Innsbrucks Strukturbiologen kooperieren

Durch den Beitritt Österreichs zur europäischen Strukturbiologen-Initiative „Instruct“ erhoffen sich Innsbrucks Universitäten neue Forschungsmöglichkeiten. In einem Workshop Anfang März haben sich Strukturbiologinnen und Strukturbiologen beider Universitäten ausgetauscht und die gemeinsame Zusammenarbeit gestärkt.
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Bild: Der Workshop "Biostruct@Innsbruck 2013" war der Startschuss für engere Kooperationen.

Die Strukturbiologie ist eine Teildisziplin der molekularen Biowissenschaften. Sie befasst sich mit der dreidimensionalen Architektur von biologischen Makromolekülen und deren Funktionsweise. Indem man zum Beispiel die Struktur von defekten Proteinen kennt, können Medikamente entwickelt werden, die direkt an den Strukturen angreifen und deshalb effektiver sein können.
Ein Schwerpunkt der Universität Innsbruck im Bereich der Strukturbiologie ist die Erforschung von biomolekularer Dynamik durch Computersimulationen und Kernresonanzspektroskopie sowie biomolekulare Massenspektroskopie. Mit der Berufung von Klaus Scheffzek zum Leiter der Sektion für Biologische Chemie im Jahr 2011 hat die Medizinische Universität Innsbruck ihr Engagement auf dem Gebiet der Strukturbiologie unterstrichen.

Forschungsschwerpunkte zusammengeführt

Klaus Scheffzek hat gemeinsam mit Klaus Liedl und Theresia Dunzendorfer-Matt von der Universität Innsbruck zum Workshop „Biostruct@Innsbruck 201“ eingeladen. Dabei referierten und diskutierten Forscherinnen und Forscher aus Arbeitsgruppen beider Innsbrucker Universitäten über ihre Forschungsprojekte mit strukturbiologisch relevanten Themen. Außerdem wurde für die Strukturanalyse zentrales und peripheres Equipment vorgestellt und dessen jeweiliger Standort auf dem Campus Innsbruck bekannt gegeben.
Der Workshop wurde durch eine Reihe von international renommierten Expertinnen und Experten, wie Vladimir Yarov-Yarovoy von der UC Davis (USA) oder Ilme Schlichting vom Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung (Heidelberg) wissenschaftlich aufgewertet. In von aktueller Forschung geprägten Übersichtsvorträgen wurden neue Entwicklungen aufgezeigt. Mit spannenden Einblicken in die Struktur der zellulären Proteinabbau-Maschinerie setzte Wolfgang Baumeister, seit 1988 Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Biochemie (München), den Schlusspunkt unter den wissenschaftlichen Teil des mit rund 60 Teilnehmern sehr gut besuchten Workshops.
Der Workshop und seine interessanten Beiträge sind der Beweis dafür, dass sich in Innsbruck eine starke Gemeinschaft von Strukturbiologinnen und -biologen zusammengefunden hat. Das Centrum für Chemie und Biomedizin (CCB) hat nicht zuletzt durch die architektonische Nachbarschaft dazu beigetragen, dass Gruppen vom Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck und vom Forschungszentrum für Molekulare Biowissenschaften der Universität Innsbruck miteinander in Kontakt getreten sind und sich gegenseitig unterstützen.

Internationale Zusammenarbeit

Für die Erforschung von biologischen Makromolekülen werden technisch komplexe und kostspielige Hochtechnologie-Plattformen, wie zum Beispiel Neutronenquellen oder Elektronenmikroskope, benötigt. Das Ziel der europäischen Strukturbiologen-Initiative „Instruct“ ist eine europaweite Vernetzung strukturbiologischer Forschung.
Durch die notwendige landesweite Teilnahme böte sich die attraktive Möglichkeit, auch kleineren Instituten und Forschungsgruppen aus Österreich den Zugang zu solchen nur an wenigen Standorten verfügbaren Einrichtungen zu ermöglichen. Außerdem würde die Entwicklung neuer multidisziplinärer Zugänge zu strukturbiologischen Problemstellungen gefördert werden.

(Doris Heidegger/Christian Flatz)