Fortschritte im Bodenschutz

Mit der Herausgabe einer neuen ÖNORM, die die vielfältigen Funktionen von Böden in den Mittelpunkt rückt, nimmt Österreich europaweit eine Vorreiterrolle in Sachen Bodenschutz ein. Begleitend zur Norm erschien ein Leitfaden zu deren praktischer Umsetzung. Clemens Geitner vom Institut für Geographie brachte seine langjährige wissenschaftliche Expertise in beide Schriftstücke ein.
Braunerde
Bild: Braunerde, pseudovergleyt, aus Schiefer, Hanglage, 1280 m ü.M., stark beweidet, Brixenbachtal (Foto: C.Geitner)

Am 19. Februar wurde im Lebensministerium ein Leitfaden zur Bodenfunktionsbewertung präsentiert. Die Publikation steht in engem Zusammenhang mit der ÖNORM L 1076 „Grundlagen zur Bodenfunktionsbewertung“, die methodische Standards definiert und in diesen Tagen erscheint. Mit dieser Norm hat Österreich europaweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Beiden Schriftstücken ging eine über zwei Jahre andauernde Arbeit der gemeinsamen Arbeitsgruppe des Fachbeirats für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz im Lebensministerium und des Österreichischen Normungsinstituts voraus.

Bewusstsein für Schutzgut Boden

Von Seiten der Universität Innsbruck wurde Ass.-Prof. Dr. Clemens Geitner vom Institut für Geographie für dieses Gremium angefragt. In seiner Arbeitsgruppe „Boden und Landschaftsökologie“ werden seit nunmehr 10 Jahren Projekte zur Bodenfunktionsbewertung durchgeführt, gefördert von der EU (alpine space), vom FWF und der Stadt München. „Bei allen Projekten ging es auch darum, den Stellenwert des Schutzguts Boden in Entscheidungsprozessen deutlich zu verbessern“, so Geitner. „Der Boden kann nur nachhaltig geschützt werden, wenn er wie andere Schutzgüter im planerischen Abwägungsprozess ernst genommen wird.“
Wie essentiell der Schutz des Bodens ist, liegt auf der Hand, auch wenn dies im öffentlichen Bewusstsein kaum verankert ist. Der Druck auf diese nicht erneuerbare Ressource ist enorm; in Österreich liegt der tägliche Flächenverbrauch zurzeit bei rund 20 Hektar, der Zielwert der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie liegt bei 10 bis 20 Prozent der aktuellen Werte. Aber auch ein nicht versiegelter Boden ist zahlreichen Gefährdungen ausgesetzt, sei es durch Kontamination, Verdichtung oder Humusverlust. Im Gebirgsraum spielt zusätzlich die Erosion eine wichtige Rolle. Dementsprechend finden sich in dem Bodenprotokoll der Alpenkonvention umfassende und klar formulierte Forderungen im Umgang mit der Ressource Boden, deren Umsetzung allerdings sehr zu wünschen übrig lässt.

Ökologische Leistungen

Eine moderne, ökologisch ausgerichtete Sichtweise betrachtet den Boden nicht mehr nur als Produktionsgrundlage für die Land- und Forstwirtschaft. Es wird vielmehr die Vielfalt seiner Funktionen berücksichtigt, z.B. als Wasserspeicher zur Vermeidung von Hochwässern, als Filter für sauberes Grundwasser oder als Lebensraum zur Erhaltung der Biodiversität. „Unsere Aufgabe besteht darin, diese oft vernachlässigten ökologischen Leistungen der Böden möglichst auf Grundlage vorhandener Daten differenziert zu bewerten und so zu vermitteln, dass sie gegenüber anderen Interessen und Werten argumentierbar werden. Dabei ist man als WissenschaftlerIn nicht nur mit den Böden bzw. Bodendaten befasst, sondern immer auch in den Kommunikationsprozess mit Planern und Entscheidungsträgern eingebunden; in dieser inter- und transdisziplinären Kooperation liegt ein zusätzlicher Reiz!“

Bodenkundliche Baubegleitung

Die aktuellen österreichischen Initiativen zum Thema Bodenbewertung und Bodenschutz wurden am 5. und 6. März in der Bayerischen Naturschutzakademie in Laufen bei einem internationalen ExpertInnentreffen vorgestellt. Im Zentrum der Diskussion stand dort die sogenannte „Bodenkundliche Baubegleitung“. Diese stellt einen sehr konkreten, lokalen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung dar. Größere Bau- und Infrastrukturprojekte sollen aus bodenkundlicher Sicht auf weniger problematische Bereiche gelenkt werden. Zudem werden während der Bauphase die Schädigungen des Bodens durch bestimmte Maßnahmen möglichst gering gehalten, so dass die nicht bebauten Parzellen am Ende beispielsweise den LandwirtInnen in einem guten Zustand wieder übergeben werden können. – Der Workshop war für alles sehr motivierend. Die etwa 70 VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und (Planungs-)Praxis kamen überein, aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen und grenzüberschreitend weiter an Lösungen zu arbeiten. Zur Orientierung – auch in Bezug auf die entsprechende Ausbildung – kann die Schweiz als Vorbild dienen, die vor etwa zehn Jahren ExpertInnen dazu ausbildet und in der Praxis einsetzt. „Wo fruchtbare Böden knapp sind und die Flächen unter enormen Nutzungsdruck stehen wie in den Alpen, sitzen wir mit den Schweizer KollegInnen in einem Boot und können von ihren soliden Vorarbeiten lernen. Das trifft übrigens auch für Baumaßnahmen im Bereich der schwer regenerierbaren Ökosysteme des Hochgebirges zu. Auch dafür gibt es aus der Schweiz beeindruckende Beispiele“, so Geitner abschließend.

(Clemens Geitner/red)