Anker, Schleusen, Netze – Medien in der Datenflut

Am 20.11. fand bereits der 9. Medientag des interfakultären Forums innsbruck media studies (IMS) in der Aula statt. Die Veranstaltung, die in Kooperation mit den Veranstaltungspartnern Moser Holding und der APA stattfand, widmete sich dieses Jahr dem brisanten und zugleich sehr aktuellen Thema „Anker, Schleusen, Netze – Medien in die Datenflut“.
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Bild: v.l.: Patricio Hetfleisch (Chefredaktuer TT Online), Marcus Hebein (Stv. Chefredakteur der APA und Leiter von APA-Multimedia), Marian Adolf, Gabriele Starck (TT) und Sophie Karmasin.

„Mittlerweile ist die Veranstaltung ein fixer Bestandteil im Jahr, die ich außerdem sehr schätze, weil hier immer wieder aktuelle und wichtige Themen besprochen werden“, begrüßt Rektor Tilmann Märk bei der Eröffnung die Gäste.
Anhand von Vorträgen und Workshops wurde beim diesjährigen Medientag die Datenflut und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen thematisiert. „Das Thema betrifft uns alle, die Informationsflut ist zwar nicht neu, neu ist aber unter anderem die Quantität. Mittlerweile nutzen weltweit 2, 8 Milliarden Menschen aktiv das Internet. Täglich werden pro Minute weltweit mehr als 200 Millionen E-Mails verschickt, 72 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen, über 100.000 Tweets geschrieben, 920 neue Blogeinträge von Wordpress-Usern veröffentlicht und 240.000 Fotos auf Facebook gepostet.“, erklärt Theo Hug, Sprecher des Medienforums, die Aktualität und Brisanz des Themas. Was Medien mit den Menschen machen und was die Medien mit den Medien machen, muss nach Theo Hug neu ausgehandelt werden.

„Aspektreiches und prominent besetztes Programm“

Besonders die Veränderungen und der Wandel, die die Datenflut mit sich bringt, wurde dieses Jahr in den Fokus gerückt. Dass die Schleusen, durch die vormals selektiert wurde, mittlerweile geöffnet werden und Daten ungefiltert weitergegeben werden, machte Stefan Krempl (freier Autor, Berlin) in seinem Vortrag „Die NSA-Affäre und Wikileaks: Whistleblowing im vernetzten Medienzeitalter“ deutlich. Parallel zu seinem Vortrag beschäftigte sich der langjährige Profil-Journalist Emil Bobi mit „Existenzkrise Qualitätsjournalismus: Wie sich eine Säule der Demokratie selbst demontiert“, denn  für den Qualitätsjournalismus bedeutet die Datenflut einerseits eine große Chance andererseits auch ein enormes Risiko. Anhand von Beispielen konnten die Teilnehmer selbst aktiv auf diese Frage nach der Gefahr für den Journalismus eingehen.
Anschließend gab der Workshop von Andreas Wiesinger (Universitätsassistent im Fachbereich „Linguistische Medien- und Kommunikationswissenschaft“ an der Uni Innsbruck) einen Einblick in die Bedeutung des Social Web für die politische Kommunikation. Parallel dazu hatten die Teilnehmer beim Workshop von Andreas Aschaber (Experte für Geocaching) und Michaela Rizzolli (Dissertantin im Bereich Europäische Ethnologie) die Möglichkeit, zu Geocachern zu werden und sich auf eine „Schnitzeljagd“ quer durch das Hauptgebäude der Universität zu begeben. Dabei wurde der Spannungsbogen zwischen Datenproduktion und Datenselektion deutlich.
Den zweiten Teil eröffnete die Meinungsforscherin Sophie Karmasin mit ihrem Vortrag über die neuen Medien und beschäftigte sich dabei mit der Frage, was wir mit den neuen Medien machen und wie sehr sie uns durch die Beschleunigung, die sie mit sich bringen, beeinflusst haben. Im anschließenden Vortrag von Marian Adolf (Professor für Medienkultur, Zeppelin Universität) ging es um „Big Data“ und die Möglichkeiten aber auch Gefahren, die sich daraus ergeben. Dabei sollten die Zuhörer sensibilisiert werden auf Gefahren und Potenziale, die sich beim Kommunizieren im digitalen Zeitalter ergeben.
Zum Abschluss fand eine Podiumsdiskussion statt, moderiert von Gabriele Starck von der Tiroler Tageszeitung, bei der Marian Adolf, Sophie Karmasin, Patricio Hetfleisch (Chefredakteur TT Online) und Marcus Hebein (stellvertretender Chefredakteur der APA und Leiter von APA-MultiMedia) über die Frage diskutierten, wie sich Medien in der Datenflut behaupten können.
Für einen gelungenen Abschluss sorgte das Integrationshaus der Caritas Innsbruck, das mit Fingerfood aus aller Welt für das leibliche Wohl der Gäste sorgte und großen Anklang fand. Insgesamt folgten circa 120 Gäste der Einladung des interfakultären Medienforums zum diesjährigen Medientag.
Für alle Interessierten, die selbst nicht am Medientag dabei sein konnten, wird wie jedes Jahr wieder ein Sammelband zum Nachlesen erscheinen.

(Magdalena Maier und Carolin Braunhofer)