Archäologen untersuchen mittelalterlichen Münzfund

Im Frühjahr 2009 fanden Hobbyarchäologen in Tulfes über 1.200 Silbermünzen: Wie sich herausstellt, ein mittelalterlicher Schatz. Diese Münzen wurden von der Oesterreichischen Nationalbank angekauft und werden von der Universität Innsbruck wissenschaftlich untersucht.
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Bild: Ein Teil der gefundenen Münzen.

Rund 1.200 Silbermünzen: Die Ausbeute zweier Hobbyarchäologen kann sich sehen lassen. „Diese Entdeckung war unglaubliches Glück, vor allem in einem Gebiet, wo Archäologen normalerweise nicht graben würden“, hält Hon.-Prof. DDr. Helmut Rizzolli, Lehrbeauftragter am Institut für Archäologien, Fachbereich Mittelalter- und Neuzeitarchäologie, fest. Tatsächlich wurde der Fund mitten im Wald gemacht, in einem Steilhang, wo die Münzen absichtlich versteckt worden sein müssen. Bei einer Pressekonferenz präsentierten die Forscher nun den Fund.

Aufwändige Untersuchung

Der nach ersten Schätzen um 1440 verborgene Schatz enthält ausschließlich silberne Kleinmünzen und keine Kreuzer – damit wirft der Fund ein einzigartiges Licht auf die Zustände und den alltäglichen Geldgebrauch in den späten Jahren der Regierung Herzog Friedrichs IV. von Österreich (1406-1439), genannt „Friedl mit der leeren Tasche“. Der Fund wurde von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) angekauft und der Universität Innsbruck zur wissenschaftlichen Aufarbeitung zur Verfügung gestellt.

„Für uns ist der Fund auch der Startschuss für die Einrichtung einer numismatischen Arbeitsgruppe“, erklärt Prof. Harald Stadler, Leiter des Instituts für Archäologien. Gegenstand der weiteren Forschung wird nun die genaue Altersbestimmung der Münzen und die Untersuchung ihrer Zusammensetzung sein; umgekehrt bieten die Münzen selbst wertvollen Einblick in die geldgeschichtliche Entwicklung Tirols. Der Fund war für mittelalterliche Verhältnisse übrigens durchaus stattlich: Er entspricht etwa 4 Dukaten, womit man um 1440 etwa 500 Liter Wein kaufen konnte. Die Archäologen hoffen auch, nähere Details über den ursprünglichen Besitzer ermitteln zu können – und vor allem, warum er den Schatz nie mehr gehoben hat.

Leihgabe der OeNB

Der Ankauf durch die OeNB und die Überlassung des Schatzes als Dauerleihgabe an das Institut für Archäologien ermöglichen es, diesen einmaligen Münzbestand mit neuen wissenschaftlichen Methoden eingehend zu studieren und den Studierenden Einblicke in ein Fundspektrum zu gewähren, das für die Mittelalterarchäologie von entscheidender Bedeutung ist. „Unser besonderer Dank gilt deshalb nicht zuletzt auch der Nationalbank“, betont Harald Stadler.

(sh)