Ausbildungsstätte für Sprachendidaktik feierte

Am 12. Dezember feierte das Institut für Fachdidaktik, Bereich Didaktik der Sprachen, das zehnjährige Jubiläum der Verleihung des „Europasiegels für innovative Sprachenprojekte 2002“ an das Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik (IMoF).
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Bild: IMoF

„Mit IMoF als multiplem innovativen Fremdsprachendidaktikmodell verweist die Universität Innsbruck in der aktuellen Debatte über die PädagogInnenbildung auf den immer wieder geforderten Professionalisierungsschub für die Ausbildung künftiger Lehrpersonen und positioniert sich damit als forschungs- und theoriegeleitete sowie praxisbezogene Ausbildungsstätte für die Sprachendidaktik mit mittlerweile zehnjährigem Alleinstellungsmerkmal in Österreich“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Barbara Hinger, Leiterin des Instituts für Fachdidaktik.

Das Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik wurde im Zuge der letzten Neugestaltung der Lehramtsstudienpläne (2000/2001) von FachdidaktikerInnen der Institute für Anglistik, Romanistik und Slawistik gemeinsam konzipiert. Es gilt damit als Beweis dafür, dass strukturelle Veränderungen – wie die erstmalige Konstituierung einer Studienkommission aller geisteswissenschaftlichen Lehramtsstudien, im Gegensatz zu den bis dahin bestehenden Einzelfachstudienplänen – Innovationen in Gang setzen können, die zunächst nicht als solche intendiert waren.

IMoF als Lehremodell umfasst die Fachdidaktikausbildung aller Fremdsprachenfächer: Studierende der Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Latein, (Alt-)Griechisch, Russisch und Spanisch absolvieren gemeinsam sprachenübergreifende Kurse, die theoriegeleitet und forschungsbasiert Konzepte modernen Sprachenunterrichts vermitteln und mehrsprachigkeitsdidaktischen Prinzipien einen hohen Stellenwert beimessen. Diese, allen Sprachen gemeinsamen, Prinzipien und Theorien werden in entsprechenden Begleitkursen sowohl auf die jeweilige Sprache als auch auf die konkrete Schulpraxis übertragen. Dabei kooperieren universitätsinternes Stammpersonal mit Forschungsexpertise und LehrerInnen, die ihre schulische Expertise einbringen, im team teaching-Verfahren, was wiederum Studierenden als Modell für Teamarbeit dient, die ja aktuell an den Neuen Mittelschulen umzusetzen ist. Inhaltlich bieten die einführenden IMoF-Kurse u.a. Einblick in die Bedeutung von mentalen Sprachverarbeitungsprozessen für den Spracherwerb und die Unterrichtsgestaltung, sie verweisen auf die Bedeutung von lebensweltlicher und schulischer Mehrsprachigkeit sowie auf die Wichtigkeit motivationaler Faktoren im Fremdsprachenlernen, thematisieren Veränderungen und Paradigmenwechsel in den schulischen Curricula, zeigen die Relevanz von Methodenvielfalt auf, führen in den Umgang mit Medien ein und verweisen dabei immer auf die aktuellen schulischen Lehrpläne. Das IMoF-Abschlussmodul bildet Studierende in evidenzbasierten Testtheorien und -verfahren aus und vermittelt die Erstellung moderner Test- und Prüfformate.  Damit sind die Studierenden bestens auf den aktuellen Paradigmenwechsel einer neuen Prüfungskultur in den Schulen – Stichwort Neue Reifeprüfung – vorbereitet. Initiiert wurde dieses Modul aufgrund prospektiver Einsichten von ao. Prof. Dr. Wolfgang Stadler. Konzipiert wurde es von Carol Spöttl, BA MA. Sie leitet mittlerweile die angewandten Forschungsprojekte zur Standardisierten Reifeprüfung der lebenden Fremdsprachen, in denen empiriebasiert die Aufgabenbeispiele für die Neue AHS-Reifeprüfung erstellt werden. Aktuell finden diese bereits an über 85% aller österreichischen Gymnasien Verwendung und werden nun auch für die berufsbildenden höheren Schulen erarbeitet.

Die Ausbildung für einen modernen, mehrsprachig ausgerichteten Fremdsprachenunterricht und eine theoriegeleitete sowie evidenzbasierte Forschung, um den Unterricht von Fremdsprachen an Schulen zu verbessern und zu optimieren, sind also die tragenden Säulen von IMoF. Sie stehen in engem Konnex zu den Fachwissenschaften, insbesondere über die angewandte Sprach- und Literatur- bzw. Kulturwissenschaften, und sehen sich als Bindeglied zwischen Fach- und Unterrichtsforschung. Diesen innovativen „Dialog als Perspektive in der Sprachendidaktik“ erläuterte im Rahmen des 10jährigen Jubiläums auch der Festredner, Univ.-Prof. Dr. Werner Delanoy von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Abgerundet wurde der Festakt durch mehrsprachig interpretierte Musikstücke der studentischen „IMoF-Urformation“. In der Aufführung „IMoF in Szenen und Bildern“ stellten IMoF-Teammitglieder schließlich in humorvoller Art und Weise den Alltag von IMoF seit dem Jahr 2002 dar. Ausgeklungen ist die Festveranstaltung bei einem Buffet, das von Charly Rathgeb-Weber mit seiner Band „Past and Present“ musikalisch umrahmt wurde.

Der Abend wurde von der School of Education, der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, dem Vizerektorat für Forschung und der Stadt Innsbruck gesponsert.

(Barbara Hinger)