Schule an der Uni

Die 2. Klasse der Hauptschule Schruns/Vorarlberg besuchte am Donnerstag, 15. Mai 2014 das FZ HiMAT an der Universität Innsbruck, um dessen Forschungstätigkeiten genauer unter die Lupe zu nehmen.
Hauptschule Schruns zu Besuch bei HiMAT
Bild: Hauptschule Schruns zu Besuch beim Forschungszentrum HiMAT. (Bild: HiMAT)

Da Bergbau für die Region Montafon prägend war, hat das Forschungszentrum HiMAT diese Region als eines seiner Key-Areas für Forschungszwecke ausgewählt. Die Gemeinde Silbertal/Montafon unterstützt das FZ HiMAT seit Jahren in besonderer Weise. Um die breite Bevölkerung auch über moderne Bergbauforschung zu informieren, wurde gemeinsam mit der Gemeinde Silbertal 2011 ein Themenweg der besonderen Art umgesetzt. Mit dem „Silberpfad“ auf dem Kristberg im Montafoner Silbertal wurde ein völlig neues Konzept beschritten und die Methoden der modernen Montangeschichtsforschung ins Zentrum des Interesses gerückt. Neben Touristen und Familien sind vor allem SchülerInnen das Zielpublikum.

Die Gemeinde Silbertal lädt in Kooperation mit dem FZ HiMAT vor allem Vorarlberger Schulen ein, den „Silberpfad“ zum explorativen Lernen der eigenen lokalen Geschichte zu nutzen. In Verbindung mit einem Besuch im Bergbaumuseum Silbertal wird ein umfassendes Wissen zum Thema Bergbau vermittelt, ebenso wie zu den Fachdisziplinen, die sich vor Ort wissenschaftlich mit der Bergbaugeschichte auseinandersetzen. Nicht nur Einblick in die Forschungstätigkeiten wird geboten sondern auch, wie die daraus resultierenden Ergebnisse der einzelnen Fachdisziplinen im Rahmen des FZ HiMAT vernetzt dargestellt werden und so ein integratives Gesamtbild entsteht.

Am 15. Mai 2014 hat erstmals die 2. Klasse der Hauptschule Schruns im Rahmen ihres Schulprojektes „Bergbau“ das FZ HiMAT besucht, um die Forschungen des FZ HiMAT genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach einer Einführung zum Stand der Bergbauforschungen in den Ostalpen konnten sich die SchülerInnen entscheiden, welche der Fachdisziplinen sie genauer kennen lernen möchten. Ein Besuch in der Archäologie, im Labor der Archäobotanik, Mineralogie, Dendrochronologie sowie unter fachkundiger Führung der Geschichts- und Sprachwissenschaften ein Archiv zu besuchen stand zur Auswahl. Die SchülerInnen waren begeistert, sich Forschung aus nächster Nähe ansehen und hinter die Kulissen blicken zu können. Die Universität von „innen“ kennen zu lernen, in einen Laborkittel zu schlüpfen und selbst Proben zu untersuchen, war eines der gebotenen Highlights. Die SchülerInnen waren begeistert, dass sie sich ein Bild davon machen konnten, wie moderne Geschichtsforschung abläuft. Auf die Frage, was das Beste am Tag war, antwortete eine Schülerin: "Besonders toll war die Erzählung über das kleinste Buch, das so groß ist wie ein Fingernagel. Danach durften wir selber übersetzen. Sie haben uns alle Buchstaben gezeigt. Das war spannend!" Eine der begleitenden Lehrpersonen meinte, dass Ziel des Schul-Projektes sei, dass die SchülerInnen erfahren, was Bergbau ist und wie er sich auswirkt, v.a. da viele SchülerInnen aus früheren Bergbau-Gemeinden stammen. Sie kann nur jeder Schule empfehlen, diesen Besuch in ihr Programm aufzunehmen und in ein Projekt einzubauen. Der Besuch des FZ HiMAT hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die SchülerInnen das Gelernte leichter einprägen und das Wissen mit nachhause nehmen.

Die Schulklasse der Hauptschule Schruns erstellt begleitend zum Schulprojekt „Bergbau im Montafon“ ein Projekttagebuch, in dem die Besuche im Museum, dem Silberpfad und an der Universität Innsbruck in Bild und Textform festgehalten werden. Die SchülerInnen kreieren so ihren ersten „Forschungsbericht“ zu ihrem Schulprojekt.

Forschungszentrum HiMAT

Das Forschungszentrum "HiMAT - Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten: Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft" wurde 2007 an der Universität Innsbruck errichtet und setzt sich mit den Auswirkungen des Bergbaus auf die Kulturen und die Umwelt im Alpenraum vom Neolithikum bis in die Neuzeit auseinander. In diesem Großforschungsprojekt sind international ausgewiesene ExpertInnen auf dem Gebiet der Bergbaugeschichte aus fünf Fakultäten der Universität Innsbruck in einem interdisziplinären Netzwerk vereint, um die Expansions-, Konsolidierungs- und Regressionsphasen des Montanwesens im mittleren Alpenraum im Rahmen von konzentrierten Forschungsaktionen zu evaluieren und zu analysieren.

Silberpfad

Der Silberpfad, der im Auftrag der Kristbergbahn GmbH unter dem Konzept des FZ HiMAT der Universität Innsbruck, vertreten durch Dr. Mario Prast und Dr. Suzanne Kapelari, entwickelt wurde, spiegelt den Zugang zu Wissen, Wissensvermittlung sowie interdisziplinärer Zusammenarbeit wider. Der Lehrpfad lässt der individuellen Neugier von Kindern aber auch Erwachsenen genügend Raum, spricht aufgrund von interaktiven Möglichkeiten alle Sinne an und erleichtert so das Erkennen von Zusammenhängen auf spielerische Weise. Familien und interessierte Gruppen erhalten auf dem 2,5 km langen Lehrpfad an zwölf Stationen einen Einblick, wie urgeschichtlicher Bergbau in den Ostalpen mit modernstem Ansatz erforscht wird. Vorgestellt werden die Forschungsdisziplinen sowie ihre Methoden und Ziele, die heute in der Bergbauforschung eingesetzt werden. Die Gestaltung des Silberlehrpfades mit der Darstellung wie Forschungserkenntnisse gewonnen werden, ist aufgrund seiner innovativen Konzeption einzigartig in Europa.

Bergbaumuseum Silbertal

Das Silbertaler Bergbaumuseum ist ein herausragendes Beispiel für familienfreundliche Museumspädagogik. Sowohl Kindern als auch Erwachsenen ist es in der Dauerausstellung möglich, die spannende Welt des Bergbaus zu erleben und hautnah bergmännische Lebensweisen aus vergangenen Tagen kennenzulernen. Der inhaltliche Schwerpunkt des Museums liegt im lokal sehr stark verwurzelten Montafoner Bergbau des 15. und 16. Jahrhunderts und ist somit eine ideale Ergänzung zum Silberpfad und zur Silberspielwelt am Kristberg. Spannende archäologische Funde, historische Schriftquellen und beeindruckende Abbildungen lassen den Besucher in eine längst vergangene, mit Mythen und Sagen gespickte, Welt eintauchen.

(Mag. Veronika Schaffer)