Erwerbsleben in Krisenzeiten

Mit der Zukunft der Sorge- und Versorgungswirtschaft beschäftigte sich die Schweizer Ökonomin Mascha Madörin am 23. und 24. Mai an der Universität Innsbruck und im Haus der Begegnung. Zu Workshop und Vortrag eingeladen hatte das Netzwerk Geschlechterforschung. Bereichert wurde die Veranstaltung durch einen Kommentar der Innsbrucker Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Eberharter.
V.l.: Erna Appelt, Mascha Madörin, Veronika Eberharter, Angelika Ritter Grepl
Bild: V.l.: Erna Appelt, Mascha Madörin, Veronika Eberharter, Angelika Ritter Grepl.

Wie könnte in Zukunft eine Sorge- und Versorgungswirtschaft organisiert sein, die für alle bezahlbar ist und gleichzeitig eine gute und gut bezahlte Arbeit ermöglicht – auch für Frauen? Eine Massengüterproduktion, die mehr als unsere Bedürfnisse deckt, gibt es ja schon... Wie denken wir uns den Sektor personenbezogener Dienstleistungen als Teil der gesamten Erwerbsarbeit? Welche Fragen stellen sich in Bezug auf die Gestaltung des Sozialstaates?

Ausgangspunkt des Referats waren die Verschiebungen der ökonomischen Debatten in Frauen- und Gendernetzwerken, von der Thematisierung der unbezahlten Arbeit der Frauen zur bezahlten und unbezahlten Care Ökonomie seit den 1990er Jahren. Es wurden Resultate der Forschung zur Sorge- und Versorgungswirtschaft in der Schweiz präsentiert und sich daraus ergebende Fragestellungen, welche die Zukunft der Erwerbsarbeit und die damit verbundenen Geschlechterverhältnisse betreffen. Zum andern dienten Überlegungen zu der These des US-Ökonomen William Baumol zum Auseinanderdriften der Arbeitsproduktivitäten in „reifen“ Volkswirtschaften als Grundlage, einige weitere Zukunftsfragen der gesellschaftlichen Organisation der Erwerbsarbeit, der unbezahlten Arbeit und der finanziellen Einkommen zu diskutieren. Diese Sicht konnte es ermöglichen, eine Analyse über ökonomische Zusammenhänge zwischen „Care Economy“ und „Green Economy“ zu entwickeln und die geschlechterpolitischen Lücken in den gegenwärtigen Debatten zur Green Economy zu erhellen.

Workshop mit Mascha Madörin am 24. Mai 2013

Nach einer kurzen Einleitung über die Schwierigkeiten, die politische und soziale Ökonomie von Care als Ausgangspunkt wirtschaftstheoretischer Überlegungen zu machen, wurde die Diskussion eröffnet. Nach einer Fragerunde zum Referat am Vortag, konzentrierten wir uns auf die Diskussion der Thesen zum Auseinanderdriften der Arbeitsproduktivitäten und der daraus folgenden wirtschaftspolitische Folgen. Nach der Pause diskutierten wir über Finanzpolitik und die Rolle des Staates in der Organisation der Care Ökonomie.

Zur Person Mascha Madörin

Mascha Madörin, 1946, ist Volkswirtin, lic.rer.pol, hat in Basel studiert. Unter anderem unterrichtete und forschte sie an der Universität Eduardo Mondlane in Mosambik, arbeitete viele Jahre in schweizerischen Nichtregierungsorganisationen zum Finanzsektor der Schweiz, den Beziehungen zum globalen Süden, zu Steuerflucht, Geldwäscherei und Finanzkrisen. Vor rund fünfundzwanzig Jahren begann sie freiberuflich über Aspekte feministischer Ökonomie zu arbeiten, insbesondere zu Gender Budgets. Während mehrerer Jahren unterrichtete sie als Ökonomie an einer Fachhochschule für Soziale Arbeit. Ein privates Forschungs-Sponsoring hat ihr ermöglicht, sich in den letzten sieben Jahren auf theoretische Fragen der feministischen Ökonomie und auf Analysen der Care Ökonomie in der Schweiz zu konzentrieren. Gegenwärtig hat sie sich speziell mit der Ökonomisierung des Gesundheitswesens aus der Sicht der Pflege befasst und unterrichtet u.a. an Fachhochschulen für Pflege. Sie gibt verschiedene Kurse zu Gesundheitsökonomie, zu feministischer Kritik der politischen Ökonomie, zu Makroökonomie und Gender, und zur Eurokrise.

Veranstaltet vom Verein Netzwerk Geschlechterforschung in Kooperation mit

• AEP – Frauenbibliothek Innsbruck
• AMS – Arbeitsmarktservice Tirol
• Büro für Gleichstellung und Gender Studies, Universität Innsbruck
• Fachbereich Frauen und Gleichstellung des Landes Tirol (JUFF)
• Frauen im Brennpunkt, Innsbruck
• Frauenreferat der Diözese Innsbruck
• Haus der Begegnung, Diözese Innsbruck
• Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Interfakultäre Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck
• Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck
• Netzwerk österreichische Frauen & Mädchenberatungsstellen
• Studienverlag, Innsbruck / Wien/ Bozen

(Marion Jarosch)