Science and Religion Dialogue – Erfahrungsaustausch in Oxford

Von 5. bis 8. September organisierte das Ian Ramsey Centre der University of Oxford einen Workshop zur aktuellen Situation und Weiterentwicklung des Dialogs zwischen Naturwissenschaft und Religion in Lateinamerika. Dazu eingeladen wurde auch Georg Gasser, Mitarbeiter am Institut für Christliche Philosophie.
blog_oxford.jpg
Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops.

Die Bedeutung eines niveauvollen Erfahrungsaustauschs über eine angemessene Verhältnisbestimmung von Naturwissenschaft und Religion durch Experten ist unbestritten. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieses Thema von nicht zu unterschätzender gesellschaftlicher Relevanz ist, aber allzu oft in einseitige Pauschalverurteilungen abrutscht bzw. nicht klar zwischen wissenschaftlichen Befunden und persönlichen Bekenntnissen unterschieden wird. Erinnert sei etwa an die sogenannten Neuen Atheisten, die Religion grundsätzlich als irrational, latent gewalttätig und wissenschaftsfeindlich darstellen, oder an Gläubige, die einem von den Naturwissenschaften und von der säkularen Vernunft geprägten Weltbild ohne jegliche Diskursbereitschaft ablehnend gegenüberstehen.

International führende Institutionen wie die Universitäten in Oxford und Cambridge haben auf diese Entwicklungen reagiert. Mit dem Ian Ramsey Centre in Oxford und dem Faraday Institute in Cambridge wurden spezielle Institutionen geschaffen, in welchen sich Experten aus unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam mit gelingenden Bedingungen des interdisziplinären Dialogs ebenso beschäftigen, wie mit sinnvollen Kriterien der Weltdeutung durch die Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie.

Dieses Jahr wurde zum ersten Mal ein Workshop organisiert, der sich speziell mit der Situation in Südamerika auseinandersetzt. Aufgrund der wachsenden internationalen Bedeutung Lateinamerikas wird diese, bisher vor allem in den USA und in Europa geführte Diskussion, auch zunehmend in Ländern wie Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Chile virulent. Daher lud das Ian Ramsey Centre in Oxford Vertreter führender Institutionen zu diesem Thema aus Südamerika, den USA und Europa zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion der derzeitigen Sachlage ein.

Miteingeladen war auch das Institut für Christliche Philosophie als einzige Institution im deutschsprachigen Raum. Es ist international dafür bekannt, schwerpunktmäßig die rationalen Strukturen von Weltanschauungen, die Bedingungen des weltanschaulichen Dialogs und des gelingenden Austauschs von Naturwissenschaft und Religion zu erarbeiten.

„Es ist natürlich eine große Ehre, wenn das Ian Ramsey Centre sich an das Institut für Christliche Philosophie wendet und unsere Expertise zu diesem Thema schätzt. Schließlich waren aus Westeuropa nur noch Vertreter von Forschungsinstitutionen aus Pisa, Cambridge, Madrid und Navarra eingeladen worden“, erklärt Georg Gasser, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. „Es war für mich faszinierend zu sehen, wie rasch sich die universitäre Landschaft in Südamerika durch neue Universitätsgründungen und den stetigen Anstieg der Studierendenzahlen wandelt. Dies bringt natürlich vermehrt die Frage mit sich, wie religiös geprägte Gesellschaften mit Erkenntnissen der modernen Wissenschaften und säkularen Weltentwürfen umgehen und inwiefern die Integration eines religiösen und eines wissenschaftlichen Weltzugangs in ein einheitliches Weltbild gelingt. Eine erfreuliche Überraschung war, dass etliche Vertreter aus Südamerika unsere einschlägigen Arbeiten zu diesen Fragen kennen und auch rezipieren. Dies motiviert uns an diesen Fragen weiterzuarbeiten. Zudem ergeben sich neue Kooperations- und Anwendungsmöglichkeiten. Daher ist auch geplant, in den kommenden Jahren gemeinsame Forschungsprojekte mit Kollegen in Brasilien, Argentinien und Uruguay zu initiieren“, schließt Gasser seine Ausführungen.

(Institut für Christliche Philosophie)