Gesucht: Weitere Römersiedlungen im heutigen Osttirol

Aguntum, die einzige römische Stadt auf heutigem Tiroler Gebiet, ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges: Diesen Vergleich stellt Martin Auer, Assistent am Institut für Archäologie der Universität Innsbruck, an. Im Rahmen seiner vom Wissenschaftsfonds des Landes Tirol unterstützten Forschungsarbeit widmet er sich dem römischen Osttirol rund um Aguntum.
tilg_auer_400x306.jpg
Bild: Archäologe Martin Auer präsentiert Landesrat Tilg ein Fundstück aus Aguntum: eine brozene Fibel in Vogelform. (Foto: Land Tirol/Schwarz)

Aguntum, diese bereits teilweise freigelegte Siedlung in Dölsach im Range einer „Bezirkshauptstadt“ und eines Handelszentrums der römischen Provinz Noricum, wurde in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten vermutlich von einigen Tausend Menschen bewohnt. Mit Hilfe eines Geoinformationssystems, das alle bisher bekannten Fundorte und Einzelfunde Osttirols erfasst, sollen Rückschlüsse möglich werden - auf weitere, noch in der Erde verborgene Siedlungen.

Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg begrüßt die ambitionierte Arbeit des Archäologen, die neue Erkenntnisse über die Römerzeit in Tirol verspricht: „Mit dem Tiroler Wissenschaftsfonds unterstützt das Land Tirol Projekte von ausgezeichneten Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern, einer von ihnen ist Martin Auer!“ 

Auers Untersuchung beleuchtet die Versorgung Aguntums mit Lebensmitteln und Handelsgütern wie Kupfererz und Bergkristall. Das sagenumwobene „Tauerngold“ konnte übrigens bisher noch nicht nachgewiesen werden. Aufgedeckt werden soll im Einzugsbereich der Stadt die dafür notwendige, aber noch großteils unbekannte Siedlungsstruktur römischer Villen mit ihren Landwirtschaftsbetrieben, mit Dörfern und Bergbausiedlungen in der Nähe von Rohstoffvorkommen.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Geografie und dem Bundesdenkmalamt läuft die Einbettung der Daten bisheriger Funde in das auf dreidimensionalen Geländemodellen beruhende Informationssystem: Lage, Bodengüte, Hangneigung, Sonnenscheindauer und die Nähe zu Verkehrswegen werden als Kriterien für neue Funderwartungsgebiete herangezogen. „Wo sich in der Osttiroler Landschaft diese Daten wiederfinden werden, dort liegt womöglich eine Verdachtsfläche aus der Römerzeit“, erläutert Martin Auer.

(red)

Nach oben scrollen