Konferenz „The Ontological Commitments of Dispositionalism“ in Innsbruck

Vom 31. Juli bis zum 2. August 2013 fand in Innsbruck die Konferenz „The Ontological Commitments of Dispositionalism“ statt, organisiert im Rahmen des FWF-Projekts „Powers and the Identity of Agents“ des Instituts für christliche Philosophie.
ontological_commitments_of_dispositionalism_406x300.jpg
Bild: SprecherInnen und OrganisatorInnen der Konferenz (v.l.): Prof. Dr. Edmund Runggaldier (Innsbruck), Mag. Daniel Wehinger (Innsbruck), Dr. Rani Lill Anjum (Oslo/ Norwegen), Prof. Dr. Max Kistler (Paris/ Frankreich), Prof. Dr. Stephen Mumford (Nottingham/ UK), Dr. Anne Sophie Spann (Innsbruck), Dr. Jonathan Jacobs (St. Louis/ USA), Dr. Anna Marmodoro (Oxford/ UK), Professor Dr. John Heil (St. Louis/ USA), ao. Prof. Dr. Josef Quitterer (Innsbruck), Dr. Neil Williams (Buffalo/ USA).

In der philosophy of science war es lange Zeit üblich, Kausalität mit David Hume als bloße Kovarianz von Ereignissen aufzufassen und damit letzten Endes als heuristische Fiktion ohne tragfähiges fundamentum in re. Spätestens seit dem Aufkommen des sogenannten Dispositionalismus hat sich dies geändert: Eine stetig wachsende Zahl von Philosophen ist inzwischen überzeugt, dass die im Alltag selbstverständlich angenommenen kausalen Verknüpfungen nicht nur in unserem Kopf bestehen, sondern auch in Wirklichkeit. Dies impliziert, dass den Dingen gewisse Eigenschaften zukommen, die ihnen erlauben, kausal wirksam zu sein. Kausalität beruht, so meinen die Dispositionalisten, auf irreduziblen Dispositionen und Vermögen (powers) der Dinge – uns selbst eingeschlossen.

Doch welche ontologischen Verpflichtungen (ontological commitments) gehen mit der Annahme von powers einher? Was sind powers überhaupt, ontologisch betrachtet? Brauchen sie Substanzen als Träger? Gibt es echte makroskopische powers, oder sind die Vermögen und Dispositionen der vertrauten Objekte unserer Lebenswelt (Menschen, Kühe, Autos, Zuckerwürfel…) vollständig zurückführbar auf die powers der kleinsten Bestandteile der Welt (Moleküle, Elektronen, Quarks…)? Erlaubt der Dispositionalismus ein besseres Verständnis der Persistenz der Dinge und, wenn ja, was für eines?

Diese fundamentalen Fragen der aktuellen analytischen Metaphysik lockten Experten aus England, Frankreich, Norwegen und den USA nach Innsbruck zur Konferenz „The Ontological Commitments of Dispositionalism“, organisiert von Dr. Anne Sophie Spann und Mag. Daniel Wehinger. Es handelt sich bereits um die zweite Konferenz im Rahmen des von Prof. Dr. Edmund Runggaldier geleiteten FWF-Forschungsprojekts „Powers and the Identity of Agents“ am Institut für Christliche Philosophie. Hatte die erste Konferenz „Vermögen und Handlung. Der dispositionale Realismus und unser Selbstverständnis als Handelnde“ (26.-28.9.2012) sich darum bemüht, die Annahme irreduzibler Dispositionen und Vermögen für die Handlungstheorie fruchtbar zu machen, ermöglichte die aktuelle Tagung, die vom 31. Juli bis zum 2. August 2013 in Innsbruck stattfand, erstmals eine systematische Diskussion der metaphysischen Grundlagen des Dispositionalismus. Die Proceedings der ersten Konferenz werden im Frühjahr 2014 im Mentis Verlag erscheinen; eine Publikation der innovativen und kontrovers diskutierten Beiträge der zweiten Konferenz bei einem namhaften englischsprachigen Verlag ist ebenfalls in Planung.

(Anne Sophie Spann)