Mathematik ist mehr als Rechnen

Kinder kreischen, jubeln und schreien. Mit leuchtenden Augen bauen sie Brücken, legen Puzzles und lassen sich von einer riesigen Seifenhaut einhüllen. Sie sind in einer Mathematikausstellung: „Mathematik zum Anfassen“ ist eine international äußerst erfolgreiche Ausstellung des Mathematikums Gießen, die eine neue Tür zur Mathematik öffnet.
mathematicum2013_400x306.jpg

Die Ausstellung wählt nicht den Weg über die mathematische Sprache - die ja für die meisten Menschen ein Horror ist -, sondern stellt den Besuchern interaktive Exponate zur Verfügung. Die Besucher können mathematische Phänomene direkt und unmittelbar erleben und erhalten so einen neuen Zugang zur Mathematik. Das bedeutet: Jeder ist selbst Forscher bzw. Forscherin. Alle Exponate zeigen sich von der spielerischen Seite. Beim Spielen beginnt aber auch der Kopf zu arbeiten: Warum ist das so? Die Kombination von spielerischem Erkunden und gedanklichem Problemlösen macht den Erfolg der Ausstellung aus.

Nach den erfolgreichen Ausstellungen „MATHE-Cool!“ und „Mathe x Spiel“ ist dies die dritte Ausstellung, die gemeinsam von der BHAK Innsbruck und dem Institut für Mathematik der Universität Innsbruck veranstaltet wird. Die BHAK Innsbruck stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, eine Projektgruppe organisiert die Ausstellung. Das Institut für Mathematik bildet über die Lehrveranstaltung „MATHE-Cool!“ Lehramtsstudierende für die Betreuung der Ausstellung aus. Weiters wird das Betreuungsteam von pensionierten Mathematiklehrern unterstützt.

Am 04.11. wurde die Ausstellung eröffnet. Die Ausstellung ist für drei Wochen für Schulklassen zugänglich, bereits zur Eröffnung ist die Ausstellung praktisch ausgebucht. Über 2000 Schülerinnen und Schüler aus über 100 Schulklassen aus ganz Tirol sind angemeldet.
Die Direktorin der HAK Innsbruck, Frau Mag. Sabine Wechselberger, betonte die einmalige und gute Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Universität, es gebe wohl kaum Vergleichbares, nämlich eine universitäre Einrichtung, die versucht, ihre Wissenschaft - die Mathematik - für Besucher jeden Alters fassbar, ja sogar anfassbar zu machen.
Univ.-Prof. Dr. Norbert Netzer vom Institut für Mathematik verwies auf die Beliebtheit von Rätselecken in Zeitschriften. Hier gebe es Anknüpfungspunkte, Menschen für die Mathematik zu begeistern.
Mathematik steckt überall drin. Dies zeigte beeindruckend Univ.-Prof. Dr. Markus Haltmeier, Vorstand des Instituts für Mathematik, in seinem Kurzvortrag „Die Mathematik hinter den Bildern“. Zusehends werden analoge Datenträger für Musik, Bilder und Filme durch digitale Datenträger ersetzt. Ein digitales Bild wird dabei als Anordnung von Zahlen (Grauwerte, Farbwerte) realisiert und am Computer gespreichert. Um Speicher zu sparen, wurden in den letzten Jahren Kompressionsalgorithmen entwickelt, die auf mathematischen Transformationen basieren. Mathematische Rekonstruktionsverfahren bilden auch den Grundbaustein der Computertomographie (CT). Derzeit wird am Innsbrucker Institut für Mathematik an der Entwicklung neuartiger Tomographieverfahren wie der photoakustischen Computertomographie geforscht.

Auch die anwesenden Vertreter der Schulbehörde, die Landesschulinspektoren HR Mag. Dr. Thomas Plankensteiner (AHS), Mag. Christoph Mayer (HAK) und DI Anton Lendl (HTL) zeigten sich von der Initiative der HAK Innsbruck und des Mathematikinstituts der Universität beeindruckt.

(Markus Paul)

Nach oben scrollen