Erika-Cremer-Stipendium 2012 vergeben

Maria Heidegger und Johanna Schwarz werden im Rahmen des Erika-Cremer-Programms bei ihrem Habilitationsvorhaben unterstützt. Die vom Vizerektorat für Personal und dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies initiierte Förderung wurde im November 2012 zum dritten Mal vergeben und soll exzellenten Forscherinnen den entscheidenden Schritt in den Wissenschaftsbetrieb erleichtern.
blog_cremer2012.jpg
Bild: Die Preisträgerinnen Johanna Schwarz (links) und Maria Heidegger (2. von rechts) mit Sabine Engl vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies (2. von links), Vizerektor Wolfgang Meixner und Vizerektorin Sabine Schindler (rechts).

Die Habilitation ist ein entscheidender Schritt für alle jene, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben. Das Erika-Cremer-Stipendium unterstützt Frauen in diesem Karriereschritt. „Bei der Schaffung des Erika-Cremer Programms war uns eines von Anfang an besonders wichtig: Es sollte nicht die geförderten Wissenschaftlerinnen als Personen begrei­fen, die aufgrund leistungsmäßiger Defizite eine Extraportion Unterstützung brau­chen“, verdeutlichte Dr.in Sabine Engel vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies in ihren einführenden Worten bei der feierlichen Vergabe der Erika-Cremer-Stipendien 2012. „Das genaue Gegenteil ist der Fall: Auch dieses Jahr haben sich wieder sehr viele Wissenschaftlerinnen mit wirklich hervorragenden Forschungsvorhaben beworben, die Auswahl war auch diesmal wieder sehr schwierig.“ Deshalb wurden auch 2012 wie schon im Vorjahr wieder zwei Stipendien vergeben, und nicht wie ursprünglich vorgesehen eines. 2009 habe man auf Einladung von Vizerektor Wolfgang Meixner begonnen, über ein Habilitationsprogramm für Frauen nachzudenken, erläutert Engel die Entstehung des Programms. Das Stipendium, das eine befristete Anstellung von bis zu 48 Monaten sowie eine starke Einbindung der Stipendiatinnen in den Forschungsbetrieb vorsieht, wurde 2009 erstmals vergeben.

Die Stipendiatinnen sind Dr.in Johanna Schwarz, M.A. und Mag.a Dr.in Maria Heidegger, sie wurden von einer Jury aus mehreren Antragstellerinnen ausgewählt.

Johanna Schwarz schloss 1987 ihr Lehramtsstudium für Germanistik und Anglistik/Amerikanistik an der Universität Innsbruck ab. Ein postgraduales Masterstudium in English „Language & Literacy“ am City College der City University of New York (CUNY) folgte 1996 bis 1998, ihr Doktoratsstudium an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät in Innsbruck absolvierte die zweifache Mutter zwischen 2001 und 2006. Die Wissenschaftlerin unterrichtete in Summe zwanzig Jahre an unterschiedlichen Gymnasien Deutsch und Englisch und ist Lehrbeauftragte am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung und im Bereich Didaktik der Sprachen am Institut für Fachdidaktik. Ihr Habilitationsvorhaben „Das bildende Potential schulischer Lernerfahrungen“ untersucht schulisches Lernen in der Erfahrungsdimension der Schülerinnen und Schüler im Bereich der Grundlagenforschung.

Maria Heidegger studierte ab 1988 Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, die Diplomprüfung schloss sie 1993 mit Auszeichnung ab. Es folgte die ab 1996 mit einem Stipendium der ÖAW geförderte Dissertation zum Thema „Sozialen Dramen und Beziehungen. Das Landgericht Laudegg in der Frühen Neuzeit – eine historische Ethnographie“, für die sie 1999 auch den Wissenschaftspreis der Stadt Innsbruck erhielt. Die dreifache Mutter ist seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität lnnsbruck und war auch davor als externe Lektorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre beschäftigt. In ihrer Habilitation untersucht sie, ausgehend von historischen psychiatrischen Krankenakten, Falldarstellungen und zeitgenössischer Literatur zu Pastoralmedizin und Psychiatrie, Verhältnisbestimmungen zwischen Seelsorge und Seelenheilkunde, Positionierungen ihrer Akteure, konkurrierende Deutungsmuster psychischen Krankseins sowie aus einer patientenzentrierten Sichtweise religiöse Erfahrungsräume in Tirol und Salzburg zwischen 1830 und 1870.

Erinnerung an eine große Forscherin

Das Erika-Cremer-Programm ist nach der Physikochemikerin Erika Cremer (1900-1996) benannt. Im Andenken an die große Forscherin, die trotz hervorragender wissenschaftlicher Leistungen erst 1959 zur ordentlichen Universitätsprofessorin für physikalische Chemie bestellt und zum Vorstand des Physikalisch-Chemischen Institutes ernannt wurde, will die Universität Innsbruck wissenschaftliche Frauenkarrieren fördern. Angeboten wird ein Habilitationsprogramm in Form einer befristeten Anstellung von 12 bis 48 Monaten. Der Antragstellerin soll so die Möglichkeit geboten werden, sich auf ihr Habilitationsprojekt konzentrieren zu können. Darüber hinaus soll sie in den Forschungsbetrieb einbinden und ihre wissenschaftliche Präsenz am jeweiligen Institut sicherstellen.

(red)