Wetterextreme beschleunigen Klimawandel

Kohlenstoffkreisläufe sind ein wesentlicher Faktor im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Vergangene Woche trugen 160 internationale Forscher ihre Ergebnisse in einer groß angelegten „Open Science Conference“ in Seefeldzusammen. Einige der präsentierten Studien legen nahe, dass extreme Wetterereignisse die Kohlenstoffbilanz beeinflussen und dadurch den Klimawandel beschleunigen.
Open Science Conference Seefeld
Bild: Von 2. bis 5. April trafen sich an die 160 internationale ForscherInnen aus verschiedensten Fachrichtungen bei der Open Science Conference zum Erfahrungsaustausch.

Welchen Einfluss haben Klimaextreme wie Hitzewellen, Dürren, Eis-Stürme und Hurrikane auf die Kohlenstoffkreisläufe in Ökosystemen, und wie wirken sich aus der Balance geratene Kreisläufe wiederum auf unser Klima aus? – Diese Fragen diskutieren 160 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 20 Ländern im Rahmen der Open Science Conference on Climate Extremes and Biogeochemical Cycles in the Terrestrial Biosphere: impacts and feedbacks across scales vom 2. bis 5. April in Seefeld. Gastgeberin dieser hochaktuellen wissenschaftlichen Klimakonferenz ist die Universität Innsbruck. Organisator ist Assoz. Prof. Michael Bahn vom Institut für Ökologie, der selbst seit vielen Jahren die Kohlenstoffdynamik in alpinen Ökosystemen erforscht, und der die Veranstaltung gemeinsam mit Dr. Markus Reichstein, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, ausrichtet.

Risikofaktor Dürre

Steigende atmosphärische Treibhausgaskonzentrationen führen nicht nur zur globalen Erwärmung sondern auch zu stärkeren Klimaschwankungen und extremen Wetterereignissen. In den ersten 10 Jahren des 21. Jahrhunderts traten auf der ganz Welt außergewöhnlich viele Hitzewellen mit nie zuvor verzeichneten Rekordtemperaturen auf, diezahlreiche Todesopfer forderten und zu hohen Ernteausfällen und großflächigen Waldbränden führten.
Die immense Bedeutung derartiger Klimaereignisse auf die CO2-Balance erkannten Wissenschaftler im Jahr 2003 nach der großen Hitzewelle in Zentral- und Südeuropa. Ausgelöst durch die wochenlang vorherrschende Ausnahmesituation verloren die Landökosysteme so viel Kohlendioxid wie sie in den vorhergehenden vier Jahre bei normalen Wetterbedingungen absorbiert hatten. Aber nicht nur langanhaltende Dürren, sondern auch ausdauernde Regenfälle und Stürme beeinflussen Struktur, Zusammensetzung und das Funktionieren von terrestrischen Ökosystemen.
Eine Reihe aktueller Studien zeigt nun, dass sich extreme Wetterereignissse dramatisch auf die CO2-Bilanz der terrestrischen Biosphäre auswirken, und dies den Klimawandel stark beschleunigt. „Daten zeigen, dass extreme Änderung im Wasserkreislauf, insbesondere Dürren, einen zentralen Risikofaktor für die CO2-Bilanz in weiten Teilen Europas darstellen. Die stärksten, vielfältigsten und langfristigsten Effekte werden für die Wälder erwartet“, berichtet Michael Bahn, der an mehreren Großprojekten, darunter auch am EU-Projekt CARBO-Extreme, maßgeblich beteiligt ist. In den Augen der Veranstalter bringt die Zusammenschau der unterschiedlichen experimentellen und modellbasierten Erkenntnisse im Rahmen der Konferenz einen entscheidenden Mehrwert: „Wir versprechen uns eine Weiterentwicklung von Forschungsansätzen und eine Verbesserung der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen“, sind sich Bahn und Reichstein einig.

Die Konferenz „Open Science Conference on Climate Extremes and Biogeochemical Cycles in the Terrestrial Biosphere findet im Rahmen des FP7 geförderten EU-Projekts CARBO-Extreme, des US-ansässigen Netzwerks INTERFACE und der internationalen Forschungsinitiative iLEAPS, gefördert durch das Internationale Geosphären-Biosphären Programm, statt. Das CARBO-Extreme Projekt analysiert die Auswirkungen von Klimaextremen auf den terrestrischen Kohlenstoffhaushalt und wird am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena koordiniert. Die Universität Innsbruck ist Projektpartner und richtet die Konferenz in Österreich aus.

(ef)