Zwei Preise zum 100. Geburtstag von Eduard Wallnöfer

Die Eduard-Wallnöfer-Preise 2013 gingen an zwei ForscherInnen der Universität Innsbruck. Zum 100. Geburtstag von Eduard Wallnöfer wurde ein Preis für Forschungs- und Studienprojekte sowie ein „Jubiläumspreis“ vom Landeshauptmann von Tirol vergeben.
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Bild: IV-Präs. Dr. Reinhard Schretter, LH Günther Platter, die beiden PreisträgerInnen Dr. Barbara Siller und Mag. Lukas Mayr, Stiftungsvors. Dr. Oswald Mayr (Foto: IV Tirol)

Die diesjährige Preisverleihung stand ganz im Zeichen des 100. Geburtstages von Eduard Wallnöfer und 35 Jahre Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie. Der Stiftungsobmann und stellvertretende Vorsitzende des Universitätsrats, Dr. Oswald Mayr, ehrte die PreisträgerInnen in feierlichem Rahmen im Barocksaal des Hotel Europa, präsentierte den Jury-Bericht und erläuterte die Siegerprojekte im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Im Rahmen des Festaktes am 10. Dezember 2013 wurde aber auch an früheren Landeshauptmann Wallnöfer gedacht. Der Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, Dr. Reinhard Schretter, würdigte dessen Verdienste, der Tirol nachhaltig geprägt und Spuren bis zum heutigen Tag hinterlassen hat. Landeshauptmann Günther Platter und der Sohn des ehemaligen Landeshauptmannes, Dr. Eduard Wallnöfer ließen ebenso die Erinnerung an den großen Tiroler wach werden, welcher der Stiftung seinen Namen gab. Die Persönlichkeit und Wesenszüge des Jubilars haben bis zum heutigen Tag Vorbildwirkung.

Die PreisträgerInnen:

Der Eduard-Wallnöfer-Preis 2013 für Forschungs- und Studienprojekte wurde an den Naturwissenschaftler Mag. Lukas Mayr für das Projekt „Entwicklung hocheffizienter Katalysatormaterialien für den Einsatz in Brennstoffzellen“ vergeben. Mayr hat das Diplomstudium für Chemie an der Leopold-Franzens Universität Innsbruck 2012 in der Mindeststudienzeit mit Auszeichnung abgeschlossen. Seither arbeitet er an seiner Doktorarbeit in einem österreichweiten Sonderforschungsbereich, der sich mit hocheffizienten Katalysatoren für Festoxid-Brennstoffzellen zur direkten Umwandlung von Methan in elektrische Energie mit höchstem Wirkungsgrad beschäftigt. Hierfür ist die Entwicklung von Anodenkatalysatoren notwendig, um die Umwandlungstemperatur von üblichen 1000 Grad auf 600 Grad Celsius zu senken.
Die gute internationale Vernetzung der Arbeitsgruppe und sein Engagement für seine Forschung ermöglichte Lukas Mayr am renommierten Birck Nanotechnology Center in Indiana - Auslandssemester - zu arbeiten und so die dort etablierten Oberflächenanalysemethoden mit den Möglichkeiten in Innsbruck, solch präzise Oberflächen zu erzeugen, zu kombinieren.
Für diese Oberfläche ist die - ähnlich der Erzeugung von Halbleitern – kontrollierte Einbettung von radioaktivem Zirkon in einen Palladiumkristall durch eine Sputterquelle im Ultrahochvakuum erforderlich. Radioaktiv heißt, dass das eingebettete Zirkon unter milden Bedingungen beliebig oft zwischen dem metallischen Zustand und dem Dioxid wechseln und so helfen kann, Energie auszutauschen.
Diese so erzeugten und beschriebenen Oberflächen sind dann in der Lage, Methan so zu binden, dass es unter Abgabe seiner Energie als elektrischer Strom zu Wasser und CO2 zerfallen kann und andererseits, je nach Prozessführung, unter Aufnahme von elektrischem Strom aus CO2 und Wasser wiederum Methan entstehen kann.
Wenn es gelingt, auf diese Weise eine effiziente Transformation von elektrischer Energie in Methan, also künstliches Erdgas zu schaffen, und aus Erdgas wiederum effizient elektrische Energie zu gewinnen, dann ist dies von höchster Bedeutung für die zeitliche und räumliche Verfügbarkeit von Energie: speicherbar, transportierbar, und zwar mit Technologien, die an jeder Erdgastankstelle und an jedem Hausgasanschluss verfügbar sind.
Das synthetisierte System muss nun getestet werden:  „Sobald an der Chemie in Innsbruck nach der Laborsperrung der Vollbetrieb wieder aufgenommen werden kann, werde ich im dortigen Batchreaktor die Reaktionsraten messen. Verlässlich, reproduzierbar und aussagekräftig kann dies nur in meinem Heimatlabor in Innsbruck bewerkstelligt werden“.

Der „Jubiläumspreis vom Landeshauptmann von Tirol“ wurde an die Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Siller für das Projekt „Prosa der Gegenwart aus Nord-, Ost- und Südtirol“ vergeben. Siller arbeitet seit Januar 2013 am Forschungsinstitut an dem eingereichten Projekt und möchte am Ende eine Monographie publizieren, die nicht ausschließlich Fachexperten als Zielgruppe erreichen sollte, sondern ein breites Lesepublikum auch außerhalb der Landesgrenzen.
Die Zeit von 1970 bis 2010 ist für den Tiroler Literaturraum eine besonders interessante Epoche: Für die Forschung und für die Geschichte unserer Region ist es von Bedeutung, die Entwicklungen dieser Prosa umfassend und methodisch-fundiert zu beleuchten.
Familienromane und -geschichten beispielsweise sind häufig Spiegelbilder der Gesellschaft: Innerhalb der Familie werden Erinnerungen bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Auch Kommunikationsstrukturen werden bei der Forschungsarbeit erörtert. Dadurch können eine Überblicksanalyse und eine Detailanalyse einzelner Werke geboten werden. Daneben soll den innovativen Entwicklungen im formalen Bereich sowie den Veränderungen des Literaturbetriebs und der Rezeptionsmechanismen besondere Beachtung geschenkt werden.
In den ersten 10 Monaten der Projektarbeit ging es um die Lektüre zahlreicher Primär- und Sekundärtexte. Insgesamt sind noch zwei weitere Jahre vorgesehen, um diese wissenschaftliche Arbeit fertigzustellen. Auf das Endprodukt – eine umfassende Monographie – darf man gespannt sein.

Die „Eduard-Wallnöfer-Stiftung“ war im Jahre 1978 das Geschenk der Tiroler Industrie zum 65. Geburtstag des legendären Landesvaters. Der Vorsitzende der Stiftung, Dr. Oswald Mayr, und ihr Geschäftsführer, Mag. Josef Lettenbichler, freuen sich über die hohe Qualität der ausgezeichneten Projekte und sind von der Signalwirkung der Eduard-Wallnöfer-Stiftung überzeugt. Seit Bestehen der Stiftung wurden an Stipendien 571.857,49 Euro und an Wallnöfer-Preisen 227.784,21 Euro ausgeschüttet. Dies sind also seit 1987 insgesamt 799.641,70 Euro, welche jungen Tirolerinnen und Tirolern unterstützend zur Verfügung gestellt werden konnten.

(red)