Gravitationsrätsel als Thema des AFI-Weihnachtskolloquiums

Beim AFI-Symposium trafen sich Physikerinnen und Physiker aus unterschiedlichen Diszipinen, um sich über die neusten Erkenntnisse zu ungelösten Fragen der Physik auszutauschen. Die mittlerweile zur Tradition gewordenen Veranstaltung fand am 7. Dezember im Claudiasaal statt.
AFI 2012
Bild: Physikerinnen und Physiker aus verschiedenen Disziplinen tauschten sich auch heuer wieder beim AFI-Symposium aus.

Wie verbindet man die großen Strukturen des Universums mit der kleinen Welt der Quanten? Die Verbindung zwischen Großem und Kleinem in der Physik, aber auch interdisziplinär mit anderen Fachrichtungen, das war eines der Ziele des sechsten AFI-Physik-Symposiums in der Claudiana. Steven Bass vom Institut für Theoretische Physik organisierte dieses Weihnachtskolloquium zum Thema „Gravitational Puzzle“ gemeinsam mit dem Italienzentrum.

Das AFI-Meeting hat schon Tradition in der Physikwelt. Dem Organisator Steven Bass ist es ein Anliegen, Physikerinnen und Physiker aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um sich über die neuesten Erkenntnisse und ungelöste Fragen in der Physik auszutauschen und dadurch zu Diskussionen und neuen Sichtweisen anzuregen. Renommierte WissenschafterInnen aus der ganzen Welt berichten über den „State of the Art“ ihrer Forschungsschwerpunkte und vor allem Studierende nützen diese Veranstaltung, um mit führenden Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Physik ins Gespräch zu kommen und auch erste Forschungskontakte zu schließen.

Das 6. AFI-Symposium thematisierte spannende aktuelle Forschungsthemen wie die Quantenwelt mit der Gravitation, Dunkle Energie und Dunkle Materie oder neueste Erkenntnisse über die String-Theorie. Luca Amendola (Heidelberg) sprach über die beschleunigte Expansion des Universums und die mysteriöse Dunkle Energie, die Energie des Vakuums oder „Nichts“. Diese bisher noch immer nicht identifizierte Energie dürfte auch für die Expansion des Universums verantwortliche sein. Laura Baudis (Zürich) gab eine Übersicht über aktuelle Forschungen im Bereich der Dunklen Materie, die 80% der Masse unseres Universums darstellt. Auch hier ist unklar, aus welchen Teilchen die dunkle Materie besteht, und laut Baudis ist „keines der Standardpartikeln ein guter Dunkle Materie Kandidat“. Sie gab einen Überblick über die weltweiten Forschungsinitiativen, die sich auf der Suche nach diesen neuen, schwach wechselwirkenden Teilchen befinden, die WIMPs – Weakly Interacting Massive Particles genannt werden. „Wir sollten uns auf Überraschungen gefasst machen, die Ära der direkten Nachweisbarkeit dieser neuen Teilchen ist angebrochen!“, so die Physikerin.

Markus Aspelmeyer (Wien) und Gemma De las Cuevas (München) sprachen über das Bestreben, die Gravitation mit der Quantenphysik zu kombinieren, und über Ideen, wie man Quantengravitation in der experimentellen Quantenoptik untersuchen kann. Zum Abschluss des physikalischen Teils spannte Johanna Erdmenger (München) mit der String-Theorie einen Bogen über die gesamte physikalische Welt: Die String Theorie ist ja ein vielversprechender Kandidat für eine vereinheitlichende Theorie, die das Standardmodell der Elementarteilchenphysik und die Gravitation verbinden soll. Zum AFI-Symposium sind traditioneller Weise auch WissenschafterInnen anderer Disziplinen eingeladen. Karin König vom Institut für Ökologie übernahm heuer den Part und referierte über den Klimawandel in den Alpen während der vergangenen 10.000 Jahre.

Die harte „Kost“ von aktuellsten und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde am Abend mit Kultur aus Innsbruck gewürzt: Ein mittelalterliches Bankett im Schloss Ambras mit einem Menu aus dem Kochbuch der Philippine Welser war der krönende Abschluss eines spannenden Tages. Unterstützt wurde das Symposium von der LFUI, dem Italien-Zentrum der Universität Innsbruck und dem FWF (P23753).

(Silvia Prock)