Konferenz: Interdisziplinärer Blick auf Entwicklung des Regionalismus

Von 19. bis 21. November 2013 organisierten die Länderzentren und das Forschungszentrum Föderalismus der Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Institut français d’Innsbruck eine Konferenz zum Thema Regionalismus in Europa und den Amerikas.
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Bild: Präsident und Vizepräsident des Kongresses der Gemeinden und Regionen (Europarat), Herwig van Staa und Clemens Lammerskitten, mit der Koordinatorin des Forschungszentrums Föderalismus, Anna Gamper, und der Koordinatorin für internationale Angelegenheiten, Barbara Tasser.

Erstmals gemeinsam präsentierten sich die Länderzentren der Universität in einer dreitägigen Konferenz, die das viel diskutierte Phänomen des Regionalismus aus der Sicht von PolitikwissenschaftlerInnen, VerfassungsjuristInnen, GeografInnen und HistorikerInnen, aber auch aus der Perspektive des Europarats, der Europäischen Union und der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino beleuchtete. Unter dem Titel „Regionalism(s). Lessons from Europe and the Americas“ wurden aktuelle europäische und amerikanische Entwicklungen des Regionalismus und ihre Implikationen für Recht, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert. Die Universität Innsbruck mit ihren Länderzentren und ihrer Expertise im Bereich der Föderalismus- und der Regionalismusforschung erwies sich dabei als idealer Standort für die Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarats stand.

Den Auftakt bildete eine Abendveranstaltung mit dem Direktor des Leipziger Leibniz-Instituts für Länderkunde Sebastian Lentz, der anhand von Beispielen aus der Bundesrepublik das Begriffsfeld aus der Sicht des Geographen strukturierte. Den zweiten Tag eröffneten Herwig van Staa in seiner Funktion als Präsident des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarats und Anna Gamper als Koordinatorin des Forschungszentrums Föderalismus der Universität, die die Zuhörer an die wesentlichen Fragen des Themenkomplexes heranführten:

Noch vor dem Ausbruch der aktuellen Krise haben viele Regionen Europas Forderungen nach mehr Autonomie oder gar nach Unabhängigkeit erhoben. Hintergrund dafür sind nicht nur innerstaatliche Reformprozesse im Spannungsfeld von Zentralisation und Dezentralisation, sondern insbesondere auch die europäische Integration. Galt die EU lange Zeit als „bundesstaatsblind“, zeigen sich heute Ansätze der Wahrnehmung der Regionen als transnationale Akteure in der europäischen Governance. Die langjährigen Bemühungen des Europarats um die Erarbeitung von best-practice Standards eines europäischen Regionalismus, aber auch die wachsende Bereitschaft der Regionen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit stehen dabei (nicht nur) krisenbedingten Zentralisationstendenzen gegenüber.

In der folgenden Sektionsarbeit, die sich über drei Halbtage erstreckte, standen Fachvorträge zu den Themenbereichen (1) Regionalismus in Europa auf nationaler Ebene (Italien, Russland, Frankreich), (2) Regionalismus auf europäischer Ebene und grenzüberschreitende Kooperationen sowie (3) Regionalismus in den Amerikas (USA, Kanada und Brasilien) auf dem Programm. Die Länderzentren, unterstützt vom Institut français d’Innsbruck, hatten dafür renommierte Fachleute aus Italien (Jens Woelk, Universität Trento), Russland (Natalia Zubarevich, Lomonosov Moscow State University) und Frankreich (Jacques Fialaire, Université Nantes), aber auch aus den USA (Robert Tinkler, California State University at Chico), aus Kanada (Guy Laforest, Université Laval) und aus Brasilien (Virgínia Etges, Santa Cruz do Sul University) gewinnen können. Für das Europäische Parlament sprach die Innsbruckerin Doris Dialer, für den Europarat Clemens Lammerskitten und für die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino Matthias Fink. Die einzelnen Vorträge werden in einem Tagungsband zusammengefasst, der 2014 in der Schriftenreihe des Instituts für Föderalismus Innsbruck erscheinen wird.

Eine öffentliche Podiumsdiskussion im Haus der Begegnung, die dem Thema „Regionalismus – Akteure, Kontroversen, Perspektiven“ gewidmet war, rundete die Tagung ab, die nicht nur gut besucht war und zahlreiche Fragen beantwortete, sondern zugleich auch neue Fragen aufwarf, die wohl in einer Folgekonferenz zu klären sein werden…

(Ursula Moser)