Gastvortrag und interdisziplinärer Workshop zu Determinismus und freiem Handeln in Innsbruck

Wie kann es freies Handeln in der Natur geben? Diese Fragestellung stand im Zentrum eines Gastvortrags und eines Workshops Mitte März in Innsbruck.
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Bild: SprecherInnen und Verantwortliche des Workshops (v.l.): Assoz. Prof. Dr. Bruno Niederbacher (Christl. Philosophie, Univ. Innsbruck, Institutsleiter), ao. Prof. Gabriele Werner-Felmayer (Biocenter, Medizin. Univ. Innsbruck), Dr. Michael Brownnutt (Experimentelle Physik, Univ. Innsbruck), Prof. Dr. John Dupré (Centre for the Study of Life Sciences, Univ. Exeter/ UK), Prof. Dr. Edmund Runggaldier (Christl. Philosophie, Univ. Innsbruck, Projektleiter), Dr. Anne Sophie Spann (Christl. Philosophie, Univ. Innsbruck), Prof. Dr. Johannes Zschocke (Humangenetik, Medizin. Univ. Innsbruck), ao. Prof. Dr. Josef Quitterer (Christl. Philosophie, Univ. Innsbruck)

Im Alltag erleben wir uns als frei Handelnde, die ihre Handlungen auf Basis von Überlegung und der Möglichkeit, anders handeln zu können, wählen. Gleichzeitig verstehen wir uns als natürliche Wesen, als biologisch erklärbare Organismen. Wie passt beides zusammen? Wie ist es möglich, dass es frei handelnde Organismen wie uns gibt und möglicherweise andere Lebewesen? Wie muss die Natur beschaffen sein, um freies Handeln zu ermöglichen?

Diese Fragen sind von besonderer Aktualität, seit die unter Wissenschaftlern und Philosophen lange Zeit vorherrschende Meinung, aufgrund ihrer deterministischen Verfasstheit gebe es de facto keinen Platz für freies Handeln in der Natur, von Seiten verschiedener Disziplinen zunehmend in Frage gestellt wird. Abgesehen von den bekannten aus der Quantenmechanik stammenden Argumenten ist unter Wissenschaftsphilosophen insbesondere eine Tendenz hin zu einem biologisch motivierten Indeterminismus zu beobachten.

Eine der wichtigsten Figuren in diesem Zusammenhang ist der Wissenschaftsphilosoph John Dupré, der als ausgewiesener Experte in der Philosophie der Biologie und als langjähriger Leiter des Center for the Study of Life Sciences (zuvor EGENIS) an der University of Exeter maßgeblich zur aktuellen Diskussion beigetragen hat. Dupré zufolge sprechen die wesentlichen Strukturen des Lebens einschließlich seiner genetischen Organisation für eine indeterministische Verfasstheit der Natur, die als solche freies Handeln ermöglicht. Der Kerngedanke seines ‚Indeterministischen Kompatibilismus‘ besteht in der Annahme, dass eben die Unvollständigkeit der kausalen Struktur der Welt die Existenz natürlicher Akteure erlaubt, welche die Leerstellen durch freie Handlungen schließen. Höhere Organismen als in starkem Sinn autonome Systeme erlegen ihrer mehr oder weniger chaotischen Umgebung eine Ordnung auf.

Professor Dupré erläuterte seine Position eines indeterministischen Kompatibilismus in einem Gastvortrag, der am 12.3.2014 auf Einladung von Dr. Anne Sophie Spann am Institut für Christliche Philosophie stattfand. Es folgte am 13.3.2014 ein interdisziplinärer Workshop zum Thema „Determinism/Indeterminism in Nature. Agency – Genetics – Quantum Mechanics“, ebenfalls organisiert von Dr. Anne Sophie Spann im Rahmen des von Prof. Dr. Edmund Runggaldier geleiteten FWF-Projekt „Powers and the Identity of Agents“. Innsbrucker Experten der philosophischen Handlungstheorie, der Genetik und der Quantenmechanik diskutierten mit John Dupré über die natürlichen Bedingungen freien Handelns. Eine Publikation der Beiträge ist in Planung.

(Anne Sophie Spann)