Tiere in den wissenschaftlichen Disziplinen

Die erste große Human-Animal-Studies-Konferenz in Innsbruck begrüßte im Februar WissenschaftlerInnen aus aller Welt.
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Bild: Von links: Univ.-Ass. Dr. Reingard Spannring (Mitorganisatorin), Univ.-Prof. Dr. Kurt Kotrschal (Plenarvortrag), Univ.-Prof. Dr. Reinhold Bichler (Begrüßungsworte) und Univ.-Prof. Dr. Max Siller (Mitorganisator)

Vom 6. bis 8. Februar 2014 fand an der Universität Innsbruck erstmals eine internationale und interdisziplinäre Konferenz zu den komplexen Verhältnissen zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren statt.

In den Sektionen Literatur und Medien, Sprache und Linguistik, Geschichte und Recht, Sozialwissenschaften, Philosophie und Theologie berichteten WissenschaftlerInnen aus ihren Forschungen im Bereich der Human-Animal Studies. So referierte beispielsweise Raija Mattila über die Beziehung des Menschen zum Tier im alten Mesopotamien, Daniel Pfurtscheller über das visuelle Framing von Tieren in Nachrichtenmagazinen, Sophie Mesplède über Tiere in der Literatur des 18. Jahrhunderts, Paula Calvo Soler über die Rolle von Haustieren für Kinder und Irina Wenk über Pferdekämpfe auf den Philippinen. Kritische Beiträge kamen vor allem aus der Ökolinguistik und der Philosophie, die sich mit menschlichen Konstruktionen „des Tiers“ und seiner Nutzung bzw. Ausbeutung beschäftigten.

Neben bekannten WissenschaftlerInnen aus den USA, Indien, Japan, Spanien, Frankreich, England, Belgien, Deutschland, Schweiz, Israel und Österreich wie zum Beispiel Gary Steiner von der Bucknell University oder Klaus Petrus von der Universität Basel nahmen auch einige NachwuchswissenschaftlerInnen der Universität Innsbruck aktiv an der Konferenz teil. Ein zahlreiches Publikum von inner- und außerhalb der Universität besuchte die Vorträge. Insbesondere der Plenarvortrag von Prof. Kurt Kotrschal von der Konrad Lorenz Forschungsstelle Wien zu „Überbewertete Artgrenzen: Warum Menschen mit anderen Tieren soziale Beziehungen eingehen können“ zog 250 HörerInnen an. Der Verhaltensbiologe und Wolfsforscher, der vom „Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Österreichs“ zum Wissenschaftler des Jahres 2010 ernannt wurde, präsentierte Erkenntnisse aus der Ethologie, die einen „sozialen Werkzeugkasten“ nahelegen, den Säugetiere und Vögel mit Menschen gemeinsam haben, und der zwischenartliche Kommunikation und Interaktion ermöglicht.

Das zunehmende Interesse an der Thematik der Konferenz in der Wissenschaft und in der Bevölkerung fand nicht nur in den engagierten Diskussionen zwischen den Vorträgen Ausdruck, sondern auch im breiten Medienecho.

Organisiert wurde diese interdisziplinäre Veranstaltung durch das interfakultäre Human-Animal-Studies-Forschungsteam der Universität Innsbruck, das schon im Herbst 2012/13 eine Ringvorlesung mit fast 1000 HörerInnen durchführte und bis Winter 2014 den Sammelband „Disziplinierte Tiere? Perspektiven der Human-Animal Studies für die wissenschaftlichen Disziplinen“ im Transcript Verlag herausbringt. Für das Studienjahr 2014/15 sind eine weitere Ringvorlesung zu Human-Animal Studies für alle HörerInnen sowie ein Seminar für LehramtskandidatInnen und ErziehungswissenschaftlerInnen (sowie sonstige Interessierte) zu Human-Animal Studies im Schulunterricht und anderen Bildungskontexten geplant.

(HAS-Team Universität Innsbruck)