Innsbrucker Nachwuchslinguistin erhält Preis der Accademia della Crusca

Am 11. September 2012 wurde der Innsbrucker Nachwuchswissenschaftlerin Mag. Dr. Christine Konecny im Rahmen eines feierlichen Festaktes an der Accademia della Crusca in Florenz, 1583 gegründet und seither tonangebend in allen Belangen der italienischen Sprache, der sehr ehrenvolle „Premio Giovanni Nencioni 2012“ für ihre Dissertation zu italienischen Kollokationen verliehen.
Die Präsidentin der Accademia della Crusca, Prof.ssa Nicoletta Maraschio, gratuliert Dr. Christine Konecny zu ihrem Preis.
Bild: Die Präsidentin der Accademia della Crusca, Prof.ssa Nicoletta Maraschio, gratuliert Dr. Christine Konecny zu ihrem Preis.

Der international ausgeschriebene Preis, welcher heuer erstmals vergeben wurde, richtete sich an Nachwuchswissenschaftler im Bereich der italienischen Linguistik, die einen dem italienischen „Dottorato di ricerca“ gleichkommenden Studienabschluss an einer nicht-italienischen Universität gemacht haben. Die Jury, bestehend aus den drei „accademici“ Prof. Massimo Fanfani, Prof.ssa Paola Manni und Prof. Aldo Menichetti, hat den Preis nach Begutachtung der eingereichten und zugelassenen Arbeiten einstimmig Christine Konecny zugesprochen. „Als ich mit meinem Doktoratsstudium begonnen habe, hätte ich mir niemals träumen lassen, eines Tages einen Preis seitens der Accademia della Crusca zu erhalten – für mich bedeutet das den Höhepunkt meiner bisherigen wissenschaftlichen Karriere und ich fühle mich sehr geehrt“, freut sich Christine Konecny über die hohe Auszeichnung. Mit dem Preis ist auch das Angebot eines kostenlosen, einmonatigen Forschungsaufenthaltes an der Accademia della Crusca verbunden. Die Vergabe des Preises erfolgte zu Ehren von Prof. Giovanni Nencioni, bedeutender italienischer Linguist und Philologe, der von 1972 bis 2000 auch Präsident der Accademia della Crusca war. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie für die Verbreitung der italienischen Sprache außerhalb Italiens hat er sich zeitlebens in besonderem Maße eingesetzt. Am 11. September 2012 hätte er seinen 101. Geburtstag gefeiert.

Bei Kollokationen handelt es sich um typische, meist zweigliedrige Wortverbindungen einer Sprache, die weder vollkommen frei zusammengesetzt noch gänzlich idiomatisiert sind, daher oft auch als „halbfest“ eingestuft werden. Sie sind konventionell festgelegt, daher in ihrer Zusammensetzung stark von der jeweiligen Sprachgemeinschaft abhängig. Aus diesem Grunde divergieren Kollokationen auch in den Sprachen und stellen für Fremdsprachenlernende eine häufige Fehlerquelle dar. Einige der von Christine Konecny analysierten italienischen Kollokationen sind u.a. digrignare i denti (‚die Zähne fletschen‘), il sole tramonta (‚die Sonne geht unter‘, wörtlich in etwa: „verschwindet jenseits der Berge“), il rubinetto perde (‚der Wasserhahn tropft‘, wörtlich: „verliert“), attizzare l’odio (‚Hass schüren‘) und ammazzare il tempo (‚die Zeit totschlagen‘, wörtlich: „töten“).

Christine Konecny, seit 2010 Assistenzprofessorin am Institut für Romanistik, hat für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu italienischen Kollokationen bereits nationale und internationale Anerkennung geerntet. Ihre über 700 Seiten umfassende, 2010 publizierte Doktorarbeit stellt mittlerweile ein Standardwerk in der Kollokationsforschung dar. Auch bei der Jungen Uni, der Tiroler Forschungsnacht und diversen anderen Veranstaltungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit war Christine Konecny schon mehrmals mit einem eigenen Stand zu ihrem Dissertationsthema vertreten, bei dem Kinder und Jugendliche sich u.a. an einem Zeichenwettbewerb zur Bildlichkeit italienischer Kollokationen beteiligen konnten.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen zu den italienischen Kollokationen kann Christine Konecny inzwischen fruchtbringend auch in einem von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol geförderten lexikographisch und didaktisch ausgerichteten Forschungsprojekt umsetzen, bei dem es um die Erfassung und die vergleichende Beschreibung denotativ äquivalenter Kollokationen des Italienischen und Deutschen geht und das die Linguistin gemeinsam mit Mag. Erica Autelli durchführt (siehe http://www.kollokation.at). In diesem Zusammenhang bestehen auch Kooperationen mit mehreren Tiroler Schulen verschiedener Schultypen. Der aus dem Projekt entstehende italienisch-deutsche Lernwortschatz soll 2013 beim Hamburger Verlag Helmut Buske publiziert werden.

(Heidi Siller-Runggaldier)