Neues Karriereförderprogramm für begünstigt behinderte NachwuchswissenschaftlerInnen

Wie kann man behinderte NachwuchswissenschaftlerInnen auf ihrem Weg in eine wissenschaftliche Karriere bestmöglich fördern? Diese Frage stand am Anfang der Überlegungen von VertreterInnen des Büros des Vizerektors für Personal sowie der Behindertenvertrauensperson und -beauftragten der Universität Innsbruck. Das Resultat liegt nun in Form eines neuen PhD-Förderprogrammes vor.
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Bild: Mit einem PhD-Förderprogramm für begünstigt Behinderte schafft die Universität Innsbruck ab März ein österreichweites Novum.

Ab 5. März 2014 vergibt die Universität Innsbruck ein bis zwei Doktoratsstellen an AbsolventInnen eines Masterstudiums aller Fachdisziplinen der Universität Innsbruck, die dem Personenkreis der begünstigten Behinderten angehören. Dieses Programm ist bisher in Österreich einzigartig. Die Auswahl erfolgt auf Basis der wissenschaftlichen Qualität des eingereichten Dissertationskonzepts durch ein Gremium bestehend aus der Vizerektorin für Forschung, den/die jeweilige/n Dekan/in, einem AKG-Mitglied sowie der Behindertenvertrauensperson für das wissenschaftliche Personal.

Viele Anforderungen, wie zum Beispiel erhöhte internationale Mobilität und belastende Arbeitszeiten, die heutzutage an eine wissenschaftliche Karriere geknüpft sind, bergen für behinderte und chronisch kranke WissenschaftlerInnen einen systemischen Nachteil. Dieser Personenkreis kann sich solchen körperlichen Anforderungen meist nicht ganz „unterwerfen“, was sich in vielen Fällen im Verlauf der wissenschaftlichen Karriere widerspiegelt.

An der Universität Innsbruck absolvieren jedes Semester mehrere StudentInnen mit einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung erfolgreich ein Masterstudium. Das Karriereförderprogramm für begünstigt behinderte NachwuchswissenschaftlerInnen möchte die  oben genannten Hindernisse für eine weitere wissenschaftliche Karriere aus dem Weg räumen. Die drei- bzw. vierjährige Anstellung für die Dauer einer Dissertation kann hier weitreichend positive Auswirkungen auf eine junge wissenschaftliche Karriere haben, da sich die/der Jungwissenschaftler/in in dieser Zeit  im Wissenschaftsfeld entsprechend etablieren kann, bereits sehr gut in Prozesse integriert ist und durch ihre/seine Inklusion die Diversität einer Arbeitsgruppe erhöht was nachhaltig positive Teameffekte fördert.

Die Universität Innsbruck folgt damit auch dem Beispiel großer Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und berücksichtigt individuelle Lebensumstände bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Leistung. In der Gesamtheit betrachtet, lebt die Universität Innsbruck durch die Einführung des Karriereförderprogramms Chancengleichheit.

(Dr. Adolf Sandbichler
Behindertenvertrauensperson für das wissenschaftliche Personal der Universität Innsbruck)