Liechtenstein-Preis vergeben

Am 9. April wurde in Innsbruck der Preis des Fürstentums Liechtenstein für wissenschaftliche Forschung an den Innsbrucker Universitäten feierlich überreicht: Jeweils 4.000 Euro gehen an assoz. Prof. PD Dr. Michael Kirchler und Mag. Dr. Albert Kaufmann von der Universität Innsbruck sowie an ao. Univ.-Prof.in Elfriede Ruttmann-Ulmer von der Medizinischen Universität Innsbruck.
V.l.: Die heurigen Liechtenstein-PreisträgerInnen: Michael Kirchler, Elfriede Ruttmann-Ulmer und Albert Kaufmann.
Bild: V.l.: Die heurigen Liechtenstein-PreisträgerInnen: Michael Kirchler, Elfriede Ruttmann-Ulmer und Albert Kaufmann.

Der seit 1983 jährlich verliehene Preis des Fürstentums Liechtenstein zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für wissenschaftliche Forschung an der Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität Innsbruck. „Die Preisverleihung ist Ausdruck der Anerkennung der an den Innsbrucker Universitäten erbrachten wissenschaftlichen Arbeiten“, sagte der Liechtensteinische Schulamtsleiter Arnold Kind bei der feierlichen Verleihung in Innsbruck und hob hervor, dass man angesichts der Größe des Fürstenstums im Bereich Bildung und Forschung auf gute Kooperation und Wohlwollen angewiesen sei. Arnold Kind gratulierte der Preisträgerin und den beiden Preisträgern im Namen der Liechtensteinischen Regierung zu ihren hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen. „Wir danken dem Fürstentum Liechtenstein für die Unterstützung unserer jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, hält Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, fest. „Dieser Preis hilft uns dabei, entsprechende Anerkennung und Wertschätzung für deren herausragende Leistungen zu signalisieren.“ Günther Sperk, Vizerektor für Forschung der Medizinischen Universität Innsbruck, betonte: „Diese Auszeichnung hat natürlich ihren finanziellen Wert, der ideelle Wert ist für die Preisträger aber ungleich höher.“

Turbulenzen auf den Finanzmärkten

Mit den aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten beschäftigt sich Preisträger Michael Kirchler vom Institut für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck. Ihm geht es darum, mehr über die Ursachen dieser Markt-Ineffizienzen zu erfahren. In experimentellen Labormärkten konnte gezeigt werden, dass ein Grund für Preisblasen die Konfusion bzw. das Unwissen der Marktteilnehmer über die Fundamentaldaten der gehandelten Unternehmen ist. In diesem Fall können die Marktpreise weit über fundamental gerechtfertigte Werte ansteigen, um dann plötzlich stark nach unten zu crashen. Das Resultat sind große Vermögensumschichtungen, Marktineffizienzen und Wohlfahrtsverluste.

Assoz. Prof. Michael Kirchler wurde 1977 in Hall in Tirol geboren. Nach dem Abschluss der Handelsakademie studiert er an der Universität Innsbruck Wirtschaftspädagogik. Nach dem Diplomstudium absolvierte er das Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und promovierte 2006. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter kam er in dieser Zeit an das Institut für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck, wo er 2010 zunächst Assistenzprofessor und nach seiner Habilitation in Betriebswirtschaftslehre im Jahr 2011 assoziierter Professor wurde. Kirchler ist Leiter des Forschungszentrums „Financial Markets and Risk“ an der Universität Innsbruck. Seit 2009 ist er auch Visiting Professor am Centre for Finance der Universität Göteborg in Schweden. Michael Kirchler wurde bereits mehrfach mit Förderungen und Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wissenschaftspreis der Wirtschaftskammer Tirol, dem Theodor-Körner-Preis für Wissenschaft und Kunst und einem FWF-Projekt zu den ökonomischen Auswirkungen einer Tobin Tax.

Arbeitsrecht in Liechtenstein

Der Wirtschaftsjurist Albert Kaufmann erhält den Liechtensteinpreis für seine Dissertation „Die Kündigung des Arbeitsvertrages nach liechtensteinischem Recht unter besonderer Berücksichtigung des Kündigungsschutzes“. Zu Beginn der Arbeit thematisiert er die Eigenart sowie Systematik des liechtensteinischen Arbeitsrechts, indem er insbesondere auf die Rezeption des schweizerischen Arbeitsvertragsrechts eingeht, gleichzeitig aber auch aufzeigt, dass sich das liechtensteinische Arbeitsrecht infolge des EWR-rechtlichen Einflusses von seiner schweizerischen Vorlage in einigen Punkten doch deutlich unterscheidet. Nach einer Analyse der Einflussnahme des österreichischen ABGB beschäftigt sich die Arbeit eingehend mit der ordentlichen und außerordentlichen Kündigung sowie dem Kündigungsschutz. Einen Schwerpunkt bilden dabei der sachliche sowie der zeitliche Kündigungsschutz, welche einer kritischen Beleuchtung unterzogen werden, indem unter anderem aufgezeigt wird, dass vergleichsweise fortschrittliche Regelungen des liechtensteinischen Arbeitsrechts in der Praxis teilweise ins Leere laufen. Aufgrund der Tatsache, dass nahezu keine Literatur zum liechtensteinischen Arbeitsvertragsrecht existiert, füllt diese Arbeit eine große Lücke in der theoretischen und praktischen Aufarbeitung des liechtensteinischen Rechts.

Mag. Dr. Albert Kaufmann, geboren 1984, studierte Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck und schloss das Diplomstudium im Jahr 2008 ab. Nach diversen Praktika und der studienbegleitenden Tätigkeit in einer österreichischen Steuerberatungskanzlei begann Albert Kaufmann im Jahr 2008 seine berufliche Laufbahn als Wirtschaftsjurist in der Rechtsabteilung eines internationalen Konzerns. Im Jahr 2009 nahm er berufsbegleitend das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck auf und begann seine Tätigkeit als juristischer Mitarbeiter in einer führenden liechtensteinischen Rechtsanwaltskanzlei. Seit der Promotion zum Doctor iuris im Jahr 2011 ist Albert Kaufmann als juristischer Mitarbeiter bei der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein tätig.

Bypass-Operationen

Die rechte innere Brustwandarterie ist das am besten geeignete Gefäß für eine Bypass-Operation. Zu diesem Schluss kommt ao. Univ.-Prof.in Elfriede Ruttmann-Ulmer von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Herzchirurgie in ihrer im anerkannten Wissenschaftsmagazin Circulation veröffentlichten und nun mit dem Liechtensteinpreis ausgezeichneten Verlaufsstudie. Werden im Rahmen einer Operation mehrere Bypässe gelegt, so verwendet man für die wichtigste Gefäßstrecke am Herz heute in der Regel zwar eine Arterie – meist die innere Brustwandarterie –, jedoch Venen für die übrigen Bypässe, obwohl arterielle Gefäße definitiv bessere Langzeitergebnisse zeigen. Die Verwendung der zweiten inneren Brustwandarterie fand aufgrund der aufwändigeren chirurgischen Technik und befürchteter Wundheilungsstörungen im Gegensatz zur Unterarm-Arterie bislang jedoch wenig Absatz für die Überbrückung erkrankter Herzkranzarterien. Im Rahmen der an der Innsbrucker Herzchirurgie untersuchten Fallserie zeigte sich schließlich an 1001 PatientInnen, die sich einer Bypass-Operation unterzogen hatten, dass die innere Brustwandarterie hinsichtlich Komplikationen und Sterblichkeit signifikant besser abschneidet als die weltweit am häufigsten eingesetzte Unterarmarterie (Radialis). „Im Vergleich zur Radialis-Gruppe traten in der Innsbrucker Kohorte auch keine vermehrten Wundheilungsstörungen nach Entfernung der zweiten inneren Brustwandarterie auf, was wohl auf die spezielle Präparation der Brustwandarterien zurückzuführen ist“, erklärt Prof.in Ruttmann-Ulmer die weitreichende Erkenntnis.

Ao. Univ.-Prof.in Elfriede Ruttmann-Ulmer wurde 1976 in Linz geboren und studierte an der Universität Innsbruck Medizin. Die Chirurgin habilitierte 2006 im Alter von nur 29 Jahren im Sonderfach Chirurgie und ist seit 2009 auch Fachärztin für Herzchirurgie. Die Autorin von mehr als 50 Originalarbeiten ist Trägerin des Theodor-Billroth-Preises und des Anton von Eiselsberg-Preises der Van Swieten Gesellschaft. In ihrer Forschung fokussiert sie auf die Behandlung atherosklerotischer und cardiovaskulärer Erkrankungen bzw. auf transplantationschirurgische Aspekte.

(sh)