DolmetscherInnen übten sich bei Menschrechtskonferenz

Am 14. Juni fand am Institut für Translationswissenschaft die mehrsprachige, interdisziplinäre Konferenz „Tous les êtres humains – libres et égaux? Überlegungen zu den Menschenrechten“ statt. Die Vorträge in sechs Sprachen wurden von Studierenden gedolmetscht. Inhaltlich wurde das Thema aus juristischer, kulturwissenschaftlicher, politischer und theologischer Perspektive beleuchtet.
Das Institut für Translationswissenschaft organisiert jährlich eine Übungskonferenz, bei der Nachwuchsdolmetscherinnen und Dolmetscher ihr Können unter Beweis stellen.
Bild: Das Institut für Translationswissenschaft organisiert jährlich eine Übungskonferenz, bei der Nachwuchsdolmetscherinnen und Dolmetscher ihr Können unter Beweis stellen. Foto: Kathrin Antrak / pixelio.de

Auch dieses Jahr versammelten sich RednerInnen, ZuhörerInnen und natürlich DolmetscherInnen in der Dolmetschtrainingsanlage zur alljährlichen ganztägigen Übungskonferenz des Institutes für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck.
Zum Thema Tous les êtres humains – libres et égaux? Überlegungen zu den Menschenrechten wurden in der bis auf den letzten Platz besetzten Dolmetschtrainingsanlage (DTA) verschiedene Aspekte und Überlegungen zu den Menschenrechten dargelegt. Die Bandbreite der angesprochenen Themen reichte von der aktuellen Situation in Russland über die Lage von Flüchtlingen in Österreich bis hin zum Drogenhandel in Mexiko. Alle Vorträge wurden von den Studierenden simultan in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Spanisch gedolmetscht.

Nachdem sich um 08:15 Uhr alle OrganisatorInnen und DolmetscherInnen in der DTA eingefunden hatten, wurden die Räumlichkeiten für die bevorstehende Übungskonferenz vorbereitet. Stühle wurden gerückt, das Buffet – bestehend aus Leckereien, die die Studierenden mitgebracht hatten – aufgebaut und ein letzter „Soundcheck“ durchgeführt, damit einem reibungslosen Verlauf der Konferenz nach Möglichkeit keine technischen Pannen im Wege stehen würden.

Nach einer kurzen Einführung und Begrüßung der Moderatorin und Lehrenden am hiesigen Institut, Frau Mag. Hetzenauer, kam auch schon der erste Redner, Herr Mag. Dr. Josef Siegele, der allgemein in das Thema einführte, zu Wort. Als Generalsekretär des Europäischen Ombudsman-Instituts konnte Dr. Siegele seine Ausführungen mit Beispielen aus der Praxis untermauern und geizte auch sonst nicht mit guten Ratschlägen für die Studierenden. Anschließend sprach Herr MMag. Köll vom Russlandzentrum und legte die derzeitige Lage der Menschenrechte und Politik in Russland kritisch dar. Von Russland ging es weiter zur Elfenbeinküste: Der Redner – selbst Ivorer – Mag. Tan brachte den ZuschauerInnen sehr anschaulich die Gewissensbildung bzw. -vermittlung seines Volkes, der Brong, näher. Zur Veranschaulichung der traditionellen Kommunikation gehörte auch eine Aufnahme der sog. Trommelsprache. Als letzte Rednerin vor der Mittagspause sprach Frau Dott.ssa Marianna Orlandi, die derzeit an der Universität Padua und am Institut für Italienisches Recht der Universität Innsbruck promoviert, über Menschenrechtsverletzungen und -probleme bei Inhaftierungen und Haftstrafen in Europa.

Die darauf folgende einstündige Pause diente nicht nur dem leiblichen Wohl des Publikums und der Stärkung der DolmetscherInnen, sondern auch dem Austausch und Gespräch zwischen allen Mitwirkenden.

Durch einen kurzen französischen Videobeitrag zur Achtung der Menschenrechte bei bewaffneten Konflikten wurde der zweite Teil der Übungskonferenz eingeleitet. Es folgte eine weitere juristische Herausforderung für die DolmetscherInnen: Frau MMag. Steger, ebenfalls Doktorandin am Institut für Italienisches Recht, erklärte in ihrem Vortrag das Thema Staatenimmunität und Kriegsverbrechen, anhand des Urteils des Internationalen Gerichtshofs im Verfahren Deutschland gegen Italien. Danach sprach der Aktivist Mag. Alejandro Boucabeille (BA) über die aktuelle Lage in seinem Heimatland Mexiko. Der Redner konnte sich kaum bremsen, und die nachfolgende intensive Diskussion spiegelte das allgemeine Interesse am Thema wider. Einen würdigen Abschluss fand die Konferenz durch den Beitrag von Herrn Althaler – als Dolmetscher bei der Rechtsberatung der Diakonie-Flüchtlingshilfe engagiert und Studierender am Institut–, der das Leben einer Flüchtlingsfamilie in Österreich skizzierte, sowie einen englischen Videobeitrag zu Menschenrechtsverletzungen an Kindern, der konsekutiv gedolmetscht wurde.

Alles in allem war diese Konferenz eine gelungene Veranstaltung, die nicht nur dem Üben, sondern auch dem Nachdenken gewidmet war.

(Teresa Bachmaier, Elvira Iannone)