Besuch eines Samariters aus Tel Aviv

Das Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie der Universität Innsbruck lud in Zusammenarbeit mit dem Fachreferat Interreligiöser und Interkultureller Dialog (HdB) den Repräsentanten der samaritanischen Gemeinschaft, Benyamin Tsedaka, Ende Oktober zu einem Gastvortrag nach Innsbruck.
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Bild: Der Vortrag des Samariters im Haus der Begegnung war gut besucht. Foto: Ursula Schattner-Rieser

Die Samariter sind aufgrund des berühmten Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter im Neuen Testament in erster Linie durch ihren biblischen Kontext bekannt. Dass diese Glaubensgemeinschaft aber auch heute noch besteht und viele historische und religiöse Informationen und Traditionen wahrt, wissen die Wenigsten. Besonders interessant ist eine nähere Auseinandersetzung mit der Glaubensgemeinschaft der Samariter angesichts ihrer geografischen Verortung: Die nur 750 Mitglieder zählende Glaubensgemeinschaft lebt in Israel und Palästina, genauer gesagt in Tel Aviv und im Westjordanland und somit in einem Spannungsfeld zwischen Judentum, Christentum und Islam. Benyamin Tsedaka, internationaler Repräsentant der Samariter, schilderte in seinem Vortrag mit dem Titel „Die Samaritaner – Nachfahren des barmherzigen Samariters“ im Haus der Begegnung in Innsbruck das Leben der Glaubensgemeinschaft in diesem Schmelztiegel religiöser Gemeinschaften.

Brücke zwischen Wissenschaft, Religion und Politik

„Sein Detailwissen als Wissenschaftler und im gelebten Glauben ist nicht nur für das Judentum und Christentum eine wertvolle Quelle und Brücke zum besseren Verständnis, sondern auch für VertreterInnen anderer wissenschaftlicher Disziplinen wie Ethnologie, Anthropologie und Religionsgeschichte“, freut sich Univ.-Doz. Dr. Ursula Schattner-Rieser, die Organisatorin der Veranstaltung, über den Besuch des Samariters. Die Forscherin des Instituts für Bibelwissenschaften der Uni Innsbruck betonte in ihren einleitenden Worten die gesellschaftliche Relevanz der Samariter im Kontext der historischen Ereignisse und Spannungen in Israel und Palästina. Zwischen Juden, Christen und Muslimen leben die Samaritaner unter der spirituellen Führung ihres Hohepriesters ihr eigenes, religiöses Leben strikt nach dem Gesetz Moses. Benyamin Tsedaka beschrieb in seinem Vortrag unter anderem auch seine politische Einstellung im komplexen Kontext des Nahen Ostens und umriss das friedensstiftende Engagement seiner Gemeinschaft. Die Samaritaner bemühen sich aktiv um den Frieden und sehen ihre Glaubensstätten als Treffpunkt des interreligiösen Dialogs an.

Im Anschluss an den Vortrag wurden im bis zum letzten Platz gefüllten Saal des Hauses der Begegnung noch viele Fragen gestellt und angeregt diskutiert. Auf Einladung von Benyamin Tsedaka und dem Hohenpriester Aabed Cohen organisiert das Institut für Bibelwissenschaften im April nächsten Jahres eine Forschungsreise nach Israel, um die Glaubensgemeinschaft zu besuchen und weitere Forschungsarbeiten durchführen zu können.

(Univ.-Doz. Dr. habil. Ursula Schattner-Rieser)