Entrepreneurship für Alle

Unternehmertum ist nicht nur ein Bestandteil des Curriculums für Wirtschaftsstudenten, sondern darüber hinaus ein wichtiges Thema für Studierende aller Fachrichtungen; besonders bei deren Erwägung einer Unternehmensgründung nach Beendigung des Studiums.
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Bild: Erster interdisziplinärer Entrepreneurship Kurs für PhD Studenten an der Universität Innsbruck

Dank des Engagements der Bologna Beauftragten Christina Raab und der tatkräftigen Unterstützung von Rektor Tilmann Märk sowie Dekan Matthias Bank wird dieser Tatsache an der Universität Innsbruck im Sommersemester 2014 erstmalig Rechnung getragen und ein interdisziplinärer Entrepreneurship Kurs für PhD Studierende angeboten. Johann Füller, Professor für Innovation und Entrepreneurship, hat - unterstützt von Kathrin Treutinger, Doktorandin an der RTWH Aachen - die Leitung des Kurses inne, der sich in zwei Phasen, Theorie und Praxis, gliedert. Im ersten Teil des Kurses beschäftigen sich die Studierenden mit relevanten Grundlagen, wie zum Beispiel Finanzierungsmodellen, verschiedenen Geschäftsmodellen und Entrepreneurship-Theorie, die im zweiten Teil praktisch umgesetzt werden. In kleinen Teams arbeiten die Studenten dabei zusammen an ihren Geschäftsideen; am Ende des Kurses präsentieren sie ihre Ergebnisse vor einer Jury. Für diese konnten im ersten Jahr Anja Obererlacher von der Standortagentur Tirol, Stefan Scholze von der Wirtschaftskammer Tirol und Mag. Klaus Rissbacher von Plansee gewonnen werden. Sie werden den Studierenden Feedback zur Präsentation ihrer Geschäftsmodelle geben und abschließend das erfolgversprechendste Konzept als Gewinner küren. Damit ein fließender Übergang von der Theorie zur Praxis erleichtert wird, haben die Studenten bereits vor dem zweiten Teil des Kurses die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen auf einer eigens für den Kurs programmierten Online-Plattform hochzuladen und zu diskutieren. „Obwohl ich mich derzeit noch eher am Anfang meines Doktoratsstudiums befinde und mein Weg in die Selbstständigkeit noch etwas warten wird müssen, nehme ich jede Möglichkeit war, mich auf diese alleinige Verantwortung bestmöglich vorzubereiten, damit ich so viel Skills wie möglich erlangt habe, für eine Situation, die für mich dennoch gänzlich neu sein wird“, ist Umwelttechniker Michael Gaggl von dem neuen Angebot begeistert.

International besetzt

Insgesamt nehmen zehn PhD Studenten verschiedener Fachrichtungen wie Soziologie, Chemie, Physik, Pharmazie und Umwelttechnik aus sieben Ländern am Kurs teil; neben vier Österreichern auch Studenten aus Irland, Italien, Slowenien, Kamerun, Pakistan und dem Libanon. Einer der Studenten hat bereits erfolgreich eine eigene Firma gegründet, andere haben schon konkrete Ideen, die im Kurs in echte Geschäftsmodelle konvertieren werden. Die Geschäftsideen reichen von einem ökologischen Gartenbaukonzept bis hin zu Visionen einer Revolutionierung des Krankenversicherungssystems in einem Entwicklungsland oder dem Aufbau einer neuen Universität in einem wenig erschlossenen Gebiet. „Was mich besonders an diesem Kurs erfreut, ist, dass die Runde so international besetzt ist und dass wirklich verschiedenste Studienrichtungen hier zusammen treffen“, sagt Berthold Schwan, Doktorand im Bereich Management.

Erfolgreicher Entrepreneur als Gast

Am 10. April 2014 fand bereits der erste Kursteil in der Wirtschaftskammer Tirol statt, welche freundlicherweise Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Hierbei ist besonders die Unterstützung durch DI Gernot Bock hervorzuheben. Nach einer persönlichen Begrüßung durch Evelyn Geiger-Anker, Direktorin der Wirtschaftskammer Tirol, die über das Angebot der Wirtschaftskammer Tirol  informierte, führte Johann Füller die Studierenden in das Thema Entrepreneurship ein, woran sich eine rege Diskussion schloss. Am Nachmittag hielt Martin Herdina, Unternehmer und CEO von Wikitude, einen Vortrag über seine Erfahrungen als Entrepreneur und stand den Studenten Rede und Antwort. Wikitude ist ein erfolgreiches österreichisches Start-up, das Augmented-Reality Software für Mobilgeräte entwickelt. Ein absolutes Highlight war auch das Ausprobieren der Google Glasses, die Martin Herdina im Zuge seines Vortrags vorstellte. „Mir gefällt das Seminar sehr gut, da wir uns in kleiner und doch sehr heterogener Runde intensiv austauschen können. Als ein Highlight stand uns ein erfolgreicher Entrepreneur als Ansprechpartner für zwei Stunden zur Verfügung“, sagt der Geograph Markus Berchthold-Domig.

Neues Angebot für Alle

Nach dieser spannenden und interessanten Auftaktveranstaltung freuen sich alle Teilnehmer auf den zweiten Teil des Kurses und hoffen, dass sich die Lehrveranstaltung rasch etablieren und ausbreiten wird. Auch wenn Unternehmertum (noch) nicht stark genug gefördert wird, haben viele Studierende kreative und innovative Ideen, die sich, wenn richtig angegangen, in lukrative Geschäftsideen verwandeln lassen. Mit fakultätsübergreifenden Entrepreneurship Kursen für alle Studierende hoffen wir dazu beizutragen, mit Bezug auf Unternehmertum, aus dem „Inn Valley“ eine neues „Silicon Valley“ zu machen.

(Johann Füller)