Regionalentwicklung für Südtirol

Die Arbeitsgruppe Regionalökonomik am Institut für Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte um Gottfried Tappeiner, Christoph Hauser, Sybille Puntscher und Janette Walde hat im Auftrag der Südtiroler Landesregierung die Diskussion um die Strategien im Rahmen der Europäischen Strukturfonds moderiert.
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Bild: Prof. Gottfried Tappeiner und Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder (Foto: LPA Bozen)

Das von der Arbeitsgruppe erstellte Planungsdokument „Regionale Entwicklungsstrategien 2014-2020“ wurde nun von der Südtiroler Landesregierung zum Abschluss ihrer Amtszeit verabschiedet und am 19. November von Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder und Prof. Gottfried Tappeiner in Bozen der Öffentlichkeit vorgestellt. „Um die Bürger und Bürgerinnen in die Neuausrichtung der Regionalentwicklung einzubeziehen und einen breiten Konsens zu erreichen, haben wir für dieses Dokument - nach einer Genehmigung in erster Lesung durch die Landesregierung im Sommer - ein öffentliches Konsultationsverfahren durchgeführt“, sagte Durnwalder. Die Landesregierung strebt mit dem Planungspapier eine ressortübergreifende Ausrichtung der Regionalentwicklung an, die der europäischen Marschroute Rechnung trägt. Das Strategiepapier sieht Entwicklungen durch eine dezentrale Industriepolitik, die Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum und die Umsetzung einer dezentralen Bildungspolitik auf Fachhochschulniveau vor.

Bildung und Innovation

Gottfried Tappeiner gab am vergangenen Diestag Einblick in die 25 Seiten umfassenden Entwicklungsstrategien. Er nannte die Stärkung der Peripherie, die Bildung, eine dezentrale Industriepolitik und die Innovation als vorrangige Aktionsfelder. „Um beispielsweise der Abwanderung vorzubeugen, muss die Lebensqualität in der Peripherie samt Dienstleistungen und Verkehrsanbindungen gewährleistet sein. Zudem ist auf ein vielfältiges Angebot an Arbeitsmöglichkeiten zu achten, das nicht nur auf die Landwirtschaft fokussiert ist“, so Tappeiner. „Kein Jugendlicher ohne Ausbildung“ ist hingegen eines der Ziele im Bildungsbereich, ebenso wie die Stärkung des Exports als Beschäftigungsfeld besonders für junge Frauen. Fortgesetzt werden soll auch die dezentrale Industriepolitik, dabei sollte die Frage, wie Forschungsleistung über Netzwerke in die Peripherie gebracht werden könne, besondere Beachtung finden, da es dabei auch um hochqualifizierte Arbeitsplätze gehe, erklärte Tappeiner. Was den Sektor Innovation angeht, berücksichtigt das Strategiepapier ein von Universität Bozen und Europäischer Akademie erarbeitetes Dokument, das sich für eine Bündelung der Ressourcen und eine Konzentration auf bestimmte Bereiche - wie Energie, grüne Technologie, nachhaltige Mobilität, Lebensmittel und Landwirtschaft, alpine Technologien - ausspricht. Als Querschnittsaufgabe bezeichnete Tappeiner das Voranbringen von Informations- und Kommunikationstechnologien, als Wettbewerbsvorteil, den es verstärkt zu nutzen gelte, die Mehrsprachigkeit.  

Gefragtes Know-how

„Die Zusammenarbeit zwischen Universität und Landesregierung ist ein gutes Beispiel dafür, wie neue Ergebnisse der Regionalforschung in den Bereichen Innovation, Humankapital und Sozialkapital in die gesellschaftliche Diskussion eingebracht und für Entscheidungsträger nutzbar gemacht werden können“, sagt Prof. Gottfried Tappeiner. Es ist nicht die erste Transferleistung dieser Art durch diese Arbeitsgruppe, sie hatte auch die Möglichkeit, ihr Know-how bei der Erstellung des Tiroler Wirtschaftsleitbilds und beim Strategiepapier für die Landwirtschaft in Nordtirol einzubringen.

(Christian Flatz)