Zukunft Europas im Visier

Am 10. und 11. Mai 2013 fand an der Universität Innsbruck die Jahrestagung der Österreichischen Nationalökonomischen Gesellschaft (NOeG) statt. Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa präsentierten ihre neuesten Forschungsergebnisse. Die Tagung an der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik stand unter dem Generalthema „European Integration: Quo Vadis?“.
jahrestagung_noeg.jpg
Bild: Verleihung des „Young Economist Award“ an Martin Gächter & Aleksandra Riedl durch den Präsidenten der NOeG Prof. Manfred Nermuth.

Die europäische Integration hat seit den 1950er-Jahren die Länder Europas näher zusammenrücken lassen und mit der Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion eine neue Stufe erreicht. Durch die aktuelle Finanzkrise ist die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung aber in Frage gestellt. Bei der heurigen Jahrestagung wurden daher die Perspektiven der europäischen Integration aus volkswirtschaftlicher Sicht beleuchtet.

Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten

Mit Gianmarco Ottaviano (London School of Economics & Bocconi University) und Richard Baldwin (The Graduate Institute of International and Development Studies, Genf) konnten zwei herausragende Vertreter des Fachs für die „Keynote Lectures“ gewonnen werden. Baldwin skizzierte in seinem Vortrag, wohin die künftige Entwicklung Europas gehen könnte. Er sieht die Zukunft Europas in einer zunehmend flexibleren Form der Integration, d.h. in einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Auf diesem Weg könnten das hohe Integrationsniveau in der Währungsunion und die Erweiterung (z.B. um die übrigen Länder des Balkans) nebeneinander existieren. Ottaviano führte in seinem Beitrag aus, wie schwierig eine korrekte Messung der nationalen Produktion und Wertschöpfung für einen global organisierten Produktionsprozess ist. Eine ganze Reihe derzeit laufender Forschungsanstrengungen sollen zu einer besseren Datenbasis führen, die für die Analyse globaler Wertschöpfungsprozesse dringend gebraucht wird.

Wie viel Integration ist nötig?

Im Rahmen der Tagung fand auch eine öffentlich zugängliche Podiumsdiskussion zum Thema „Regionaler Wettbewerb in der EU – Anpassungsmechanismen und Strategien“ statt, die gemeinsam mit dem MCI Management Center Innsbruck organisiert wurde. Bei dieser Diskussion zeigten sich die unterschiedlichen Sichtweisen zum europäischen Integrationsprozess ganz deutlich. Während Christian Keuschnigg (Institut für Höhere Studien und Universität St. Gallen) das Subsidiaritätsprinzip als nach wie vor wichtigen Wert innerhalb der EU herausstrich, betonten Eva Lichtenberger (Europäisches Parlament) und Gottfried Tappeiner (Universität Innsbruck) die Notwendigkeit einer zunehmenden Vergemeinschaftung der nationalen Politik. Immer mehr Politikbereiche bedürften einer supranationalen Regelung, um effektive Lösungen zu erzielen. Für Fritz Breuss (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) ist die Politische Union das eigentlich anzustrebende Ziel, das aus nationalen politischen Gründen allerdings nicht erreicht werden wird.

Young Economist Award

Ein besonderer Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des „Young Economist Award“ für die besten eingereichten Papiere von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern unter 35 Jahren. Dieser von der Oesterreichischen Nationalbank finanzierte Preis wird traditionell im Rahmen der Jahrestagung der NOeG verliehen. Die folgenden Papiere wurden heuer ausgezeichnet:

  • Martin Huber & Giovanni Mellace, Testing instrument validity for LATE identification based on inequality moment constraints (beide Universität St. Gallen)
  • Anja Breitwieser & Katharina Wick, What We Miss By Missing Data: Aid Effectiveness Revisited (beide Universität Wien)
  • Martin Gächter & Aleksandra Riedl, Does the ECB synchronize Business Cycles? (beide Oestereichische Nationalbank)

(red)