Preis für Forschung mit Geschlechterperspektive

Ende November überreichte Rektor Tilmann Märk den diesjährigen Preis für frauen-/geschlechtsspezifische/feministische Forschung an zwei Absolventinnen der Historisch-Philosophischen Fakultät, Mag.a Maria Moser und Mag.a Anita Thaler.
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Bild: Die beiden Preisträgerinnen: Maria Moser und Anita Thaler

Seit 2001 wird jährlich ein Preis für akademische Abschlussarbeiten vergeben, die ihre jeweilige Forschungsfrage in einer Geschlechterperspektive bearbeiten. Auf diese Weise soll die Bedeutung dieser wissenschaftlichen Ausrichtung hervorgehoben und die jeweiligen Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dieses Jahr wurde der Preis geteilt.
Die Auszeichnung ging einerseits an die Diplomarbeit von Maria Moser mit dem Titel „‘Wegen einsetzender Menstruation bestehe keine Blutansammlung mehr im Kopf…‘ Ein sozialgeschichtlicher Blick auf die Menstruation im 19. Jahrhundert am Beispiel der ‚Historiae Morborum‘ des Franz von Ottenthal“. Die wissenschaftliche Würdigung der ausgezeichneten Diplomarbeiten wurde von Prof. Margret Friedrich, Institut für Geschichte und Europäische Ethnologie, vorgenommen.

Medizinische Wahrnehmung von Frauen als „Mängelwesen“

Ausgehend von den umfangreichen Aufzeichnungen eines Südttiroler Landarztes aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forschte Maria Moser zur Entstehung eines Frauenbildes, das immer noch unsere Wahrnehmung von Geschlecht maßgeblich bestimmt. Die medizinische Sichtweise auf die Menstruation als krankhaften Prozess spielte eine wesentliche Rolle in der als wissenschaftlich deklarierten physiologischen und psychologischen Charakteristik der Frau und trug maßgeblich dazu bei, sie grundsätzlich als „krank“, „schwächlich“ und als „Mängelwesen“ anzusehen. Allerdings unterschieden sich die Erfahrungen in der ärztlichen Landpraxis von jenen Vorstellungen, die den Medizinstudenten an den Universitäten vorgelesen wurden. Die Autorin arbeitete wissenschaftlich heraus, wie diese Rollenzuschreibung über den medizinischen Diskurs in den weiblichen Körper eingeschrieben wurde. Auch die Frage, wo und ob das im Bürgertum herrschende Frauenideal auch im ländlichen Alltag seine Umsetzung fand, wird behandelt. Damit leistet diese Arbeit einen Beitrag zum Verständnis der nach wie vor bestehenden geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibung.

Mädchenbildung im ländlichen Tirol durch weiblichen Orden

Die zweite Diplomarbeit wurde von Anita Thaler geschrieben und trägt den Titel „Die Mädchenschule der Deutschordensschwestern in Lanegg 1841-1918“ nahe Meran. In der bildungshistorischen Forschung ist die Frage nach der Bedeutung der Ordensschulen für die Mädchenbildung in katholisch geprägten Regionen bisher vernachlässigt worden. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Elementarunterricht vom Staat vorgeschrieben, wodurch jedoch viele Gemeinden vor Finanzierungsprobleme gestellt wurden. Hier leisteten bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weibliche Lehrkongregationen einen wesentlichen Beitrag zur Mädchenbildung. Frau Thaler hat dazu eine Lokalstudie für Lanegg (Südtirol) vorgelegt, in der sie auf einer Mikroebene das Verhältnis von Staat und Kirche im Bildungsbereich analysiert.

Die Preisträgerinnen

Frau Maga Maria Moser besuchte die Volks- und Hauptschule in Alpbach, ihre Matura absolvierte sie an der HBLA Kufstein. Im Wintersemester 2003 begann sie zunächst ein Lehramtsstudium an der LFU mit der Fächerkombination Spanisch und Geschichte, wechselte dann aber ins Diplomstudium der Geschichte über. Ein Auslandssemester verbrachte sie an der Queens University in Belfast, im April 2013 schloss sie ihr Geschichte-Studium ab. Seit Februar 2009 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Historischen Sammlungen des Ferdinandeums im Zeughaus tätig.

Frau Maga Anita Thaler kam in Meran zu Welt, wo sie auch ihre Schulzeit verbrachte. Im Wintersemester 2004 startete sie ihr Diplomstudium der Geschichte an der LFU und beendete es im Februar 2013. Parallel dazu absolvierte sie an der PH Salzburg den Lehrgang für Museumspädagogik, den sie bereits 2010 mit Erfolg abschloss. In ihren bisherigen beruflichen Tätigkeiten spiegelt sich ihr Interesse für die Kulturvermittlung wider. So arbeitete sie zB beim Verein Klangspuren Schwaz oder als Projekt- und Forschungsmitarbeiterin an der LFU.

13 Jahre „Preis für frauen-/geschlechtsspezifische / feministische Forschung“

Für den Preis 2013 wurden insgesamt 12 Arbeiten eingereicht, die mit einer geschlechtsspezifischen Fragestellung in folgenden Fachbereichen geschrieben wurden: Sprachen und Literatur (Amerikanistik und Germanistik), Bildungswissenschaften, Soziologie und erfreulicherweise diesmal auch zwei Arbeiten aus den Rechtswissenschaften. In seiner Ansprache hob der Rektor die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch diesen Preis hervor; er und die Laudatorin der zwei ausgezeichneten Diplomarbeiten, Prof. Margret Friedrich, gratulierten beiden Preisträgerinnen herzlich.

Die Preishöhe beträgt insgesamt 3.000 Euro.

 

(Elisabeth Grabner-Niel)