Wie man Steine lebendig macht … Ein deutsch-italienisches Übersetzungsprojekt

Kirchtagskrapfen, Stube, ein Schneider im Gestämm, lebende Steine … und ähnliche Gustostücke. Wo kommt das alles vor? In einem Roman von Anna Rottensteiner.
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Bild: Das Projektteam, die Autorin Anna Rottensteiner und Projektleiterin Mag. Carla Festi.

„Lithops. Lebende Steine“ (Edition Laurin 2013, Innsbruck) wurde am 26. März zum Mittelpunkt einer Lesung und einer Projektpräsentation, die in Zusammenarbeit mit Studia und Italienzentrum in der Buchhandlung Studia vor zahlreichem Publikum stattfand. Die Premiere galt eigentlich der italienischen Übersetzung des Erstlingsromans von Anna Rottensteiner, der bereits im Frühjahr 2013 erschienen war.

Die Romanübersetzung wurde im WS 2013/14 von einem kleinen, engagierten Team angehender Übersetzer im Masterstudium unter der Leitung von Mag. Carla Festi am Institut für Translationswissenschaft vorbereitet. Ein gelungener Abend, an dem nicht nur aus der deutschen und italienischen Fassung gelesen wurde, sondern auch im Gespräch mit der Autorin Fragen zur Entstehung des Buchs gestellt wurden und eine Präsentation der Übersetzungsarbeit, vor allem im Hinblick auf das waghalsige Unterfangen, Literatur zu übersetzen, wenn man es nicht in die Muttersprache, sondern in die Fremdsprache betreibt, auf dem Programm standen.

Ganz so war es nicht, weil sich das Projektteam aus Studierenden aus Italien, Tirol und Südtirol zusammenstellte. Eine fast ideale Besetzung für beide Seiten, die sich in einer intensiven Zusammenarbeit, in gegenseitiger Hilfe und regem Gedankenaustausch ausdrückte. Bis hin zum Endprodukt: eine Übersetzung, die sich sehen lassen kann und die auch für einen italienischen Verlag durchaus interessant sein könnte.

In seinen Kurzvortrag „Literatur übersetzen lehren – Literatur übersetzen lernen:

Neue Wege in der Übersetzungsausbildung“ erinnerte Herr Professor Wolfgang Pöckl:

Das Desillusionierende am literarischen Übersetzen ist ja, unter anderem, dass man auf Seite 20 eine geniale Idee haben kann, die sich auf Seite 75 aus Gründen der Textkohärenz als unbrauchbar erweist.“ Und tatsächlich ist der literarische Text mit einer Partitur vergleichbar, wo alles mit allem verknüpft ist. Man muss das ganze Buch im Kopf haben, um Textkohärenz zu bewahren. Aber nicht nur. Man muss auch den Mut zur Unvollständigkeit haben anstatt zu langweiligen Umschreibungen, wie eine der Projektteilnehmerinnen treffend formulierte: „Der sprachliche Gewinn für beide Seiten war jedenfalls enorm und die gute Zusammenarbeit in der Gruppe hat es uns erlaubt, die zielsprachlichen Möglichkeiten in hohem Maße auszuschöpfen – und so eben gewollt Nichtgesagtes guten Gewissens ebenfalls zu verschweigen.

Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses Innsbruck, hat es sichtlich genossen, dass ihr Buch nun auch in italienischer Sprache vorliegt. Die Handlung hat mit Italien zu tun, spielt abwechselnd in Südtirol, in Rom, am Gardasee und sogar in Finnland. Eine Geschichte, in der „lebende Steine“, sogenannte Lithops, eine große Rolle spielen. Mehr verraten wir nicht.

Für uns war diese Übersetzungsarbeit auch ein „schwerer“ Stein, aber es hat sich gelohnt, ihn zu tragen. Musikalische Umrahmung und Büffet waren auf das Thema des Romans abgestimmt. Dazu haben die Studierenden Vanni Cainelli, Irene Guidi, Barbara Pizzedaz, Stefania Pozzato, Melani Zamperoni, Eleonora Bertolini, Patrizia Riegler, Julia Teflser, Sabine Niederfriniger und Christine Muigg, übersetzungstechnisch wie auch kulinarisch, ihr Bestes gegeben.

(Carla Festi)