischen Versuch durch.
Hannes Lehar testete gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr Innsbruck die Wasserspülung römischer Latrinen.
Bild: Hannes Lehar testete gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr Innsbruck die Wasserspülung römischer Latrinen.(Foto: Lehar)

Hygiene spielte im Römischen Reich eine große Rolle, wie Ruinen von Thermen, Kanälen und Latrinen noch heute zeigen. „Während die privaten Latrinen in römischen Häusern zumeist den heute bekannten ‚Plumpsklos’ entsprachen, waren die Latrinen in Thermen und im öffentlichen Bereich vielfach nicht nur aufwendig gestaltet, sondern verfügten auch über eine Wasserspülung“, erklärt Dr. Hannes Lehar. In der archäologischen Fachliteratur werden die Anlagen, die fast immer für den gleichzeitigen Gebrauch von mehreren Personen – teilweise für mehr als 30 – ausgelegt waren, als Abortsitze, unter denen in einem offenen Kanal Wasser fließt, beschrieben. Das Wasser in diesem Kanal stammt der Literatur nach entweder aus einer Wasserleitung oder aus den Badebecken der Thermen, deren abfließendes Wasser zu diesem Zweck gesammelt wurde. In letzter Zeit wurden allerdings von Seiten einiger Archäologen Zweifel an der Funktionsfähigkeit einer Spülung dieser Art laut: „Da dabei das Wasser weitgehend drucklos und gemäß den Beschreibungen in geringer Menge einströmt, erschien es auch mir ungewiss, ob dadurch tatsächlich eine Reinigung des Latrinenkanals möglich war“, erklärt Hannes Lehar, der in mehreren 90-Grad-Ecken und einem zu geringen Gefälle weitere Gründe für ein mögliches Nicht-Funktionieren dieser Spülung sieht. Um diese Zweifel zu bestätigen oder auszuräumen, startete der Archäologe einen experimentalarchäologischen Versuch: Anhand eines Nachbaus eines Teils der Latrine der kleinen Thermen von Cambodunum (Kempten im Allgäu) wollte er klären, ob die bisher allgemein angenommene Betriebsart römischer Latrinen funktioniert haben kann oder nicht.

Erste Bestätigung

Dank der Mithilfe der Berufsfeuerwehr Innsbruck, die nicht nur einen geeigneten Platz sondern auch Geräte und die entsprechende Bedienungsmannschaft zur Verfügung stellte, konnte Hannes Lehar die Anlage Ende Juni aufbauen und verschiedene Arten der Spülung am Modell testen. „Dabei habe ich vor allem den Strömungsverlauf des Wassers, sowie die jeweilige Reinigung des Latrinenkanals beobachtet.“ Sein vorläufiges Fazit nach den Testläufen ist, dass eine – allerdings nur teilweise – Spülung der Latrinen möglich ist, wobei Menge und Druck des einströmenden Wassers weder zu hoch, noch zu niedrig sein dürfen. „Obwohl das durchströmende Wasser den Kot nur teilweise wegspült und auch nicht völlig überdeckt, verhindert es anscheinend weitgehend eine Geruchbildung“, so der Archäologe. „Eine zusätzliche periodische Reinigung – entweder mechanischer Art oder durch eine Schwallspülung – erscheint mir aber unverzichtbar.“ Ergänzend führt Hannes Lehar aber an, dass die beschriebene Dauerspülung samt Schwallspülung zwar ausreiche, die Latrine selbst weitgehend vom Kot zu reinigen, aber nicht dazu geeignet war, den Kot weiter durch einen ableitenden Kanal bis in einen Fluss zu spülen. „Dass dies vermutlich durchaus so geplant war, sieht man in Cambodunum, wo sich unmittelbar am Ausfluss der Latrine eine Art Senkgrube als Schlammabscheider befindet, über die die Abwässer flossen und in die die festen Bestandteile dabei absinken konnten, während die flüssigen Bestandteile mit dem Spülwasser weiter durch einen Kanal zum Fluss abgeleitet wurden“, erklärt der Archäologe. „Der Inhalt von Senkgruben, die periodisch geleert werden mussten, wurde – wie wir aus Schriftquellen wissen – als Dünger für die Felder verwendet.“

Ungeklärte Fragen

Mit weiterführenden Untersuchungen will Hannes Lehar nun – auch im Vergleich mit anderen Anlagen – herausfinden, woher das benötigte Wasser kam, ob es fixe Vorrichtungen zur Schwallspülung gab und ob Senkgruben wie in Cambodunum als Schlammabscheider Standard waren. Zudem könnten auch noch anders konstruierte Entsorgungssysteme zur Anwendung gekommen sein. „Insgesamt scheint sich da ein größeres Sachgebiet zu öffnen, das mich, vergleichbar mit den Hypokaustheizungen, noch eine Weile beschäftigen könnte“, so Lehar, der mit einer genaueren Auswertung der Versuchsdaten eine Basis schaffen will, auf der die Forschungen weitergeführt werden können.

(sr)