Enkel erzählt Familiengeschichte

Christopher Lehmann-Haupt, Enkel des früheren Professors für Alte Geschichte, Carl Friedrich Lehmann-Haupt, war in dieser Woche zu Gast an der Universität Innsbruck. Der ehemalige New York Times-Journalist berichtete am Montag im American Corner über seine Arbeit und referierte am Dienstag über das Leben seiner Vorfahren in Europa.
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Bild: Christopher Lehmann-Haupt an der Universität Innsbruck

Nach einer Gedenkfeier für den kürzlich verstorbenen Althistoriker Günther Lorenz sprach Christopher Lehmann-Haupt am Dienstagabend im Archäologischen Museum über seinen Großvater Carl Friedrich Lehmann-Haupt und dessen Vorfahren. Es war ein Artikel von Günther Lorenz über den früheren Innsbrucker Althistoriker, den der amerikanische Journalist zum Ausgangspunkt seines Referats nahm. Er zeigte dann einen kurzen Film aus dem Jahr 1931, in dem die Familie Lehmann-Haupt auf der Vogelhütte in Igls zu sehen ist. Auch einige Fotos aus dieser Zeit hatte Lehmann-Haupt mitgebracht. Der 78-Jährige ging weit in der Familiegeschichte zurück und schilderte die einzelnen Schicksale seiner jüdischen Vorfahren. Viele hatten die deutschen Lande in Richtung Paris, London oder den USA verlassen, einige blieben zurück. So auch die direkten Vorfahren von Lehmann-Haupt. Der Journalist schilderte dann Details der Lebensgeschichte seines Großvaters, die er aus eigenen persönlichen Erinnerungen und verschiedenen Dokumenten rekonstruieren konnte.

Carl Friedrich Lehmann-Haupt war bereits 57 Jahre alt, als er 1918 den Ruf nach Innsbruck annahm; er konnte eine breite Palette an Fachpublikationen vorweisen, darunter etwa Arbeiten zu historischen Maßen und Gewichten sowie zu interkulturellen Kontakten des ostmediterranen Raumes. Als bedeutendster Forschungsbeitrag Lehmann-Haupts gilt heute aber die Publikation der Denkmäler und Inschriften der Urartäer. 1932 wurde Lehmann-Haupt in den Ruhestand versetzt, bis 1936 hielt er noch Vorlesungen in Innsbruck. Den Anschluss Österreichs an Deutschland begrüßte der deutschnational eingestellte Wissenschaftler. Kurz darauf er erlag er am 24. Juli 1938 Lehmann-Haupt einem Herzleiden, seine Frau folgte ihm wenige Monate später, nach den Novemberpogromen 1938, freiwillig in den Tod.

Vortragsreihe zur Erinnerung

Um den Menschen Carl Friedrich Lehmann-Haupt und seine Verdienste wieder in Erinnerung zu rufen, findet in diesem Jahr und bis Januar 2014 eine Vortragsreihe in Innsbruck statt. Der nächste Vortrag ist am 16. April um 18:00 im Archäologischen Museum geplant. Dann wird Prof. Stefan Kroll über die ersten archäologischen Forschungen in Urartu durch Carl Friedrich Lehmann-Haupt sprechen.

(Christian Flatz)