Crime Scene Innsbruck: Studierende des Italienischen Rechts besuchen Gerichtsmedizin

Studierende der Rechtwissenschaften erhielten Anfang Dezember einen besonderen Einblick: Bei einer Exkursion an die Gerichtsmedizin erlebten sie das Strafrecht aus einer ungewohnten Perspektive.
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Bild: Prof. Walter Rabl von der Innsbrucker Gerichtsmedizin bei seinem Vortrag. (Foto: Marianna Kastlunger)

Ein spannender Einblick in die tägliche Arbeit der Rechtsmediziner wurde am 5. Dezember rund 50 Studierenden des Italienischen Rechts geboten. Die meisten von ihnen besuchen aktuell die Lehrveranstaltungen aus italienischem Strafrecht und nutzten die Exkursion an das Gerichtsmedizinische Institut der Medizinischen Universität Innsbruck (GMI) als praxisbezogene Ergänzung zu den Vorlesungen. Wie die Zusammenarbeit zwischen Strafrechtlern und Rechtsmedizinern konkret aussieht, schilderte Prof. Walter Rabl vom GMI. Seinen Vortrag veranschaulichte er mit aufschlussreichem Bildmaterial aus realen Tatorten und Beispielen von besonders kniffligen Fällen. Dabei wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern sofort klar, dass die Arbeitsbereiche der Rechtsmedizin zwar wenig mit der glamourösen Welt amerikanischer Krimiserien gemeinsam haben, dafür aber umso fesselnder sein können: „Als Jurist bekommt man meistens die Fakten präsentiert. Das Interessanteste aus unserer Perspektive ist, zu sehen, was im Hintergrund passiert, wie diese Fakten überhaupt zusammengetragen werden. Der Vortrag war außerdem mit der richtigen Portion Witz gespickt, trotz des teilweise makabren Themas. Eine sehr tolle Veranstaltung“, meinte ein begeisterter Besucher.

Hauptarbeitsplatz Labor

Prof. Rabl betonte außerdem, dass ein Gerichtsmediziner einen Großteil seiner Arbeit nicht ausschließlich am Seziertisch eines Obduktionssaals erledigt, sondern hauptsächlich im Labor, etwa bei DNA-Analysen. Am GMI fließen viele Bereiche des Rechts, der Toxikologie und Kriminalistik ineinander, es werden beispielsweise viele Gutachten zu lebenden Menschen und Patienten erstellt. Weitere Tätigkeiten für die Ärzteschaft, etwa in beratender Funktion zur ärztlichen Schweigepflicht bei minderjährigen Patienten und dem Umgang mit dem gesetzlichen Vormund, gehören ebenso zum sehr breiten Tätigkeitsspektrum des GMI.

Auch Prof. Bernhard Eccher, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und Leiter des Instituts für Italienisches Recht, ließ sich die Exkursion nicht entgehen und hob die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hervor: „Das Rechtsstudium besteht ja hauptsächlich aus der Vermittlung der klassischen Rechtsfächer, und die sind natürlich notwendig und unverzichtbar. Aber wir haben auch eine Reihe von Nebenfächern, die dann vor allem auch den Übergang zur Praxis ermöglichen sollen: In dem Fall die Kriminologie und eben die gerichtliche Medizin, die die Juristen gut gebrauchen können.“

Initiator der Exkursion ist Universitätsassistent Mag. Lukas Staffler vom Institut für Italienisches Recht. Er nahm 2011 im Rahmen seines Rechtspraktikums am Bezirks- und Landesgericht Innsbruck an einer Exkursion an das GMI teil und schlug vor, einen derartigen Einblick in die Arbeitswelt bereits für Studierende zu organisieren. Der Praxisbezug ist ein besonderes Anliegen der rechtswissenschaftlichen Studiengänge in Innsbruck - deshalb findet die juristische Ausbildung laut Staffler nicht allein im Hörsaal statt: „Das Jus-Studium erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit Fachliteratur. Trotzdem ist darauf zu achten, dass nicht nur die Normen an sich, sondern auch die Menschen dahinter gesehen werden. Veranstaltungen mit Praxisrelevanz sind daher wichtig. Ich finde, wir haben an der Gerichtsmedizin einen guten Eindruck darüber erhalten, wie die Wirklichkeit aussieht.“

(Marianna Kastlunger)