Frankreich, USA, Russland: Nicht Kulturunterschiede, sondern verschiedene „grammars of commonality“

Mitte April war der berühmte französische Soziologe Laurent Thévenot in Innsbruck; er hielt im Rahmen eines Workshops des Arbeitsbereichs für Personal und Arbeit einen Vortrag unter dem Titel „At odds with globalization, various constructions of commonalities and differences. US, France and Russia beyond culturalism“. Hauptsponsor des Workshops war der Frankreichschwerpunkt.
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Bild: Prof. Laurent Thévenot während seines Vortrags.

Im Rahmen eines Workshops des Arbeitsbereichs für Personal und Arbeit (Prof. Julia Brandl) zum Thema des französischen Konventionalismus kam Mitte April der berühmte französische Soziologe Laurent Thévenot nach Innsbruck. Für den Frankreich-Schwerpunkt, der als Haupt-Sponsor des Workshops fungierte, hielt er einen Vortrag (in englischer Sprache) unter dem Titel „At odds with globalization, various constructions of commonalities and differences. US, France and Russia beyond culturalism“. Der Autor von „De la justification“ und Mitbegründer der Strömung der „économie des conventions“ (conventionalism) sprach davon, wie die Soziologie die intime Erfahrung des Individuums berücksichtigen muss und zu erklären berufen ist, wie diese intime Erfahrung in etwas Soziales, anderen Mitteilbares transformiert werden kann. Anekdoten, die in gängiger Weise über interkulturelle Unterschiede erklärt werden würde, deutet er lieber über die verschiedenen Zugänge zu dieser Transformation, die verschiedenen Arten des Zusammen- und Eine-Gesellschaft-Seins, und er zeigte auf, wie es durchaus unterschiedliche „grammars of commonality“ geben kann. Sein methodischer Zugang erfolgt über die Kooperation von Soziologen aus den verschiedensten Kulturen (Russland, USA, Frankreich), die sich gegenseitig die jeweilige Fremd- (und für den anderen Eigen-)Kultur erklären: Also ein russischer Soziologe erklärt einem französischen Frankreich, ein französischer Soziologe erklärt einem amerikanischen Amerika etc. Aus den Erklärungskonflikten, die sich daraus ergeben, entsteht eine intensive Erkenntnisdynamik.

(Eva Lavric)